Mittwoch, 28. März 2018

Writing Excuses – Master Class #08: Q & A Charaktere

Willkommen zurück zu unseren Writing Excuses. Aufgrund des Themenmonats im Februar mussten wir einen Monat pausieren. Nun geht es weiter. In der heutigen Folge der Master Class beantworten die Podcast-Autoren die Fragen der Hörer zum Thema Charaktere. Ich habe sie für euch übersetzt und zusammengefasst. Vielleicht könnt ihr für euch ein paar neue Erkenntnisse mitnehmen. Viel Spaß. 


1) Wie schaffe ich es, meinen Charakter stärker und klüger werden zu lassen, ohne dass es aussieht wie eine übertriebene und lächerliche Rivalität mit dem Bösewicht?

Damit er authentischer wirkt, könnt ihr den Charakter auf einem „niedrigeren Level“ starten lassen, als eigentlich geplant, und ihn so mit seiner Geschichte wachsen lassen. Es hat keinen wirklichen Reiz, dass der Gegenspieler in seiner vollen Macht auftaucht, damit euer Charakter jemanden hat, den er bekämpfen kann. Euer Charakter muss an seinen Aufgaben wachsen.

 

2) Wie kann ich meinem schwachen, mit Makeln behafteten, Charakter ein wenig mehr Stärke verpassen, ohne ihn von Grund auf zu verändern und das zunichtezumachen, was ihn eigentlich so liebenswürdig macht?

Achtet darauf, dass ihr zu Beginn trotzdem keinen unsympathischen Charakter ins Rennen schickt. Behaltet einige seiner Schwachstellen bei. Behandelt jedoch nie mehrere gleichzeitig. Dies macht den Charakter langweilig. Konzentriert euch auf eine einzige Schwäche und lasst euren Charakter besser damit umgehen lernen, so kann er auf unterschiedliche Weise wachsen. Es fördert die Sympathie, wenn es jemanden im Umfeld des Charakters gibt, der ihn eben wegen dieser Schwäche liebt.

 

3) Wenn ich die Geschichte mit einem Charakter aus der Sicht der ersten Person erzähle, wie übermittele ich Entwicklungen und Gefühle der Nebencharaktere, da ich ihre Gedanken nicht sehen kann?

Schaut auf euer eigenes Leben! Ihr lebt das Leben aus der Sichtweise einer ersten Person. Ihr kennt eure Freunde, ihr wisst, dass auch sie komplexe Emotionen, Schwächen und Entwicklungen durchleben und reagiert dementsprechend. Dies könnt ihr auch für eure Geschichte nutzen. Zeigt die Reaktion eures Charakters auf diese Emotionen und Entwicklungen. Ebenso könnt ihr über verbale Ausdrücke der Nebencharaktere, ihr Essverhalten oder ihre Körpersprache, Ansichten und Schwächen vermitteln. All diese Elemente dienen dem Ausdruck einer Entwicklung, auf die euer Charakter reagieren kann. Trotzdem solltet ihr darauf Acht geben, dass auch euer Hauptcharakter immer noch etwas Neues über die Nebencharaktere lernen kann. So wird dem Leser übermittelt, dass auch diese Nebencharaktere ein eigenes Leben haben.

 

4) Wie kreiere ich eine interessante und fesselnde Story mit einem Hauptcharakter, welcher nicht der Hauptakteur, der handelnde Charakter ist?

Egal in welcher Rolle sich euer Charakter befindet, denkt daran, ihn nicht zu einem reinen Beobachter werden zu lassen. Er sollte immer genügend Motivation und Beweggründe für sein Handeln mitbringen, auch wenn er nicht der Charakter ist, der für Action sorgt.

 

5) Wie kann ein Schreibanfänger erkennen, wenn eine Handlung einen Charakter antreibt, anstatt umgekehrt und wie kann ich dem vorbeugen?


Charaktere ohne ein Leben abseits des eigentlichen Plots haben keinen Tiefgang. Ihre Handlungen wirken unbegründet und aus dem Stegreif gegriffen. Der beste Weg, um dies herauszufinden sind Lektoren oder Testleser. Zudem behaltet immer im Hinterkopf, was eure Charaktere wollen. Wenn dieses Zusammenspiel zwischen Leben des Charakters und Plot nicht passt, wird der Leser das merken und stoppen. „Moment, was?“ Deshalb ärgert euch nicht über solche Kritiken, sondern nutzt sie als Anreiz dieses Zusammenspiel besser abzustimmen. Nur weil ihr im Hinterkopf habt, was eure Charaktere antreibt, wissen das eure Leser nicht auch gleich.

 

6) Wie schreibe ich einen Charakter mit ausfallenden Sichtweisen oder Eigenschaften, ohne dass sich der Leser beleidigt oder entfremdet fühlt? Wie separiere ich die Sichtweise des Autors von der des Lesers?


Lasst andere Charaktere drauf hinweisen. Nutzt eure Figuren, um andere Verhaltensweisen aufzuzeigen und lasst sie darauf reagieren. Deckt Widersprüche auf, indem ihr andere Charaktere darüber argumentieren lasst. Zeigt dem Leser die Auswirkungen des Verhaltens, auch wenn die Charaktere sie nicht mitbekommen. Das kann nur ein Augenrollen sein, das dem Leser zeigt, dass nicht jeder dem Verhalten der einen Figur zustimmt, ohne es die Personen explizit sagen zu lassen.

 

7) Wie erschaffe ich glaubhafte Charaktere, die zum Beispiel eine andere Religion, Alter oder Geschlecht haben als ich?


Benutzt ihr Figuren, die eine andere Religion haben als ihr, ist das Wichtigste, was ihr in dieser Sache zu tun habt: Recherche!!! Nutzt zum Beispiel Foren. Schaut euch an, was die Leute wirklich sagen. Auch ihre Argumentation, lässt sich in solchen Foren gut erforschen. Außerdem solltet ihr Testleser aus dieser Zielgruppe wählen. Unterhaltet euch sooft es geht mit diesen Leuten.
Geht es um eine alte Kultur oder eine historische Gesellschaft werdet ihr unter anderen in Archiven fündig. Nutzt Briefe, Tagebücher oder Reisebücher, um das Verhalten jener Personen zu studieren.

 

8) Gibt es Tipps und Tricks, um einen sympathischen Antagonisten zu gestalten?

Ein solcher Antagonist sollte immer ein plausibles Ziel und eine glaubhafte Motivation haben. Findet Gemeinsamkeiten zwischen diesen Motivationen und den Dingen, die wir als gut empfinden. Meistens braucht es nur einen kleinen Punkt, der diese Figur zum Antagonisten macht. Meistens genügt es schon eine gegenteilige Ansicht zu einer Person zu haben, die wir bereits mögen. Dies schafft bereits eine gewisse Antipathie.


Das waren die Fragen für diesen Themenbereich. Beim nächsten Mal geht es um Struktur in eurer Geschichte. Um dies ein wenig vorzubereiten gibt es wieder eine kleine Schreibaufgabe.

Nehmt eine Szene eurer Wahl und überlegt euch, was direkt vor und danach passieren könnte. Ihr müsst es nicht komplett ausformulieren – skizzieren reicht. Habt dabei immer im Hinterkopf, dass jeder in der Szene irgendwoher kommt und anschließend wieder irgendwohin verschwindet. Wenn ihr das wisst, ist das ein guter erster Schritt, um eine gute Struktur zu schaffen.

Bis zum nächsten Mal!



Eure Anki



Weitere Informationen:

Podcast Episode 10.8

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Zum Weiterlesen:


Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger!