Mittwoch, 3. Oktober 2018

NaNoWriMo - was ist das?

Jedes Jahr im November hauen tausende AutorInnen in die Tasten, um innerhalb eines Monats einen Roman zu schreiben. Der National Novel Writing Month, kurz NaNoWriMo, ist längst international bekannt geworden und AutorInnen aus aller Herren Länder nehmen daran teil.

Doch was steckt hinter dem NaNoWriMo? Wie läuft dieser ab? Und wie finde ich heraus, ob dieses Schreibprojekt auch etwas für mich wäre?

Das und mehr versuche ich in meinem heutigen Artikel zu beantworten.




Der NaNoWriMo wurde 1999 von Chris Baty in den USA gegründet. Beim ersten NaNoWriMo im Juli 1999 nahmen gerade einmal 21 Menschen teil. 2009 waren es bereits 165.000 TeilnehmerInnen. Seit dem Jahr 2000 findet das Online-Event im November statt, da in diesem Monat meist nicht so schönes Wetter herrscht, man sich deshalb eher drinnen verschanzt und an seinen Projekten arbeitet. Das wurde bis heute beibehalten.

Das Ziel des NaNoWriMos besteht darin, innerhalb der 30 Tage des Monats November einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Wenn man das schafft und man seine geschriebenen Wörter am Monatsende validiert, zählt man als GewinnerIn und bekommt neben einer Urkunde verschiedene Rabatte für Online-Shops und Softwares, wie z. B. das Schreibprogramm Scrivener.

Natürlich kommen dabei meist keine qualitativ hochwertigen Romane zustande, sondern nur Rohfassungen, die noch einer gründlichen Überarbeitung bedürfen. Aber natürlich heißt das nicht, dass eine schnell geschrieben Rohfassung grundsätzlich schlechter sein muss, als eine, die längere Zeit benötigte. Manche können schnell und gleichzeitig auch gut schreiben.

Das Ziel des NaNoWriMos ist, den inneren Kritiker auszuschalten und einfach nur die erste Version einer Geschichte herunterzuschreiben. Deshalb zählt auch nur die Quantität der Wörter und nicht die Qualität des Geschriebenen. Eine im NaNoWriMo geschriebene Rohfassung MUSS also nicht unbedingt gut sein – aber es gibt natürlich auch hier wieder AutorInnen, die wunderbare Romane während des NaNoWriMos schreiben.

Laut der Regeln des NaNoWriMos ist es erlaubt, ja sogar erwünscht, die Planung für den Roman bereits vor November abzuschließen, insofern man ein Plotter ist. Aber auch Pantser sollten sich zumindest ein bisschen Gedanken zum Roman gemacht haben, damit sie nicht ganz ohne alles dastehen und sich nicht durch das schnelle Schreiben in eine Sackgasse manövrieren.

Das Verfassen des eigentlichen Manuskripts sollte im Idealfall erst am 1. November um Mitternacht starten. Die Regeln wurden inzwischen etwas abgeändert. Während das früher noch ein Muss war, darf heute auch an bereits angefangenen Romanen weitergeschrieben werden. Wer aber zum ersten Mal teilnimmt und das volle NaNoWriMo-Feeling erleben möchte, dem wird nahegelegt, tatsächlich erst am 1. November mit einem neuen Projekt zu beginnen. Auf der Website des NaNoWriMos kann man sich registrieren und muss dann eine E-Mail bestätigen. Leider kommt es immer wieder zu Problemen mit der Bestätigungsmail. Man sollte, wenn man über mehrere E-Mailadressen verfügt, am besten verschiedene ausprobieren, falls man keine E-Mail vom NaNoWriMo-Team erhält. Nach der Bestätigung der E-Mailadresse kann man sich anmelden und sein Profil ausfüllen – so ausführlich, wie man das gerne möchte.
Ab dem 1. November darf dann seinen Wordcount (Anzahl der geschriebenen Wörter) auf der Website eingeben und speichern. Eine ausführliche Statistik zeigt an, ob man im grünen Bereich ist, wie viele Wörter man bis zum Ziel noch schreiben muss, wann man voraussichtlich die 50.000 Wörter erreicht und noch vieles mehr.

Zur Unterstützung und zum Austausch kann man sogenannte Writing Buddies hinzufügen und sich gegenseitig Nachrichten schreiben. Es handelt sich dabei um SchreibpartnerInnen. Man hat auch auf seiner Profilseite einen Überblick über die gespeicherten Writing Buddies. Aber Achtung: Wenn du einem Writing Buddy folgst, bedeutet das nicht automatisch, dass du auch zu seinen Writing Buddies hinzugefügt wirst. Das Hinzufügen eines Writing Buddies geschieht immer nur einseitig. Allerdings wird der/die entsprechende BenutzerIn per Nachricht darüber informiert, dass du ihm/ihr folgst.

Du kannst dich auch im Forum mit anderen austauschen, allerdings hauptsächlich auf Englisch, da auch die Website des NaNoWriMos in englischer Sprache gestaltet ist. Lediglich das Regionalforum ist auch in deutscher Sprache verfügbar.

Außerdem erhält man regelmäßig motivierende „Pep Talk“-Nachrichten von erfolgreichen AutorInnen.

Bisher konnte man ab Oktober ein neues Projekt anlegen, seit 2018 ist das bereits ab September möglich. Der angelegte Roman wird dann auf der Profilseite angezeigt. Man gibt hierfür den (vorläufigen) Titel des Projekts ein, sowie das Genre und ggf. ein Cover, eine Zusammenfassung des Inhalts, ähnlich eines Klappentextes, und einen Ausschnitt des Romans. So können andere Schreiberlinge sehen, woran man arbeitet. Einen Roman anzulegen, ist Voraussetzung für den NaNoWriMo. Wie ausführlich man das tut, ist allerdings einem selbst überlassen. Man kann sich auch auf den Titel beschränken.

Was relativ neu ist, sind die sogenannten „Goal Trackers“. Hier kann man sich eine Aufgabe anlegen, z. B. das Plotten des Romans, mit einer Zeitangabe und einem Wortziel. Es wird dann immer ausgerechnet, wie viele Wörter noch fehlen. Man kann diese „Goal Trackers“ bereits vor November benutzen, also z. B. bei der Vorbereitung (auch NaNo-Prep genannt) im Oktober.

Im Gegensatz zum Camp NaNoWriMo, das immer im April und Juli stattfindet, schreibt man nicht in einer Cabin und kann das Ziel auch nicht offiziell selbst festlegen. Außerdem wird nur der Wordcount gezählt und man kann seinen Fortschritt nicht in Minuten, Stunden oder Seiten messen.

Auch sollte man einen Roman schreiben und nicht einen alten überarbeiten oder einen neuen plotten. Solche Aufgaben kann man aber sehr wohl beim Camp NaNoWriMo erledigen.

So weit, so gut. Doch eignet sich der NaNoWriMo auch für dich?

Es ist wahnsinnig motivierend, mit anderen gemeinsam zu schreiben. Die Deadline und der Druck dahinter, jeden Tag zu schreiben und 50.000 Wörter in 30 Tagen zu produzieren, ist extrem anspornend.

Solltest du dich allerdings zu den AutorInnen zählen, die unter Druck überhaupt nicht schreiben können, dann ist der NaNoWriMo eher nichts für dich. Da würde ich dir aber durchaus das Camp NaNoWriMo ans Herz legen, weil du dort selbst entscheiden kannst, wie viele Wörter du dir als Ziel setzt – es ist einfach viel entspannter.

Natürlich kannst du auch inoffiziell ein niedrigeres Ziel beim NaNoWriMo festlegen. Niemand kann dich zwingen, die 50.000 Wörter zu schreiben. Aber ich finde es immer ein bisschen demotivierend, wenn ich sehe, dass mein Fortschrittsbalken weit hinterherhinkt und die Statistik mir permanent anzeigt, dass ich nicht im Soll bin. Wem das nichts ausmacht, der kann das dennoch machen.

Ich kann es allerdings jedem nur ans Herz legen, den NaNoWriMo einmal auszuprobieren. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich das bewältigen kann, doch ich habe es geschafft und ich bin mir sicher, dass auch du es schaffen kannst. Nur Mut!

Oder hast du schon einmal am NaNoWriMo teilgenommen? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Lass es mich unten in den Kommentaren wissen. 

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Zum Weiterlesen:


Mimi bloggt auf www.myna-kaltschnee.com über Bücher und das Schreiben. Ihre Geschichten sind in den Genres Horror, Fantasy und Science Fiction zu Hause.