Mittwoch, 13. Dezember 2017

Erfahrungsbericht: Schreibseminar "Psychologie in Krimi und Thriller" mit Martin Conrath

Willkommen zu meinem letzten Artikel in diesem Jahr. Heute pausieren wir mit unseren Writing Excuses, um das Schreibjahr mit etwas Besonderem ausklingen zu lassen. Wie versprochen, geht es in diesem Artikel um das Schreibseminar zum Thema „Psychologie in Krimi und Thriller“.
Leider war es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich den Kurs zu besuchen. Deswegen habe ich mir Unterstützung für diesen Beitrag geholt, damit ihr trotzdem einen Einblick in das Seminar erhalten könnt.

Meine Freundin, Schreibschwester und Autorin Julia Jansen-Meurer hat den Lehrgang besucht und ist bereit mir einige Fragen zum Thema zu beantworten.

Hallo Julia.
Ich freue mich, dass du dir für meine Fragen Zeit nimmst, damit die Leser und ich eine Vorstellung von einem Schreibsminar bekommen.







Erzähl doch mal bitte, wo und bei wem das Seminar stattgefunden hat.
Julia:
Aber gerne doch: Das Seminar fand in Düsseldorf, in den Räumen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, statt. Geleitet hat das Seminar der Krimi- und Thrillerautor Martin Conrath.


Der Titel des Seminars lautet "Psychologie in Krimi und Thriller". Worum ging es genau? Kannst du uns einen kurzen inhaltlichen Überblick geben?
Julia:
Es ging darum, Wissen aus der Psychologie für Autoren nutzbar zu machen.
Wir haben verschiedene Modelle aus der Persönlichkeitspsychologie kennengelernt. Von Freud über die „Big 5*“ bis hin zu den  „15 verschiedenen Persönlichkeitstypen“** . Dann haben wir noch gelernt, wie man diese verwenden kann, um Figuren lebendig und abwechslungsreich zu gestalten. 
Das Seminar ist zwar für angehende Krimi- und Thrillerautoren ausgelegt (Beispiele, Gruppenaufgaben), ist aber auch für andere Genreautoren interessant.

Bestand das Seminar hauptsächlich aus theoretischen Elementen oder konntet ihr das neu Erlernte auch in der Praxis anwenden? Wenn ja: Was ist in den praktischen Übungen entstanden?
Julia:
Der erste Tag war sehr theorielastig (aber keinesfalls langweilig), allerdings nur, damit wir uns am zweiten Tag mit einer ganzen Menge an Rüstzeug in die Praxis stürzen konnten.
Wir haben unsere achtköpfige Seminargruppe zweigeteilt und zu einem Zweizeiler* Figuren und eine Geschichte entworfen. Herauskamen zwei ganz unterschiedliche Geschichten mit komplett unterschiedlichen Figuren. Dabei hatten wir eine Menge Spaß- obwohl es schwierig war, die Wünsche und Ideen von je 4 Autoren unter einen Hut zu bekommen.

( *“Y hat das Kind von X entführt. Y ist ein Serienkiller und hat mit X noch eine Rechnung offen.“)


Es gab sicherlich sehr viel Input, das man erst einmal verarbeiten musste. Gab es für dich neue Erkenntnisse? Auf welche Weise hat dich das Seminar weiter gebracht?
Julia:
Zur ersten Frage: Ja es gab für mich eine ganze Menge neuer Erkenntnisse. Sowohl die Skala der Big 5, als auch das Persönlichkeitstypen-Modell waren mir neu. Mit den beiden Werkzeugen an der Hand kann man wunderbar neue Figuren entwickeln. Der schönste Trick: Zwei Big 5- Skalen von verschiedenen Figuren übereinanderlegen (bzw. kombinieren): An den Skalen auf denen sich die Figuren unterscheiden kann man wunderbar Konflikte entstehen lassen!

Zur zweiten Frage: Das Seminar hat mich auf drei Arten weitergebracht: 
Erstens habe ich viel über mich selbst gelernt. 
Wo liegen meine Stärken und Schwächen bei den Big 5?(Tipp: bei Gewissenhaftigkeit erreiche ich keine 100 Punkte) Welchen Persönlichkeitstypen entspreche ich? (Narzisstisch und nicht Dramatisch)
Zweitens schreibhandwerklich: Durch das theoretische Wissen kann ich meine Figuren noch besser darstellen und mir mehr Gedanken zu ihnen machen. 
Drittens menschlich: Ich habe neue Menschen und ihre Eigenarten kennengelernt und mit diesen Menschen zusammen gearbeitet (und sehr viel gelacht).


