Sonntag, 1. Juli 2018

DKZV? Nein, danke!

Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.




Kürzlich war ich bei meinen Eltern zum Mittagessen eingeladen. Wir tauschten uns über dieses und jenes aus und kamen schließlich auf meine Schreiberei zu sprechen.

Da berichtete mir meine Mutter ganz aufgeregt, dass eine Bekannte von ihr jetzt ein Buch veröffentlicht hätte. „Sie ist Autorin, genau wie du!“ Nur hätte sie sogar bei einem Verlag unterschrieben. Wow, dachte ich, das Glück hatte ich bisher noch nicht. 



Ich war fast schon ein bisschen neidisch, als meine Mutter fortfuhr: „Und sie hat 7.000 Euro dafür bezahlt.“

Meine Spaghetti blieben mir im Hals stecken. Ich hustete, würgte und brachte röchelnd hervor: „7.000 Euro? Wieso das denn?“

Meine Mutter machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wenn sie ihre Bücher verkauft, bekommt sie das Geld ja wieder.“

Wenn ist hier der Knackpunkt. Nach ein paar Recherchen wurde mir klar, dass jene Bekannte vermutlich nicht sonderlich viele Exemplare verkaufen würde. Zum einen wurde ihr Buch zu einem völlig überteuerten Preis angeboten, zum anderen war die Leseprobe, die der Verlag auf seiner Homepage abgedruckt hatte, nicht sonderlich überzeugend – vom Klappentext ganz zu schweigen. Dieser war total nichtssagend und selbst nach dreimaligem Lesen wusste ich immer noch nicht, ob mich das Buch jetzt interessierte oder nicht. Und Rezensionen auf Amazon, LovelyBooks oder einem ähnlichen Portal? Fehlanzeige! Einen Bestseller kann sie damit nicht gelandet haben.

Die Bekannte ist noch eine junge Frau. Sie hatte vermutlich keinerlei Erfahrung, was Verlage und Buchveröffentlichungen angeht und fiel so auf einen Druckkostenzuschussverlag (DKZV) herein. Das hat mich sehr wütend gemacht. Ich sah mich auf der Homepage ihres „Verlages“ ein bisschen um und da wurde mir auch schnell klar, warum sie sich auf ihn einließ.

Der „Verlag“ bezeichnet sich selbst als „Spezialist für Neuautoren“, was mich gleich mal stutzig gemacht hat. Weiter heißt es, dass sie der Meinung seien „dass jeder Autor mit einem guten Manuskript eine faire Chance haben sollte, sein Werk einer breiten Öffentlichkeit weltweit präsentieren zu können.“ Sie sähen es als ihre Aufgabe, „diese Möglichkeit zu schaffen“.

„Faire Chance“ - da verstehe ich aber etwas ganz anderes drunter. Nicht, einem jungen, unterfahrenen Mädel mal schnell 7.000 Euro aus der Tasche zu ziehen.

Das ist genau die Masche, mit dem DKZV ihre „Opfer“ an Land ziehen. Sie gaukeln ihnen vor, eine gute Möglichkeit zu sein, das Manuskript zu veröffentlichen und damit einen Verkaufsschlager zu landen. Nur leider kommt es selten auch wirklich dazu. Der Witz an der Sache ist, dass DKZV gar nicht an einem Verkauf der Bücher interessiert sind, denn ihr Geld bekommen sie ja bereits vom Autor.
DKZV sind keine Dienstleister. Sie sind unseriöse Geld-aus-der-Tasche-Zieher. Sie lullen unerfahrene Autoren ein, die ihr Buch groß herausbringen wollen und blind dafür sind, dass diese „Verlage“ eigentlich gar kein Interesse daran haben.

Das Schlimmste daran ist auch noch, dass diese Autoren es oft nicht einmal wahrhaben wollen, dass sie da auf unseriöse „Verlage“ hereingefallen sind. Sie verteidigen die „Verlage“ noch, weil diese so nett und kompetent gewirkt haben. Sie denken, ihr Manuskript sei in guten Händen. Sie glauben, dass dem „Verlag“ wirklich etwas daran liegt, ihm als Neuautor eine „faire Chance“ zu geben.

Dummerweise hat jene Bekannte nicht einmal ein Pseudonym verwendet. Unter ihrem echten Namen wird sie jetzt bei richtigen Verlagen keine Chance mehr haben. Diese überprüfen nämlich, ob jemand schon einmal bei einem DKZV veröffentlicht hat.

Ich sagte meiner Mutter daraufhin: „Da hätte sie lieber das Buch als Selfpublisherin herausgebracht. Das kostet zwar auch Geld, aber dafür bekommt sie auch ordentliche Dienstleistungen geboten. Und ich bezweifle, dass sie als Selfpublisherin auch auf 7.000 Euro gekommen wäre.“

Ich möchte es noch einmal betonen: DKVZ sind keine richtigen Verlage! Sie lassen sich von Autoren dafür bezahlen, dass sie ihr Buch ins Angebot aufnehmen. Fallt nicht auf sie herein und überprüft Verlage lieber noch einmal, ob sie Geld von euch verlangen. Seriöse Verlage tun das nicht. 





Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.