Sonntag, 1. April 2018

Komm mal runter! – Vom hohen Ross des Schreibens

Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.



Manchmal verursacht es mir körperliche Schmerzen, zu hören, was manche Autoren so von sich geben. Ich versuche mir dann immer einzureden, dass ich auch mal angefangen habe und dass ich den großen Vorteil habe, mit der Technik aufgewachsen zu sein, aber bei manchen Fragen rollen sich mir vor Empörung mehr als nur die Fußnägel hoch.

Scheinbar gibt es aber bei den älteren Jungautoren einigen Klärungsbedarf bezüglich des Autorenlebens und ich nutze diese Plattform einfach mal, um mich auf ihre Ebene des Bewusstseins hinabzubegeben und die beliebte Suchmaschine Google mit Informationen zu füttern, auf die jeder eigentlich auch kommen könnte, ohne das Internet zu bemühen. Ich sage nicht, dass man eine bestimmte Intelligenz vorweisen muss, um Autor oder gar Selfpublisher zu sein, aber ein Mindestmaß an logischem Denken und technischem Verständnis wäre schon von Vorteil. Ich gebe zu, nicht jeder kann alles wissen, aber über so manche vom hohen Ross hinunter geworfene Frage, wundere ich mich doch sehr. Und ein bisschen froh macht es mich, dass der Großteil der Massen mir in den einfachsten Fragen so hinterherhinkt, dass ich mir getrost noch ein paar Jahre Zeit mit meinem Debütroman lassen kann. 


 

 

Gibt es irgendwo eine Liste mit Buchbloggern?

Kurze Antwort: Ja, hier bei Lesestunden.

Aber lasst mein Herz an dieser Stelle einen kleinen Moment weinen – und ja, auch ein bisschen Lachen. Wie dreist ist denn allein schon diese Frage?

Der Autor erwartet hier eine fertige Liste mit allen (?) Buchbloggern, die er der Reihe nach anschreiben kann, um Rezensionen für seine Bücher zu erbitten. Okay, zumindest die größten, damit für die Neuerscheinung auch ordentlich Reichweite generiert wird.
Das ist nicht nur dreist, sondern auch faul und dumm.

Jeder Autor, der auch nur die Winzigkeit des Anspruchs hat, dass ein Blogger seine Bücher allen anderen vorzieht und am besten bei Erscheinen des Wunderwerkes eine individuelle, verkaufsfördernde, lobende, wohlwollende und ehrliche Rezension veröffentlicht, könnte bitteschön mal seine Eier von der Sitzheizung seines Stadt-SUVs nehmen. Ein bisschen darf man schon für seinen Erfolg arbeiten und es ist auch gar nicht so schwer.

 

Anleitung für eine Liste von Bloggern, die genau zu deinem Buch passen, in drei Schritten:
  1. Schau dir dein Buch an und finde ein Buch, das deinem Buch sehr ähnlich ist.
  2. Suche Rezensionen zu dem Buch, das deinem Buch sehr ähnlich ist.
  3. Kopiere die URLs der Blogs, auf denen die Rezensionen erschienen sind, in ein Word-Dokument.

Ja, ich ahne es schon. Dieses hochwissenschaftliche und überaus komplexe Verfahren ist schon eine Hausnummer für sich und möglicherweise ist es so fernab der Realität, dass es einfach nur anmaßend von mir ist, dem Fragesteller pure Faulheit und Kreativlosigkeit zu unterstellen – schließlich schimpft er sich Autor oder so etwas in der Art.

Dem allgemeinen Verständnis halber möchte ich bitte hinzufügen, dass hinter jeder dieser Webadressen ein Mensch steht, der in seiner Freizeit mit viel Liebe und Herzblut Bücher liest und auf seinem Blog rezensiert. Somit ist es des Autors verdammte Pflicht, sich über den Blogger zu informieren, seinen Namen in der Anfrage zu benutzen, diesen auch richtig zu schreiben und zu wissen, welche Bücher er in der Regel liest.

 

 

Social Media ist unangenehm und lästig

Ja, dann lass es halt.

Wer die Technik des 21. Jahrhunderts nicht zu schätzen weiß, sollte sich vielleicht lieber einen anderen Beruf suchen. Ich frage mich immer, wie ein Mensch existieren kann, der erwartet, dass der Erfolg ihm zufliegt. Wie sollen unsere Leser bitteschön wissen, dass es uns gibt, wenn wir nicht in Kontakt mit ihnen treten? Zugegeben, es hat schon etwas von „den Voyeurismus des anderen füttern“, aber jeder entscheidet selbst, wie viel er von sich preisgibt.

Und dann dieses: Mimimi, das nimmt so viel Zeit in Anspruch, dann komme ich ja gar nicht mehr zum Schreiben.

Meine Antwort: pgh – Pecht gehabt. Niemand, absolut niemand zwingt dich dazu, Social Media zu machen, aber ich glaube, es gibt kein einfacheres Instrument, seine Leser zu erreichen.

Oder: Mimimi, Facebook ist sooooo böse und schränkt die Reichweite ein.

Meine Antwort: Deal with it! So ist das Leben. Facebook möchte an dir verdienen, wenn du über Facebook verdienen willst. Angesichts der jüngsten Skandale ist es fraglich, wie lange die Plattform noch am Leben bleibt. Niemand zwingt dich bei Facebook zu sein. Es gibt dutzend andere Arten, wie du dich deiner Leserschaft mitteilen kannst. Und sicher geht es auch ohne Facebook oder den anderen Kram. Du kannst einen Schmöker nach dem anderen raushauen und so versuchen, Reichweite zu generieren. Alles, was du tust, ist besser aus rumzuheulen und im allerdümmsten Fall noch deine Leser damit zu belästigen!

 

 

Selfpublishing ist so schön einfach – Geschichte schreiben, Cover drauf klatschen, irgendwer wird’s schon kaufen!

Ich glaube, mittlerweile mangelt es unserer Szene an einigen Stellen gewaltig an Respekt – oder denken diese Menschen wirklich so?

Ich möchte weinen! So viele Menschen stecken ihr Herzblut ins Geschichten schreiben, so viele Chancen bieten sich durch verschiedene Anbieter, Blogger investieren ihre Freizeit fürs Lesen und widmen sich mühevoll dem Schreiben von Rezensionen. Da draußen herrscht ein Geben und Nehmen und tatsächlich glauben immer noch einige von den unerfahrenen Möchtegernpoeten, wenn sie über Selfpublishing schnell mal machen, machen sie schnell mal Kohle und gönnen sich dann ne Finka auf Malle? Samma hakt's noch?

Wer es immer noch drauf hat, seine Cover selbst zu machen, über schlechte Rezensionen öffentlich zu heulen oder Rezensenten runterzumachen, sich nicht die Mühe machen will, sich eine Handvoll Blogger aus dem Internet zu suchen, die zu seinem Buch passen, herauszufinden, wie man ihren Namen richtig schreibt, und sie persönlich und nett anzuschreiben, sich nicht ein bisschen weiterentwickeln will und immer noch das große Geld durch seine Buchverkäufe erwartet, der hat meiner Meinung nach einfach ganz schön gelitten. Man gebe ihm ein Pony, damit er merke, wie es sich auf Augenhöhe lebt.



 Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.