Samstag, 7. Juli 2018

„Für mich ist das Ziel vor Augen das Wichtigste“ – Interview mit Sissi Kandziora

Überfüllte Schränke, nutzloser Kleinkram, Geschenke, von denen man sich nicht trennen kann oder darf. Jeder von uns kennt dies.

Mit „Nur was ich mag – Leben kann so einfach sein“ hat Sissi Kandziora einen Ratgeber auf die Beine gestellt, der dabei unterstützend helfen soll, sich nur auf das zu besinnen, was einem wirklich gefällt.

Doch Sissi ist nicht nur Selfpublisherin, sie ist YouTuberin, Selbstständige, Hundemama und eine kreative Frau, die ständig neue Ideen entwickelt. Im heutigen Interview habe ich sie zu ihrem Weg und Alltag befragt. 


 

 Stell dich doch bitte kurz vor und beschreibe dein Buch in zwei Sätzen.

Hallo, ich bin Sissi und bereits seit Ende 2009 YouTuberin. Als Beruf habe ich Grafik-Design gelernt und im Anschluss den Bachelor of Arts im Bereich „Film und Drehbuch“ angeschlossen. 2016 gründete ich meine erste eigene Firma als Social-Media-Coach. #nurwasichmag¹ (Leben kann so einfach sein) ist ein leicht verständlicher und bodenständiger Ratgeber zum Thema „leichter leben“.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, aus #nurwasichmag ein Buch zu machen, anstatt das Konzept nur auf YouTube umzusetzen, wo du quasi zu Hause bist?

Ich habe für mich persönlich einfach festgestellt, dass mich Videos zu den Themen „aufräumen“, „ausmisten“ und „organisieren“ unglaublich motivieren, aber dass ich grundsätzliche Methoden und Vorgänge viel besser über Bücher verstehen und erlernen kann. Deshalb hatte ich in der Zeit auch sehr viele Ratgeber konsumiert, von denen ich aber keinen uneingeschränkt weiterempfohlen hätte. Nun kamen zwei Dinge zusammen – zum einen der Gedanke daran, dass ich ein Buch für mich schreiben möchte, das einfach alles enthält, was ich mir von den anderen Ratgebern gewünscht hätte, und zum anderen habe ich das Schreiben nach meiner Bachelorarbeit und meinem Businessplan einfach auch sehr vermisst.

 

Wie bist du an das Projekt „Buch“ herangegangen? Gab es gleich einen Plan oder hast du erst einmal wild losgeschrieben und dann im Nachhinein alles in eine passende Form gebracht?

Ich liebe das strukturierte Arbeiten und so bin ich an einem Morgen im Januar 2017 aufgewacht, nahm ein Notizbuch zur Hand und begann, mit MindMaps die diversen Inhalte des Buchs festzuhalten. Die Grundidee spukte dabei schon lange in meinem Kopf umher und nun musste alles aufs Papier. Direkt nach dem Braindump sortierte ich alles in ein Inhaltsverzeichnis, begann in Indesign auch schon direkt mit der Gestaltung und füllte die ersten Kapitel. Ab da flossen die Inhalte nur so aus mir heraus und so wuchs der Ratgeber Stück für Stück bis zu seiner vollen Größe.

 

Hattest du beim Schreiben feste Zeiten? Gab es Ziele, wie viele Kapitel oder Wörter du am Tag erreichen willst? Und hattest du von vornherein eine Deadline für dich festgesetzt?

2016 hatte ich bereits im Mai einen Video-Monat zum Thema Minimalismus auf meinem Youtube-Kanal veröffentlicht und dieser Monat steht ja auch im Allgemeinen häufig für Neuanfänge und Umbrüche. In meinem Leben spielte der fünfte Monat des Jahres ebenfalls schon häufig eine große Rolle und daher hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, das Buch bis zum 1. Mai zu veröffentlichen. Ansonsten steckte ich mir auch Meilensteine, bis wann ich beispielsweise den Testdruck fertig haben wollte, wann ich mein Covershooting mit mir selbst einplanen musste und wann die Videoreihe dazu starten sollte.

 

Du optimierst deine Planung ja beständig. Hast du beim Schreiben von "Nur was ich mag" etwas gelernt, das du für die Umsetzung deiner Planer anwenden konntest, um das Schreiben besser in deinen Alltag integrieren zu können (neben Mann, Hund, Firma, YouTube und Leben)? Wie bringst du das alles unter einen Hut, so dass du auch noch Freizeit hast?

Tatsächlich liegt der Ursprung meiner Schreibmotivation schon weiter zurück. Bereits meine Bachelorarbeit und meinen Businessplan habe ich im selben Rhythmus verfasst. Ich merke meistens schon morgens, ob heute ein Schreibtag wird oder nicht. Fließen die Worte und gefällt mir, was ich da lese? Das sind Fragen, die darüber entschieden habe, ob ich dann an dem Tag eher schreibe, recherchiere oder gestalte. Freizeit hatte ich in der Phase tatsächlich keine. Im Gegenteil – ich musste zu der Zeit meine Hochzeit und die anschließende Reise organisieren, meine Firma führen, Projekte abschließen, Videos für 4 Wochen vorproduzieren und vieles mehr erledigen. Das war wirklich sehr anstrengend. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir unseren Hund auch erst nach dem Urlaub geholt hatten. Sonst hätte ich das alles niemals so geschafft.

 

Wie hat dein Umfeld auf die Buchprojekte reagiert? Nimmt es Rücksicht darauf, obwohl es sich dabei um keinen vergleichbaren Job wie deine Firma handelt oder musst du beständig darum kämpfen, dass dir die Zeiten dafür gehören?

