Samstag, 8. Oktober 2016

Typisch Autor! Klischees über Schriftsteller

Der Autor ist als Figur in Filmen und Literatur sehr beliebt. Kein Wunder – Autoren sind auch wirklich interessante Menschen, das habe ich selbst schon festgestellt. Doch was für ein Typ ist ein Autor eigentlich? Welche Eigenschaften passen zu ihm? In welchem Umfeld lebt er? Die Medien präsentieren da ein ganz eindeutiges Bild, welches ich im Folgenden einmal näher untersucht habe.


„Menschen? Nein, danke!“

Gerne werden Autoren als introvertierte Menschen, im extremsten Fall sogar totale Einzelgänger dargestellt. Sie meiden Menschenansammlungen und leben in ihrer eigenen kleinen Welt, weit weg vom Trubel. In der Regel haben diese Autoren auch kaum oder keine Freunde. Sie fühlen sich in der Einsamkeit am wohlsten, wo sie sich ganz der Schreiberei hingeben und in ihrer eigenen Fantasie versinken können. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Film „Das geheime Fenster“, der auf einem Roman von Stephen King beruht. Hier lebt der Protagonist Mort Rainey (Johnny Depp) zurückgezogen in einem abgeschotteten Haus im Wald. Das Klischee wurde also von Stephen King so „weitergetragen“.

Dass von Autoren aber verlangt wird, sich zu präsentieren und beispielsweise Lesungen vor vielen Menschen zu halten oder auf Messen aufzutreten, wird hier nicht beachtet. Der Autor ist heutzutage keineswegs mehr eine Figur, die nur in ihrem stillen Kämmerlein vor sich hinschreibt. Wenn er das überhaupt jemals war. Gerade in den Zeiten des Selfpublishings müssen Autoren aktiv werden, wenn sie beachtet werden wollen. Eine Portion Extroversion und Geselligkeit kann also keinesfalls schaden. Außerdem gibt es im Internet viele Gruppen für Autoren, wo sich diese mit Gleichgesinnten austauschen oder sogar gemeinsam schreiben können.


„Beziehung? Ach herrje!“

Viele Autoren in Film und Literatur haben keinen festen Partner. Das passt zu ihrem Bild des Einzelgängers. Sind sie doch in einer Beziehung, dann ist diese meist nicht besonders glücklich. Und woran liegt es?

Genau, an der Arbeit des Schriftstellers. Entweder er hat überhaupt keinen Erfolg, so wie Jean-Paul Leroy (Alain Delon) in „Der Swimmingpool“ und deshalb Stress mit seiner Partnerin oder er verbringt zu viel Zeit in seiner eigenen Fantasiewelt, so wie es Gil Pender (Owen Wilson) in „Midnight in Paris“ ergeht.

Was ist dran, an diesem Klischee? Meine Recherche ergab: Autoren sind sehr wohl in der Lage, glückliche Beziehungen zu führen. Ein Beispiel gefällig? Stephen und Tabitha King sind seit 1971 verheiratet. Sie war es, die ihn motiviert hat, seinen Debütroman „Carrie“ zu veröffentlichen.

Noch nicht ganz überzeugt? Virginia und Leonard Woolf waren bis zu Virginias Tod 29 Jahre verheiratet. Zelda und F. Scott Fitzgerald waren 20 Jahre, bis zu F. Scotts Tod, verheiratet. Auch J. R. R. Tolkien war Zeit seines Lebens nur einmal verheiratet und zwar 55 Jahre lang mit seiner Muse Edith Bratt. Ein weiteres Beispiel wären Terry Pratchett und Lyn Pruves, die bis zu Terrys Tod 47 Jahre verheiratet waren.


„Verrückt? Oh ja!“

Jeder kennt wohl das Bild des verrückten Genies. Auch Schriftsteller werden gerne als psychisch krank dargestellt. Das ist auch nicht ganz unbegründet, denn laut einer Studie sind Autoren tatsächlich anfälliger für psychische Leiden, als andere Berufsgruppen. Darauf bin ich in meinem Artikel „Genie und Wahnsinn – Psychische Leiden bei Schriftstellern“ schon einmal eingegangen. Gerade Menschen, die beispielsweise unter einer bipolaren Störung leiden sind meist äußerst kreativ, vor allen in ihren manischen Phasen. Beispiele für psychisch kranke Schriftsteller wären Ernest Hemingway, Virginia Woolf, Sylvia Plath, aber auch Stephen King und Joanne K. Rowling.

Trotzdem muss man natürlich keineswegs psychisch krank sein, um als Autor etwas zu taugen. Kreativität wird auch denen zuteil, die mental kerngesund sind. Es gibt genügend Beispiele in der Autorenwelt dafür.


