Mittwoch, 26. September 2018

Der Masterprocrastinator

Vor kurzem ertappte ich mich wieder einmal dabei, nichts zu tun. Nicht, dass ich mich aktiv von der Arbeit abgehalten hätte… Ich meine, ich hätte an meinem Portfolio für die Uni schreiben können… Oder an diesem Artikel… Oder an meiner Kurzgeschichte… Oder an der Vorbereitung für meine Masterarbeit… Aber man wird ja wohl auch mal Nichts tun dürfen?! Das dachte ich mir zumindest und gammelte so vor mich hin. Im Hinterkopf immer diese leicht säuerliche, leise, schnöselige Stimme, die mich daran erinnerte, dass die Deadline für das Portfolio am Ende des Monats ist und die Deadline für den Artikel schon in fünf Tagen… Manchmal besteht Nichtstun bei mir auch aus zwei Stunden YouTube-Videos gucken und sich am Ende fragen, wie man bei „Game of Thrones – Sansa Stark – Staffel vier“ gelandet ist, obwohl man gerade bei Staffel eins, Folge fünf war und keine Ahnung hat, was da gerade auf dem Bildschirm abgeht. 



Ich ertappte mich also dabei und tat… Richtig, nichts. Wahrscheinlich hätte ich einfach weiter Nichts getan, aber auch mein Freund ertappte mich dabei und so bestand er darauf, Abhilfe zu schaffen. Gesagt, getan. Er zeigte mir ein Video auf YouTube. Ja, einige von euch werden jetzt vielleicht lachen oder schmunzeln, schließlich machte ich schon darauf aufmerksam, dass ich Nichtstun gerne auch mit „youTuben“ verbinde. Auch ich musste mir ein solches Schmunzeln verkneifen, bis ich den Titel des Videos sah: „Inside the mind of a master procrastinator | Tim Urban“. Uhhh, jetzt wurde es schon etwas unangenehm. Ich wusste, ich schob in letzter Zeit gerne mal Dinge vor mir her und mein Freund wusste es ebenso. Zuvor hatte ich mir, auch wenn wir im Schreibmeer schon einige Artikel zum Thema veröffentlicht hatten, noch keine Gedanken dazu gemacht. Schließlich bin ich normalerweise ein sehr „durchgeplanter“ Mensch und halte mich auch an meine Vorgaben. Nur die letzten zwei Semester… drei Semester… da hatte das irgendwie nur minimal funktioniert. In diesem 14-Minütigen gab es immer wieder Stellen zum Schmunzeln und zum Lachen, aber auch viele, viele Stellen, die mich zum Nachdenken anregten.

Tim Urban erklärt Prokrastination relativ simpel: Das Gehirn eines Prokrastinierenden ist sozusagen anders gesteuert als das eines Nicht-Prokrastinierenden. Im wahrsten Sinne des Wortes: gesteuert. 



Beide Bilder sind, wie man vermuten kann, dem YouTube-Video entnommen. Sie verdeutlichen den grundlegenden Unterschied zwischen einem Nicht-Prokrastinierenden und einem Prokrastinierenden. Der Nicht-Prokrastinierende entscheidet sich, etwas zu tun und tut es dann auch. Er trifft rationale, logische Entscheidungen aufgrund von vorliegenden Informationen. Der Prokrastinierende hingegen entscheidet sich, etwas zu tun, wird aber vom Affen aufgehalten. Dieser verspricht Einfachheit, Spaß und „sofortige Befriedigung“ der eigenen Wünsche. Zum Ende des Videos macht Tim Urban eine neue These auf: Jeder Mensch ist auf seine Art und Weise ein Prokrastinierender. Und damit auch jeder Autor?Im Leben eines Autors gibt es immer wieder Zeiten, in denen Deadlines eingehalten werden müssen oder man sich selbst sagt, dass man dies oder jenes erledigt haben will. Manchmal funktioniert es dann und manchmal nicht. Manchmal kommt kurz vorher ein Panikmonster um die Ecke und sorgt dafür, dass man doch noch schnell was aufs Blatt bringt und man hofft dabei, dass das Geschriebene keine völlige Katastrophe ist. Manchmal jedoch hat man weder die Muße, sich an gemachte Pläne zu halten, noch erwacht das Panikmonster und bringt einen dazu, schnell noch etwas zu tun. Alles, was dann bleibt, ist diese leicht säuerliche, leise, schnöselige Stimme, die einen daran erinnert, dass man es versaut hat.

Auch Tim Urban hat nicht den Masterplan zur Hand, wie man dieses Verhalten unterbinden kann. Wie man den Affen austrickst, das Panikmonster von selbst ruft und wie man endlich mal diese nervige Hintergrundstimme zum Schweigen bringt. Ich habe da auch noch keine 100%-Lösung gefunden, aber ich versuche, immer einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Versuche, mir klar zu machen, dass Nichtstun ab und an wirklich auch mal guttut, aber dass dieses Verhalten nicht Überhand nehmen darf. Ich versuche, mir klar zu machen, dass manchmal einfach die „Luft raus ist“ und man sich mit etwas Anderem beschäftigen muss und manchmal nur der innere Schweinehund einen von der Arbeit abhält. Den Spaß, den wir uns wünschen und den uns das putzige Äffchen verspricht, können wir auch in unserer Arbeit, in unserem Schreiben finden. Ich für mich habe festgestellt, dass es oftmals mein Perfektionismus ist, der mich daran hindert, mit dem Schreiben anzufangen. Ich will sofort etwas super Gutes, super Geiles, super „Superiges“ schreiben. Wir alle wissen aber, dass das meistens nicht funktioniert. Also besinne ich mich darauf, warum und wie ich angefangen habe zu schreiben. Um des Spaßes Willen nämlich und nicht für den perfekten Plot, den perfekten Satz oder die perfekte Szene.


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Zum Weiterlesen:
 

Jenny bloggt außerdem auf www.jennifergreve.wordpress.com/