Ich starte ja immer wieder völlig neue Projekte und das ist mein Umfeld somit gewohnt. Lediglich für meine Kunden war es natürlich schwer, weil ich die Zeit von ihren Projekten abziehen musste. Meine Familie und Freunde sind nach wie vor sehr begeistert, haben mittlerweile auch schon alle das Buch gelesen und angefangen auszusortieren.

 

Welche Tipps hast du in dem Zusammenhang, sich eine Disziplin anzutrainieren, um strukturiert Schreibzeiten einzuhalten?

Für mich ist das Ziel vor Augen das Wichtigste. Wenn du dein eigenes Buch wirklich in Händen halten möchtest und das zu einem bestimmten Termin, bleibt dir einfach nichts Anderes übrig, als durchzuhalten.

 

Es gibt viele Autoren, die nebenberuflich schreiben. Hast du Tipps, wie sie sich trotz Brotjob und Schreiben noch einen Ausgleich zum Abschalten schaffen können?

Freizeit muss man sich tatsächlich fest in den Alltag einplanen und sich das auch mit vollem Genuss gönnen. Das habe ich viele Jahre nicht getan und bin daran fast zerbrochen. Jeder braucht Luft zum Atmen, um mit neuer Energie wieder lossprinten zu können. Pausen sind dabei ein wichtiger Bestandteil des Prozesses und man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich bewusst Zeit für sich nimmt. Wichtig dabei ist nur, dass es wirklich Dinge sind, die einen glücklich machen!

 

Zurück zu "Nur was ich mag", warum hast du dich für das Selfpublishing und nicht für eine Verlagsveröffentlichung entschieden?

Ich war schon immer gerne mein eigener Chef und als Grafik-Designerin wollte ich mir auch nicht in die Gestaltung meines Buches reinreden lassen. Hinzu kommt, dass ich keine Lust hatte zu warten, bis ein Verlag mich aufnehmen würde. Mittlerweile habe ich einige Angebote erhalten, aber ganz ehrlich? Ich sehe keinen Vorteil darin, da ich auch als Selfpublisher im Buchhandel gelandet bin.

 

Wie bist du das Marketing angegangen? Hast du dich mit anderen Autoren zusammengetan und in einer Gruppe Unterstützung gefunden oder das alleine aufgezogen?

Ich habe das Buch in erster Linie für mich geschrieben und durch meine Videos auf YouTube hatte ich ja auch schon direkten Kontakt mit der Zielgruppe. Ich muss gestehen, ich habe mir keinen Marketingplan gemacht, sondern es floss einfach alles zusammen und daraus ist eine medienübergreifende Aktion entstanden, die vielen Menschen hilft. Ich bin dabei sehr stolz darauf, dass ich das ohne fremde Hilfe geschafft habe.

 

YouTube als Marketinginstrument: Hast du Tipps für Autoren, die das für sich nutzen wollen?

Wenn man ein Buch schreibt und sich denkt „ach, damit gehe ich jetzt auf YouTube, um Werbung zu machen“ ist das definitiv ein äußerst schwieriger Ansatz, der nur sehr wenigen Erfolg beschert. Eine Community kann man sich nicht innerhalb von wenigen Wochen aufbauen, sondern das braucht meist wesentlich länger. Dabei ist der Mehrwert das Allerwichtigste. Werbung schaut sich nämlich niemand freiwillig an.

 

Hast du weitere Bücher geplant? Oder wird es bei "Nur was ich mag" und deinen Planern bleiben? Steht vielleicht auch mal ein Roman auf dem Plan?

Seit meiner Veröffentlichung 2017 plane ich den zweiten Teil von #nurwasichmag und bin da auch schon fleißig an der Stoffsammlung. Ansonsten denke ich auch über Kinderbücher und einen Roman nach, aber eins nach dem anderen. :)  

 

Hast du einen abschließenden Tipp oder ein paar Worte?

Mir hilft es sehr, dass ich verschiedene Standbeine habe, weil ich mich so in keinem der Bereiche zu etwas zwingen muss. Dadurch verliere ich nie die Freude an meinen Projekten. 



Liebe Sissi, vielen Dank für dieses tolle Interview und die anregenden Antworten.


Wer jetzt neugierig geworden ist, findet „Nur was ich mag – Leben kann so einfach sein“ direkt im BoD-Shop. Selbstverständlich ist das Buch aber auch überall sonst bestellbar.

Außerdem hat Sissi eine ganze Video-Reihe zum Thema auf YouTube, in der sie in ihrer eigenen Wohnung Stück für Stück aussortiert. Ich kann sie jedem nur empfehlen, denn, abgesehen vom Befreiungseffekt, sind ihre Videos einfach sehr positiv und motivierend.

 

¹Durch das gesamte Interview ziehen sich beide Schreibweisen: „Nur was ich mag“ und #nurwasichmag. Ich habe mich bei den Fragen auf den Buchtitel bezogen, Sissi sich auf den Hashtag für das gesamte Projekt (Buch, YouTube etc.). Deswegen habe ich mich auch dafür entschieden, beide zu erhalten. 

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Zum Weiterlesen:


Mel lebt als bislang unveröffentlichte Autorin in Berlin und arbeitet seit ein paar Jahren regelmäßig an Romanprojekten, in denen sie mit jedem neuen ihre Fähigkeiten des Schreibhandwerks zu verbessern lernt. Wer sich mit ihr austauschen möchte, kann sie hier finden.