Samstag, 9. Juni 2018

Wunschberuf: Autor.

Ehrlich gesagt, halte ich nicht viel von Aussprüchen wie "Man darf nie aufhören zu träumen". Für mich klingt das nach einem netten Lebensmotto, das man sich gerne als Wandtattoo über das Bett hängt, einen aber nicht wirklich weiterbringt. Natürlich gebe ich mich auch Tagträumen hin. Aber im Grunde bin ich ein Mensch, der sich Ziele setzt und auch daran arbeitet, diese zu erreichen. 


 

Ich möchte gerne Autor sein

Vermutlich denkt so ziemlich jeder Teilzeit- oder Hobby-Schriftsteller einmal darüber nach, Vollzeit-Schriftsteller zu werden. Ist ja auch eine traumhafte Vorstellung. Das Hobby zum Beruf machen und damit Geld verdienen. Vormittags ein bisschen tippen, nachmittags in der Sonne liegen und sich an den Tantiemen der Buchverkäufe erfreuen.

Und dann kommt wieder die knallharte Realität dazwischen. Rechnungen müssen bezahlt und die Familie versorgt werden. Es dauert womöglich Jahre, bis man mit seinen Büchern so viel verdient, das man damit seinen normalen Brotjob ersetzen kann. Und niemand garantiert, dass man überhaupt Erfolg mit seinen Büchern hat. Von den ständig nagenden Selbstzweifeln, ob man überhaupt das Zeug zum Vollzeit-Autor hat, ganz zu schweigen. Also doch: aus der Traum und zurück zum gewöhnlichen Alltag?

 

Traumvorstellung vs. Realität

Du denkst ernsthaft darüber nach, vom Schreiben zu leben, weil es das ist, was du tun willst und dich glücklich macht? Dann darf ich dir an dieser Stelle schon einmal gratulieren. Es gehört nämlich einiges an Mut dazu, zu einer bekanntlich so brotlosen Kunst wie dem Schreiben zu stehen und sich vorzunehmen, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Gerade bei kreativen Berufen, die man nicht unbedingt des Geldes wegen macht, kommt man gerne in Schwärmen. Wir träumen davon, ganz oben auf den Bestsellerlisten zu stehen, von 5-Sterne-Rezensionen und von Verlagen, die sich darum reißen, unsere Bücher veröffentlichen zu dürfen. Nicht zu vergessen sind die Fans, die uns mitten auf der Straße ansprechen und darum bitten, dass wir eines unserer Bücher signieren, das sie zufälligerweise dabei haben.

An dieser Traumvorstellung ist nichts Verwerfliches und ich gebe zu, dass ich dieser auch schon nachgehangen bin. Dennoch solltest du bei aller Träumerei die Realität nicht aus den Augen verlieren und das Schreiben auch als das sehen, was es ist. Nämlich Arbeit.

 

Ich werde Autor

Meiner Meinung nach schadet es nicht, wenn man sich ein bisschen von den Traumvorstellungen löst und den den Beruf “Autor” aus einer nüchternen Perspektive betrachtet, so wie man es mit anderen Berufswünschen auch tun würde. Dazu solltest du beispielsweise für dich klären, welche Anforderungen an Autoren gestellt werden und ob du diesen Kriterien (zumindest teilweise) entsprichst. Wenn du gerne bäckst, überlegst du ja auch, ob eine Konditorlehre für dich überhaupt infrage kommt oder das Backen lieber ein Hobby bleiben soll. Danach wirst du dich erkundigen, wo es Ausbildungs- und Arbeitsplätze dafür gibt. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage nach dem Gehalt. Mit welchem Monats- und Jahreslohn kannst du rechnen und genügt dir das zum Leben?

Wenn du davon ausgehst, dass Autor ein Beruf ist wie jeder andere auch, macht es auch Sinn, ähnliche Überlegungen anzustellen. Also: Was solltest du mitbringen, wenn du dich für diesen Beruf entscheidest?

 

Persönliche Eigenschaften

Selbstdisziplin: Diese Eigenschaft steht für mich ganz weit oben. Ohne einen Vorgesetzten und Druck von außen ist die Versuchung groß, einfach mal einen Tag oder gleich eine ganze Woche Pause zu machen. Daher solltest du in der Lage sein, dir selbst Fristen zu setzen und diese auch einzuhalten. Vor allem Selfpublisher brauchen einiges an Selbstdisziplin.

Selbstorganisation: Es wird nicht immer so einfach sein, dir neben Brotjob, Familie und Freunden Schreibzeit freizuschaufeln. Da hilft es, wenn du deine Zeit gut einteilen und organisieren kannst.

Selbstmotivation: Ein Theaterschauspieler erhält am Ende seines Arbeitstages Applaus vom Publikum. Nach einem Schreibtag wird dir vermutlich niemand applaudieren, auch wenn du das festgelegte Tagesziel weit überschritten hast. Du wirst auch lange Zeit nicht wissen, ob die Geschichte, an der du womöglich monatelang arbeitest, überhaupt gut bei den Lesern ankommt. Daher ist es wichtig, dass du dich selbst jeden Tag neu motivieren kannst. Ich denke, das ist eine der größten Herausforderungen im Autoren-Dasein.

Allein sein können: Wie du oberen drei Punkte es schon vermuten lassen, wirst du als Autor viele Stunden alleine an deinem Schreibtisch sitzen. Soziale Netzwerke verschaffen hier Abhilfe und geben dir das Gefühl, nicht völlig allein dazustehen.

Freude am Lernen: Als Autor lernst du so schnell nicht aus. Du wirst immer wieder auf neue Kniffe über eine spannende Szenengestaltung und aussagekräftige Dialoge stoßen. Und du wirst von neuen Techniken zur Charakterentwicklung und Plotplanung erfahren. Ich kann nicht sagen, ob man als Autor irgendwann “ausgelernt” ist.

Grammatik und Rechtschreibung beherrschen: Laut Stephen King gehört dies zu den grundlegenden Werkzeugen eines Autors, womit er auch recht hat. Eine furchtbare Rechtschreibung macht die beste Geschichte zunichte.

Kritikfähig: Nicht alle werden deine Bücher lieben und du wirst oftmals Kritik einstecken müssen. Das ist vor allem am Anfang hart, da du viel Herzblut in deine Geschichten steckst. Du kannst dich aber schon darauf gefasst machen, dass du nicht immer Lob für deine Arbeit erhalten wirst. Da hilft nur eines: Schokolade und sich mit der Zeit ein dickes Fell zulegen.

Träumen: Ja, auch das ist eine wichtige Eigenschaft. Ideen zu Geschichten kannst du selten erzwingen. Vielmehr wirst du dich von deiner Umgebung, zufällig mitgehörten Gesprächen, einem Traum, einer Was-wäre-wenn-Frage inspirieren lassen. Die Fähigkeit zu träumen, verrückte Gedanken zu spinnen und daraus Geschichten zu entwickeln, gehört zu den Kerneigenschaften eines Autors.

Vermutlich wirst du nicht alle Punkte perfekt erfüllen. Aber das macht auch nichts. Du kannst dir alles aneignen, was du für das Leben als Schriftsteller benötigst.

 

Ausbildung

Es gibt keine offizielle "Autorenschule" oder eine spezielle Ausbildung, die du absolvieren musst. Ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist, sei dahingestellt. Dennoch gibt es eine Menge Möglichkeiten, um das Schreibhandwerk zu erlernen. Du findest unzählige Ratgeber und noch viel mehr Blogartikel, in denen du dir Informationen beschaffen kannst. In Online-Kursen, Fernstudien oder Schreibkursen bei dir in der Nähe kannst du das kreative Schreiben auch “unter Anleitung” erlernen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Berufen bist du in deiner “Autoren-Lehre” oftmals zeitlich und örtlich ungebunden. Du kannst mit der Ausbildung als jederzeit anfangen.

 

Karriere

Und wie sieht es mit den Aufstiegschancen und dem zu erwartenden Gehalt aus? Auf diese Frage kann ich dir leider keine eindeutige Antwort geben. Mit Glück und viel Arbeit zählst du irgendwann zu jenem Autorenkreis, in dem sich unter anderen Ken Follett, Stephen King, J.K. Rowling, Stephanie Meyer und viele weitere befinden. Es kann aber auch sein, dass sich deine Bücher zwar gut verkaufen, aber nicht ausreichend, um davon leben zu können.

Daher ist es umso wichtiger, dich auf das Autorenleben vorzubereiten und zu planen, wie du deinen Traum realisieren kannst. Mehr dazu erfährst du in meinen nächsten Artikel.

Welche Überlegungen sollte man deiner Meinung nach noch anstellen, wenn man über den Beruf "Autor" nachdenkt? Schreib es gerne unten in die Kommentare


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Zum Weiterlesen:
 





Caro schreibt Fantasy- und Liebesromane und was ihr sonst noch so einfällt. Da sie ein unverbesserlicher Stubenhocker ist, arbeitet sie von Zuhause aus als Ghostwriter und Lektorin. Unter @Caro_Stein zwitschert sie über ihr Autorenleben.