Samstag, 12. Mai 2018

Der Autor als Ghostwriter – Lukratives Einkommen oder Zeitverschwendung?

Bekannterweise dauert es meist eine Zeit, bevor du als Autor mit deinen Romanen Geld verdienst. Da klingt es doch durchaus verlockend, wenn du bis zu deinem schriftstellerischen Durchbruch für andere Texte schreibst und dich dafür gut bezahlen lässt. Es ist doch ein gutes Gefühl, wenn du einen Roman oder ein Sachbuch beginnst, und schon im Vorhinein weißt, dass du dafür Geld bekommen wirst. Stellt sich nur die Frage, ob die Arbeit als Ghostwriter tatsächlich ein lukratives Einkommen ist oder es doch besser ist, wenn du deine Zeit in deine eigenen Texte investierst.

 

Roman oder Sachbuch?

Ich habe ein Sachbuch und einen Roman als Ghostwriter geschrieben und unterschiedliche Erfahrungen damit gemacht. Bei dem Roman ging es um die typische “nettes Mädel trifft auf attraktiven Millionär”-Geschichte, ein Genre, das mir so überhaupt nicht liegt. Dennoch wollte ich es einfach mal ausprobieren. Der grobe Plot und die Hauptcharaktere waren vorgegeben, wobei ich Gestaltungsspielraum hatte. Am Anfang hat es noch Spaß gemacht, aber mit der Zeit wurde es dann doch etwas mühselig. Ich habe den Text in mehreren Abschnitten zur Überprüfung an den Auftraggeber geschickt und mit Anmerkungen, was noch alles geändert werden soll, wieder zurückbekommen. Das kann schon nerven, wenn du gerade mitten im Schreiben bist und dann den Anfang korrigieren sollst. Insgesamt war ich dann doch ziemlich erleichtert, als ich dieses Projekt abschließen konnte.

Generell würde ich sagen, dass es schwieriger ist, als Ghostwriter einen fiktiven Roman zu schreiben. Hier gibt es einfach viel zu viele Punkte, in denen sich die Geschmäcker unterscheiden. Angefangen beim Handlungsablauf, der Charakterisierung, der Erzählstimme, usw. Als Ghostwriter musst du dazu in der Lage sein, deine eigenen Vorstellungen von der Geschichte in den Hintergrund zu stellen und stattdessen die Wünsche und Erwartungen des Auftraggebers zu erfüllen. Kreativität ist erlaubt, jedoch sollte sie im Rahmen der Vorgaben bleiben. Wenn du eine Liebesgeschichte schreiben sollst, kannst du nicht einfach Fantasy-Elemente einbauen. Wenn erotische Szenen verlangt werden, schreibst du erotische Szenen, auch wenn die dir nicht liegen.

Außerdem sollte dir bewusst sein, dass es nicht dein Text ist. Wird der Roman später veröffentlicht, steht nicht dein Name darunter, sondern der einer anderen Person. Als Ghostwriter bleibst du im Hintergrund und wirst vertraglich zum Stillschweigen verpflichtet. Niemand wird jemals erfahren, dass die Story eigentlich von dir ist. Das kann schon hart sein, wenn du mit viel Herzblut an die Sache herangehst. Daher solltest du von Anfang an mit einer gewissen Distanz an die Arbeit gehen. Ansonsten leidest du später vielleicht, wenn du das abgeschlossene Projekt in andere Hände geben musst.

Das Sachbuch fiel mir etwas leichter. Hier habe ich zu Beginn mit dem Auftraggeber die Themengebiete und die Fragestellungen besprochen und einen ersten Entwurf des Buches geschrieben. Auch hier habe ich den Text kapitelweise geschickt und Rückmeldungen dazu bekommen. Er war mit dem Text weitestgehend zufrieden und hat mir nur Anregungen gegeben, wo ich inhaltlich noch mehr in die Tiefe gehen kann. Ansonsten hat er es mir überlassen, welche Themen ich genau behandle und welche Schwerpunkte ich setze. Hier war das Arbeiten viel angenehmer, was vermutlich zum Großteil vom Auftraggeber abhing.

Im Gegensatz zu Romanen haben Sachbücher den Vorteil, dass du über klare Sachverhalte mit einer festgelegten Fragestellung schreibst. Du hast genaue Punkte, die du im Optimalfall vorher absprichst und an denen du dich orientieren kannst. Sachtexte sind auf der Gefühlsebene sicher auch einfacher handzuhaben. Hier hast du keine Figuren, mit denen du mitfühlst, keine ergreifenden Szenen und keine überraschenden Wendungen. Es gibt nur eine Checkliste mit Themen, die abgearbeitet werden müssen, und die Fachliteratur. Rein vom Gefühl her ist es wahrscheinlich einfacher, ein Sachbuch abzugeben als einen Roman.

