Mittwoch, 14. März 2018

Warum Mainstream-Cover nicht immer schlecht sind

Wer sich die Zeit nimmt und die Buchcover eines bestimmten Genres genauer unter die Lupe nimmt, der wird auf wiederkehrende Elemente treffen: die Farbe Pink für Liebesromanen, das Rot-Weiß-Thema für Thriller und die Frau im wundervollen Kleid auf Fantasy-Romanen.

Und dennoch gibt es einen Satz, den ich regelmäßig von Autoren höre, die ein Cover bei mir in Auftrag geben:

„Aber bitte kein Mainstream“ 




Wir kennen sie alle, diese blöden Songs die im Radio rauf und runter laufen, die anscheinend jeder hasst (oder nicht zugeben will, dass er sie mag) und die sich dennoch auf magische Weise an großer Beliebtheit erfreuen.
Auch ich gebe ungerne zu, dass ich Despacito beim Putzen höre und die Serie The Vampire Diaries gar nicht mal so scheiße ist.

Bei Buchcovern verhält es sich ähnlich. Niemand „mag“ erotische Pärchen auf Buchcovern und dennoch sprechen die Verkaufszahlen für sich. Aber woher kommt das?

Wenn ich auf Wikipedia die Bedeutung von Mainstream nachschlage, erwartet mich nicht ein hasserfüllter Kommentar über die Überschätzung von populären Themen in allen Medien, sondern schlicht und ergreifend die Definition: [Mainstream] spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider[.] In anderen Worten: eigentlich was Positives. Oder etwa nicht?

 

Die Kopie einer Kopie

Wenn man sich ansieht, was diese Menschen genau kritisieren, ist es oft nicht, dass diese Sachen sich an großer Beliebtheit erfreuen, (obwohl es den einen oder anderen Idioten da draußen gibt, der eine gewisse Musik nicht mehr hört, weil es plötzlich alle tun) sondern, dass alles, was Mainstream ist, sich ähnelt.

Wer etwas gefunden hat, was sich gut verkaufen lässt, wird schnell Nachahmer inspirieren. Dabei ist es egal, ob es sich um 50 Shades of Grey und die BDSM Revolution handelt oder ob blutverschmierte Gegenstände auf Thrillern zum Inventar gehören.

 

Die Verkaufsmacht von Wiedererkennungswerten

Selfpublisher haben es um einiges schwerer ihre Bücher zu vermarkten als Verlage. Viele von uns haben kein Marketing-Team, welches uns unter die Arme greift oder die Unterstützung einer bestehenden Leserschafft. Deswegen ist ein verkaufsstarkes Cover wichtiger denn je, um ein Fuß in die Weilt der etablierten Autoren zu bekommen.

Ich schreibe ganz bewusst über „verkaufsstarke Cover“ und das aus gutem Grund. Es reicht schon lange nicht mehr, nur ein „schönes“ Cover zu haben und zu hoffen, dass es den Geschmack der Leser trifft.

Für ein gelungenes Cover gibt es 3 essentielle Zutaten: Das Motiv ist an die Zielgruppe angepasst, die Erwartungen des Lesers werden erfüllt und das Motiv spricht die Leser optisch an.

Ich möchte gerne etwas mehr auf die Erwartung eingehen, die der Buchmarkt in die Köpfe der Leser gesät hat.

Ich verrate euch eine harte Realität: Buchcover sind nicht für Autoren, sondern für den Leser oder besser gesagt, für die zukünftigen Leser. Diese Realität bietet ganz bestimmte Voraussetzungen, die ein Cover erfüllen sollte.

  1. Man sollte das Genre auf einen Blick erkennen
  2. Das Motiv sollte entweder verstanden werden, ohne das Buch gelesen zu haben oder neugierig machen
  3. Man sollte das Thema oder die Atmosphäre des Buches einfangen

Die Reihenfolge der Voraussetzung ist in diesem Fall wichtig. Der Grund, warum so viele Liebesromane sich an kitschige Pärchen klammern oder Fantasy-Bücher Frauen in Kleidern zeigen ist einfach, weil man auf einem Blick erahnen kann, um welches Genre es sich handelt. Dasselbe gilt für das Motiv und auch die Themen, die widergespiegelt werden.

In meinen Augen – und da sind sich nicht alle Designer einig – ist es wichtiger, zu sehen, was das Buch bietet als ein originelles Cover zu zeigen.

Mainstream im Bereich des Coverdesigns bedeutet nichts Anderes, als die Erwartungshaltung der Leser zu erfüllen, um ihnen die Kaufentscheidung einfacher zu gestalten. Wer auf Jojo Moyes steht, wird bestimmt auch ein Buch mit ähnlichem Silhouetten-Motiv kaufen.
Jedes Genre besitzt gewisse Merkmale, mit Hilfe derer man sie schnell einordnen kann, dass manche Stilmittel bis zum Erbrechen benutzt werden, bedeutet nur eine Sache: Sie sind effektiv.

Meine Aufgabe ist es, ein Buchcover so attraktiv wie möglich zu machen. Das bedeutet, ich muss eine Balance zwischen dem Genre, den Lesererwartungen und der individuellen Geschichte finden. Meistens ist letzteres sehr entscheidend dafür, ob das Cover als Klischee endet, oder ein echter Hingucker ist. Selbst mein beliebtestes Cover bedient sich an Elementen, die man bestimmt schon hundert Mal wo anders gesehen hat.

Ich persönlich mag Mainstream, es gibt uns Sicherheit, es führt den Leser ans Zielt, es erfüllt seine Erwartungen. Die Frage ist nur, wie gut man als Designer darin ist, mit alten Mitteln, das Rad neu zu erfinden.

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Zum Weiterlesen:



Casandra ist ein Kind der 90ger und verbrachte ihre Jugend in Spanien. Eigentlich dachte sie immer, sie würde als verrückte Künstlerin in einem Haus wie Pipi Langstrumpf enden. Heute gestaltet sie Buchcover und erfüllt damit kleine Herzenswünsche – was auch nicht schlecht ist. Wenn sie nicht gerade über ihre Erfahrungen bloggt plant sie ihren Kräutergarten und hört dabei Hörbücher – am liebsten über Antihelden, gebrochene Herzen und schicksalhafte Begegnungen.



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