Samstag, 3. November 2018

Nach dem NaNoWriMo: Was tun mit meinen geistigen Ergüssen?

Einen Monat lang herrscht Ausnahmestimmung in der Schreibwelt. Der NaNoWriMo (im Folgenden nur noch NaNo genannt) vereint nicht nur die regionalen AutorInnen. Weltweit verfolgen Schreibwütige nur ein Ziel: 50.000 Worte in 30 Tagen. In Wordwars oder auf Schreibtouren wird versucht, alles aus den Geschichten herauszuholen und das Vorbereitete in möglichst vielen Worten auszuformen. Aber was tun, wenn der Schreibmonat rum ist? Was macht man dann mit seinen geistigen Ergüssen?



Viele AutorInnen gehen mit der Erwartung in den NaNo, nach dem Schreibmonat etwas fertiges in den Händen zu halten. Das wünscht sich jeder. Auch wenn im November auf Quantität hingearbeitet wird, zählt trotz allem die Geschichte hinter den Zahlen. Für viele AutorInnen ist der NaNo eine gute Möglichkeit, um in einer möglichst kurzen Zeit eine Rohfassung ihrer Geschichte aufzuschreiben. Es geht darum einen groben Entwurf der Geschichte zu verfassen und anschließend mit dem zu arbeiten. Wenn dieser nach 30 Tagen steht, wartet im Anschluss der normale Autorenwahnsinn. Nun geht es ans Überarbeiten, Umschreiben, Ändern, Streichen oder Hinzufügen. Der innere Kritiker hatte im November Sendepause und darf nun wieder an seine Arbeit gehen. 

Was nach dem NaNo kommt, ist von AutorIn zu AutorIn verschieden. Jeder schreibt anders und hat unterschiedliche Ansprüche. Manche schreiben sehr viel und gleichzeitig sehr gut, wo andere mehr Zeit dafür brauchen. Eine Vielzahl der Schreibwütigen überarbeitet lieber den Text, den sie schnell hintereinanderweg geschrieben haben. Hierbei gilt die Deviese: Erst schreiben und dann überarbeiten. Fehler und unschöne Formulierungen gehören dazu. Es ging vielmehr darum, den inneren Kritiker auszuschalten. Jeder geht anders aus dem Schreibmonat heraus. Daher sind die folgende Punkte jediglich eine Zusammenfassung und zeigen mögliche Wege auf, wie ihr nach dem NaNo weiterarbeiten könnt.

  • Ist der erste Entwurf noch nicht vollendet, könnt ihr im Stil des NaNos weiterschreiben, um diesen möglichst schnell zu vervollständigen und den Schreibfluss zu nutzen. Einmal in die Geschichte eingetaucht, wird sicher kaum jemand aufhören zu schreiben, nur weil das Ziel des NaNos – die 50.000 Worte – erreicht ist. 
  • Steht die Rohfassung gibt es mehrere Möglichkeiten weiterzuarbeiten. Oder eben auch nicht. Nach einem arbeitsreichen Monat habt ihr euch eine Pause verdient. Das Geschriebene wird erst einmal beiseite gelegt, um später mit einem frischen Blick an die Überarbeitung zu gehen. Entweder ihr schreibt für eine gewisse Zeit gar nicht, was für viele aber keine wirkliche Option ist, oder ihr wendet euch anderen Projekten zu. In solch einer Pause könnt ihr euch nun auch den Plotbunnys widmen, Ideen weiterverfolgen, die euch während des Schreibens gekommen sind: Seien es nun Gedanken zur laufenden Story oder Inspirationen für neue Arbeiten. Idealerweise habt ihr euch zu den Plotbunnys bereits kurze Notizen gemacht und könnt diese nun ausformen. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, einmal etwas Abstand zur Schreibarbeit zu nehmen, rauszugehen, wieder etwas zu unternehmen und danach mit einem frischen Geist ans Werk zu gehen.
  • In der Regel kommt nach der Rohfassung einer Geschichte die Nachbereitung. Selbst wenn ihr das Entstandene nicht so überzeugend findet, wird es sicherlich Passagen geben, die gelungen sind und euch zu Neuem bzw. zum Weiterschreiben motivieren und inspirieren können. Plotlöcher, die ihr während des Nanos übersprungen habt, könnt ihr nun flicken. Analoge Schreiber dürfen ihre handschriftlichen Werke abtippen, was nicht schlecht ist, denn so können kleine Ungereimtheiten gleich ausgemerzt werden.
  • Von Überarbeitung zu Überarbeitung entwickelt jeder seine eigene Methode mit den vorhandenen Worten umzugehen. Ich kann nur von mir ausgehen und gebe euch gerne einen Einblick in meine Arbeitsweise:
    Zuerst lasse ich das Manuskript ein paar Tage oder auch Wochen liegen, erst dann lese ich es durch. Dabei mache ich mir Notizen direkt an den Text (sei es nun in digitaler Form oder auf dem Papier) und korrigiere Dinge, die mir dabei auffallen. Das können Rechtschreibfehler, Buchstabendreher, verlorengegangene Wörter, aber auch zusätzliche Beschreibungen sein, die mir in diesem Augenblick einfallen.
    Einmal duchgearbeitet, wende ich mich den Notizen zu und setze sie um. Das kann von Dialoge umschreiben bis zusätzlicher Recherche alles sein.
Bin ich mit dem Inhalt soweit zufrieden, wende ich mich der Sprache und dem Szenenaufbau zu. Meine Schwäche sind definitiv Füllwörter, Umgangssprache und die Kommasetzung. Was mir beim ersten Durchlesen noch nicht aufgefallen ist, wird jetzt noch einmal systematisch abgearbeitet, genauso wie die Szenen und deren Aufbau. Bin ich dann zufrieden geht das Manuskript an Testleser oder Lektoren.

  • Natürlich können Testleser auch gleich nach dem NaNo bemüht werden. Ihr habt sicherlich ein paar zuverlässige Leser, die gerne ihren Senf auch zu unausgefeilten Werken dazugeben. Während ihr eine Pause nach dem NaNo einlegt, können sie das Geschriebene durchgehen. So wird die freie Zeit trotzdem genutzt und an der Story, wenn auch durch Dritte, gearbeitet. Das hat den Vorteil, dass deren Anmerkungen in der Überarbeitungsphase gleich berücksichtigt werden können.
Quelle: pixabay

Da wartet ganz schön viel Arbeit nach dem sehr intensiven Schreibmonat. Eine Überarbeitung kann flüssig und reibungslos ablaufen oder sich ewig ziehen. Je mehr Meinungen ihr einholt, desto unterschiedlich können die Einflüsse sein, die auf das Manuskript einwirken. Ihr müsst für euch herausfinden, wie ihr am Besten arbeitet und was ihr mit der Geschichte machen wollt. Habt ihr sie nur für euch geschrieben, wollt ihr sie selbst veröffentlichen oder soll sie gar an einem Verlag geschickt werden. Diese Umstände verändern bzw. verlängern eure To-Do-Liste, bilden aber ein anderes Thema und würden den Rahmen des Artikels sprengen.

Wenn ihr nach der intensiven Arbeit im NaNo erst einmal genug von eurem Projekt habt, könnt ihr es auch beiseite legen und etwas Neues anfangen. Da grenzt euch niemand ein.

In jedem Fall ist eine Teilnahme am NaNo selten für umsonst. Selbst wenn ihr die 50.000 Worte nicht schafft, oder aus privaten Gründen vorzeitig abbrechen müsst, kann selbst ein kurzer Zeitraum Gewinne für die eigene Geschichte bringen. Discovery Writer können während des NaNos herausfinden, ob Elemente ihrer Story so funktionieren. Dann haben sie einen Ansatz um weiterzuarbeiten, umzuschreiben und einen anderen Weg innerhalb der Geschichte einzuschlagen. Es wird immer Passagen geben, mit denen ihr zufrieden seid, die euch zu Neuem inspirieren, wo aus einem kleinen Funken ein großes Feuer ausbricht.
Plotter können wiederum, trotz eines festen Plots, neue Aspekte in der Geschichte entdecken, die ihnen weitaus besser gefallen, als der eigentliche Plan. Diese können vielleicht einen Teil des Plots für die Geschichte unbrauchbar machen, aber sich umso besser in das Gesamtkonzept einfügen. Andererseits hilft der Schreibmonat auch dabei, bestimmte Stationen im Plot besser auszuformen oder Plotlöcher zu stopfen. Beim Schreiben kann sich für beide Schreibarten etwas Neues entwickeln.

Auf jeden Fall gilt: nach dem NaNo ist vor dem NaNo und das Camp gibt es ja auch noch. Habt ihr kein komplettes Manuskript geschafft, weil ihr wenig Zeit hattet, oder euer Plot zu umfangreich ist, dann bietet sich die Zeit bis zum Camp für die Überarbeitung des bisherigen Textes an (vielleicht kann ein Ausschnitt schonmal an Testleser gehen), sodass ihr dann in NaNo-Manier im Camp an der Fortsetzung schreiben könnt.

Eure geistigen Ergüsse, sollten deswegen niemals im Papierkorb landen. Wenn euch etwas nicht gefällt, dann legt es beiseite. Vielleicht taugt es für eine andere Geschichte, von der ihr noch gar nicht wisst, dass ihr sie einmal schreiben werdet. Vielleicht beim nächsten NaNo?
Eure Anki

Eine Schreibaufgabe gibt es dieses Mal nicht, aber ich bin natürlich an euren Erfahrungen interessiert. Was macht ihr nach dem NaNo? Was macht ihr mit dem, was in dieser Zeit entstanden ist?

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Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger!