Dienstag, 1. Mai 2018

Fanliebe – Zwischen Verantwortung und Selbstschutz

Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.



Das Autorenleben. In Büchern und Filmen glamourös dargestellt ist es ein undefinierbarer Raum zwischen Faszination und Selbstzerstörung. Kaum ein Künstler kann von dem Leben, was er da den ganzen Tag tut. Die Arbeit ist nicht aufzuwiegen in Geld. Zu vieles machen wir, ohne dafür eins zu eins entlohnt zu werden. Doch irgendwann kann es sein, dass der Moment kommt, in dem wir begreifen, dass wir erfolgreich sind, mit dem was wir tun.


Es ist schwer zu sagen, wann genau dieser Moment eintritt. Ist es dann, wenn es Menschen gibt, die lieben und schätzen, was tu tust? Wenn du Nachrichten bekommst, in denen man dir Anfragen für Interviews schickt? Wenn die Likes auf deiner Facebook-Seite jenseits dessen sind, was du dir je zu träumen erhofft hast?

Selbstverständlich antwortest du allen Leseranfragen persönlich. So lange, bis du nicht mehr hinterherkommst. Deine so offene Art ist getrübt von dem Gefühl, nicht mehr allem gerecht werden zu können. Du weißt nicht, wie du alles allein schaffen sollst und hast doch das Gefühl, du musst. Es kommen immer mehr Menschen, die du nie in deinem Leben gesehen hast, die sich für dich begeistern. Du liebst immer noch, was du tust. Und doch trübt es deine Sicht und du fragst dich, was von dem hier mache ich eigentlich noch für mich? Lasse ich mich zu sehr von Menschen leiten, die etwas von mir erwarten?

Auch die Kollegen schauen zu dir auf, bewundern, was du tust. Manche beäugen dich vielleicht auch argwöhnisch und wollen herausfinden, wie zum Teufel du das angestellt hast. Wie du so erfolgreich geworden bist. Sie analysieren dein Verhalten auf Social Media. So manch einer schreibt vielleicht eine Hassrezension unter Pseudonym, weil er seinen Neid nicht in Zaum halten kann.

Du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst, doch zum Glück gibt es da einen Menschen, der dich genau versteht. Ihr schwimmt auf der gleichen Welle, seid einer Meinung und du bist froh, dass er sich getraut hat, dich überhaupt über Facebook anzuschreiben, denn du bist sein absolutes Idol. Er ist mehr als ein Fan, er ist ein Freund geworden. Schon lange redet ihr beim Telefonieren nicht nur über das Schreiben, sondern auch über euer Leben. Tauscht die intimsten Details aus, Sorgen und Ängste.

In der schweren Zeit spricht er dir Mut zu. Gibt dir Tipps, was du in deinem Leben ändern kannst, damit es leichter wird.

Bis die Situation plötzlich kippt …

Du weißt nicht, warum, aber du magst diesen anderen Menschen. Er ist ein Teil deines Lebens, doch nimmt er auch immer mehr davon ein. Beansprucht einen Teil deines Lebens für sich. Natürlich. Weil er sich Gedanken, Sorgen um dich macht. Und plötzlich hast du das Gefühl, dass du tun musst, was er dir sagt, denn sonst verletzt du ihn. Du wehrst dich und ruderst dann zurück. Du willst nicht verletzen und steckst zurück. Dieser Mensch will doch nur das Beste für dich.

Und irgendwann ziehst du den Schlussstrich. Distanzierst dich. Weil dieser Mensch dir nicht mehr guttut. Du merkst, dass du deine Fans zu nah an dich herangelassen hast. Diesmal ist es noch gut gegangen, aber beim nächsten Mal musst du vorsichtiger sein …


 
Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.

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