Donnerstag, 1. März 2018

Neid unter Autoren

Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.


Das 21. Jahrhundert ist eine wunderbare Zeit, um Autor oder Autorin zu sein. Das Klischee des einsamen Schriftstellers, der in Kerzenlicht jede Nacht alleine an seinem Schreibtisch verbringt und über seine Werke brütet, ist längst überholt, denn heute ermöglicht uns das World Wide Web, uns mit Schreiberlingen auf der ganzen Welt zu vernetzen – und das, ohne je einmal das eigene Haus zu verlassen. Schreib-Communities boomen. Jeder kann heute mit wenigen Klicks über Twitter, Facebook oder Instagram Gleichgesinnte finden und so der vermeintlichen Einsamkeit des Schreibens entkommen. Eigentlich eine tolle Entwicklung – zumindest auf den ersten Blick. Wenn man jedoch genau hinsieht, erkennt man schnell, dass auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt.





Versteht mich nicht falsch: Ich finde es großartig, dass man heutzutage die Möglichkeit hat, sich im Internet über Schreibblockaden, Plotprobleme und Veröffentlichungsgedanken auszutauschen. Das verbindet und gibt einem das Gefühl, irgendwo dazuzugehören und einen Ort zu haben, wo man mit seinem Hobby ausnahmsweise mal nicht missverstanden wird. Die persönlichen Errungenschaften werden miteinander geteilt und alle können sich darüber freuen und sich gegenseitig anspornen. Doch genau hier beginnt für mich das eigentliche Problem, das diese Vernetzung mit sich bringt. Dadurch, dass im Internet natürlich überwiegend positive Erlebnisse und Erfolge geteilt werden – im Gegensatz zu Rückschlägen oder Fehlern –, kann es schnell passieren, dass man ein verzerrtes Bild vom Leben als Schriftsteller bekommt. Schafft man es selbst dann zusätzlich nicht, an die Erfolge der andern Schreibkollegen anzuschließen, stellen sich bald Frustration und Enttäuschung ein. Und natürlich auch Neid.

Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Ich will stets das Beste aus mir herausholen und bringe mich mit meinem Perfektionismus oft selbst an die Grenzen meines Möglichen. Wenn ich dann die Erfolge anderer Schriftsteller sehe – seien es nun die erste Verlagsveröffentlichung oder eine besonders positive Rezension –, versuche ich stets, mich für sie zu freuen. Im Endeffekt komme ich jedoch meist nicht umhin, auch ein kleines bisschen Neid zu verspüren und Enttäuschung darüber, dass ich solche Erfolge selbst (noch) nicht vorweisen kann. Manchmal geht das sogar so weit, dass ich andere Schreiberlinge auf Sozialen Netzwerken stumm schalten muss, weil ihre überwiegende – und möglicherweise erzwungene – Positivität und die vermeintlichen großen Errungenschaften nichts als Frustration in mir auslösen. Ich schäme mich für diese Tatsache, aber im Moment bin ich noch nicht an einem Punkt in meinem Leben angelangt, wo ich diese Gefühle einfach ausschalten könnte.

Neid unter Autoren ist ein Thema, das trotz der heutigen Vernetzung selten angesprochen wird. Ich verstehe das. Als Schriftsteller will man sich gegenseitig unterstützen und motivieren, denn immerhin scheint man nur unter Seinesgleichen überhaupt verstanden zu werden. So etwas wie Neid oder Eifersucht wären da völlig fehl am Platz. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, solche Dinge nicht unter den Tisch zu kehren, sondern viel eher eine Diskussion anzuregen. Allem voran sollte die Frage stehen, welches Bild vom Autorenleben heutzutage durch das Internet vermittelt wird und inwieweit sich das auf andere Schreiberlinge auswirkt. Denn was inspirieren kann, kann auch genauso schnell wieder frustrieren. Ich appelliere an mehr Ehrlichkeit, an mehr Eingeständnisse und mehr Offenheit im Autorenleben. Wenn ich sehe, dass selbst große Autorinnen und Autoren manchmal Fehler machen und aus diesen lernen, dann gibt mir das das Gefühl, nicht alleine mit meinen Problemen zu sein. Das motiviert mich, mich von meinen eigenen Fehlern nicht aufhalten zu lassen und stets an mir und meinen Fähigkeiten zu arbeiten – viel mehr, als es ein überschwänglich positiver Instagram-Post jemals tun könnte.
Mir ist klar, dass solche Dinge einfacher gesagt sind als getan. Deshalb ist es wichtig, erst einmal bei sich selbst anzufangen, indem man sich bewusst macht, dass auch im Autorenleben nicht immer alles so perfekt ist, wie es manchmal scheint. In meinen Augen ist das der erste Schritt, dem eigenen Neid und der damit verbundenen Frustration den Kampf anzusagen. Denn schlussendlich lenken solche negativen Gefühle stets vom Wesentlichen ab: nämlich vom Schreiben selbst. Und vom Spass, den man daran haben kann, wenn man sich nicht mehr ständig von anderen beeinflussen lässt.