 

Ghostwriting in der Grauzone

Es gibt auch genügend Agenturen und Selbstständige, die als Ghostwriter das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten für die Schule und Universität übernehmen. Hier bewegst du dich in einer Grauzone. Es ist nicht verboten, für jemand anders eine Masterarbeit oder Ähnliches zu schreiben, aber der Auftraggeber dürfte sie streng genommen nicht unter seinem eigenen Namen abgeben. Bei einer Masterarbeit geht es ja darum, einen akademischen Grad zu erhalten und die Arbeit dazu kann nicht einfach von einer anderen Person erledigt werden.

 

Was ist mit der Bezahlung?

Zahlt es sich nun aus, für andere Texte zu schreiben? Hier kommt es sehr stark darauf an, was du schreibst und was du aushandeln kannst.

Am lukrativsten ist mit Sicherheit das Ghostwriting von wissenschaftlichen Arbeiten. Wenn man den Dienst über eine Agentur in Anspruch nimmt, beginnen die Preise bei 10.000 bis 12.000 Euro für etwa 100 Seiten. Die Kosten orientieren sich dabei am Fachbereich und an der Abgabefrist. Wie hoch das Honorar des Ghostwriters ausfällt und wie viel die Agentur einbehält, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Bei Romanen und Sachbüchern hängt es hingegen vom Auftraggeber (und seinem Budget) ab. Auf diversen Plattformen grenzen die angebotenen Preise für Ghostwriting schon an Halsabschneiderei. Dort werden Aufträge vergeben, die mit 1 Cent pro Wort bezahlt werden, der eventuelle Rechercheaufwand ist hier bereits im Preis inkludiert. Für diesen Hungerlohn erwarten sich die Auftraggeber einzigartige und kreative Texte, die innerhalb einer Woche fertig sind. Von solchen und ähnlichen Inseraten rate ich dir auf alle Fälle ab. Erfahrungsgemäß bereiten jene Auftraggeber, die am wenigsten bezahlen, auch die meisten Schwierigkeiten, sind mit den Texten nicht zufrieden, lassen sich ewig mit der Bezahlung Zeit oder haben nach der Auftragsvergabe noch Sonderwünsche.

Ich würde dir ohnehin empfehlen, mit dem Auftraggeber einen Stundensatz zu vereinbaren. Wenn das nicht möglich ist, solltest du zumindest einen Fixbetrag aushandeln, der den Zeitaufwand realistisch entschädigt. Schätze hierzu ab, wie lange du für den Text brauchen wirst und multipliziere den Zeitaufwand mit deinem gewünschten Stundensatz. Leg ruhig noch ein bisschen was drauf, damit du Verhandlungsspielraum hast.

Versuche nicht, dich mit Kampfpreisen zu profilieren, indem du nur 10 Euro pro Stunde oder weniger verlangst. Liefere gute Arbeiten ab und verlange dafür einen höheren Stundensatz. Nur zu Orientierung: Unter 25 Euro solltest du gar nicht erst anfangen.

Abgesehen von der Bezahlung bieten dir Auftragsarbeiten noch einen zusätzlichen Mehrwert: Du kannst dich in anderen Genres und Schreibstilen ausprobieren und, was noch wichtiger ist, du entwickelst eine Schreibroutine und lernst, dich mehrmals pro Woche bewusst hinzusetzen und zu schreiben.

 

Noch ein Tipp

Wenn du dich im Ghostwriting versuchen willst, nimm zuerst kleinere Projekte an, wie zum Beispiel Blogartikel und andere Texte für Webseiten, Bewerbungsschreiben, Werbetexte, etc. So bekommst du ein Gefühl für die Arbeit als Ghostwriter und kannst immer noch entscheiden, ob du dich auch an ganze Bücher heranwagen willst.


Hast du schon Erfahrung als Ghostwriter gesammelt und hast noch weitere Tipps für Einsteiger? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen. 


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Caro schreibt Fantasy- und Liebesromane und was ihr sonst noch so einfällt. Da sie ein unverbesserlicher Stubenhocker ist, arbeitet sie von Zuhause aus als Ghostwriter und Lektorin. Unter @Caro_Stein zwitschert sie über ihr Autorenleben.