„Geld? Ja, bitte!“

Das liebe Zaster spielt bei der Darstellung von Schriftstellern auch gerne eine große Rolle. Entweder sind sie erfolglos und nagen dementsprechend am Hungertuch, so wie Carl Spitzweg es auf seinem Gemälde „Der arme Poet“ darstellt. Oder sie sind Multimillionäre, die es mit ihren Büchern zu Ruhm und Reichtum gebracht haben.

Ein sehr schönes Beispiel für dieses Klischee ist der Film „Kokowääh“. Auf der einen Seite steht der arme Drehbuchautor Henry (Til Schweiger), der einfach keine Erfolge verzeichnen kann. Auf der anderen Seite befindet sich die Romanautorin Katharina (Jasmin Gerat), die in einem luxuriösen Haus mit Dienstboten wohnt.

Wie sieht es in der Realität aus? Die meisten Autoren sind weder arme Bettler, noch superreich. Viele Autoren schreiben neben ihrem eigentlichen Brotberuf, was auch sehr vernüftig ist. Manche haben das Glück, dass sie vom Schreiben leben können, doch sie befinden sich dann eher in der Mittelschicht. Nur absolute Ausnahmen schaffen es, Millionen mit dem Schreiben zu verdienen. Wer wirklich reich werden möchte, sollte einen anderen Weg als das Schreiben dafür wählen.


„Fleiß? Aber immer!“

Der Autor, das fleißige Bienchen, der morgens früh aufsteht und dann bis spät in die Nacht an seinem Werk schreibt und feilt. Jegliche Bedürfnisse nach einer Pause werden unterdrückt und Prokrastination hat keine Chance.

Mal ehrlich – so etwas kann nur aus Hollywood stammen. Wenn ich von mir selbst ausgehe, und ich bin mir sicher, die meisten Autorenkollegen werden mir dabei zustimmen, dann ist so viel Disziplin reines Wunschdenken. Es beschreibt vielleicht einen Autor während des NaNoWriMo, wenn alles andere in den Hintergrund tritt. Aber an einem „normalen“ Tag schreiben die wenigsten Autoren vom Aufstehen bis zum Zubettgehen an ihren Manuskripten.

Selbst renommierte Autoren wie Stephen King schreiben, laut seiner Autobiografie, pro Tag gerade mal 2000 Wörter, was in zwei bis drei Stunden erledigt ist. Bin ich deswegen weniger ein Autor? Trage ich die Bezeichnung ungerechtfertigt?

Ich denke nicht. Gerade in kreativen Berufen ist es wichtig, sich einen Ausgleich zu schaffen und nicht nur aufs Manuskript fixiert zu sein. Natürlich gibt es immer wieder Tage, an denen man vielleicht sechs bis acht Stunden schreibt, wenn man es denn hauptberuflich macht oder frei hat. Aber die Norm ist das keinesfalls.


„Modern? Niemals!“

Der typische Schriftsteller sitzt im altbackenen Strickpullover und brauen Cordhosen mit Nickelbrille auf der Nase vor seiner Schreibmaschine und tippt. Im Hintergrund dudelt ein Plattenspieler. Er liebt seine Oase, die er sich geschaffen hat und wünscht alles zum Teufel, was irgendwie modern ist.

Schriftsteller haben oft den Ruf, etwas altmodisch und konservativ zu sein und den guten alten Zeiten nachzuhängen. Auch hier könnte man wieder Gil Pender (Owen Wilson) aus „Midnight in Paris“ anführen.

Entspricht das wirklich der Realität? Meiner Erfahrung nach nicht. Gerade das Internet ist für viele Autoren ein wahrer Segen und auf moderne Laptops und Computer möchten wir ebenso wenig verzichten, wie auf ein zeitgemäßes Aussehen. Schließlich sind wir eine Marke, die wir präsentieren. Das Internet bietet zudem viele Möglichkeiten für Autoren. Neben einer Präsentation des Selbst im Social-Media-Bereich, gibt es auch das Selfpublishing, durch das Autoren völlig unabhängig von Verlagen veröffentlichen können. Das Thema E-Books wird für Autoren ebenso wichtig, wie moderne Schreibsoftware oder der Austausch mit anderen Autoren im Internet.

Habt ihr euch wiedererkannt? Oder seid ihr ganz anders, als das typische Autorenklischee vorgibt? Schreibt es mir doch in die Kommentare. Ich bin gespannt, ob sich der eine oder andere tatsächlich damit identifizieren kann.

Eine kleine Anmerkung noch zum Schluss: Der Einfachheit halber ist stets vom „Autor“ die Rede. Das Gleiche gilt natürlich auch für „Autorinnen“.


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Mimi bloggt auf www.myna-kaltschnee.com über Bücher und das Schreiben. Ihre Geschichten sind in den Genres Horror, Fantasy und Science Fiction zu Hause.