Was hast du für dich aus dem Seminar mitgenommen? Es gab doch sicherlich eine Menge Dinge, die den Weg in deine Geschichten finden?
Julia:
Ich habe so viel neues Wissen mitgenommen, dass ich die Figuren in meinem (eigentlich fertigen) Manuskript noch einmal komplett überarbeiten muss, um es guten Gewissens in die Welt zu schicken. Das wird eine Menge Arbeit, auf die ich mich allerdings sehr freue. 
Also ja: Von dem neuen „Handwerkszeug“ wird viel in meine zukünftigen Romane einfließen.


Wo wir gerade bei deinen Geschichten sind: Unsere Leser interessiert nun sicherlich, was du eigentlich schreibst. In welchem Genre fühlst du dich zuhause?
Julia:
In vielen. Ich schreibe Urban-Fantasy, Liebesgeschichten, arbeite an einem Thriller, habe einige Dystopie-Ideen, habe eine Sammlung mit weihnachtlichen Kurzgeschichten veröffentlicht und vor allem im Herbst dichte ich gern.


Hast du konkrete Pläne für das nächste Schreibjahr? Wirst du noch einmal ein Schreibseminar besuchen?
Julia:
Für das nächste Schreibseminar (im April, wieder bei Martin Conrath) habe ich mich bereits angemeldet. 
Konkrete Pläne: Mein Manuskript überarbeiten und es auf Agentursuche schicken,
mit dir (Anki) die erste Geschichte um unsere Jungs fertigzustellen,
den zweiten Band Weihnachtsgeschichten zusammenzustellen,
mein Thrillerprojekt zu Papier bringen.
Ich habe mir viel vorgenommen für 2018 ;-)


Empfiehlst du jedem Autor einmal etwas Geld in die Hand zu nehmen und solch einen Schreibkurs zu besuchen?
Julia:
Definitiv. 
Einerseits weil man so viel über sein Handwerk lernt, anderseits, weil man mal andere Autoren kennenlernt. Normalerweise ist Schreiben ja eine recht einsame Angelegenheit. Mit einem Haufen anderer in einem Raum zu sitzen, Ideen und auch Sorgen auszutauschen, ist einfach toll. Es ist unglaublich inspirierend und gibt mir jedes Mal neue Kraft mich in mein aktuelles Projekt zu stürzen. 


Bist du der Meinung, dass ein solcher Besuch für die Entwicklung essentiell ist?
Julia:
JA!  
Natürlich gibt es Autodidakten. Die von Anfang an vieles richtig machen und damit erfolgreich sind. Aber desto mehr Wissen man hat, desto mehr kann man damit spielen. 
Ich war bisher leider nur auf zwei Schreibseminaren, aber beide haben mich unglaublich weitergebracht und mir dabei geholfen meine Geschichten und Figuren zu entwickeln. 


Hast du abschließend noch einen Tipp oder eine Nachricht an unsere schreibenden Leser?
Julia:
(Julia räuspert sich und baut sich zu ihrer vollen Größe (also 1,60m) auf und strahlt)
Lieber Leser,
Schreiben ist nicht nur Talent, sondern auch Handwerk. Freu dich über konstruktive Kritik, auch wenn sie weh tut. 
Und: Genieße es, in die Tasten zu hauen, oder nach dem Stift zu greifen. In deiner Geschichte bist du der Gott.


Vielen Dank, Julia, dass du mit mir geplaudert hast. Das Schreibmeer-Team und ich wünschen dir für das nächste Schreibjahr viel Inspiration und Ideen.

Ich wünsche der lieben Julia und natürlich auch unseren Lesern ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und dann sehen wir uns in den Writing Excuses wieder.

Eure Anki

PS: Sagt uns doch in den Kommentaren oder auf Facebook, ob ihr selbst schon einmal ein Schreibseminar besucht habt und was eure Eindrücke waren.
Eine Schreibaufgabe gibt es dann wieder beim nächsten Mal.


Julia: Ich hab eine Aufgabe! Nehmt euch doch einmal das Modell der Big 5 vor und schaut, wo ihr euren aktuellen Protagonisten auf den Skalen verorten würdet. Und wo die Figuren, die ihn umgeben.

Frohe Weihnachten!


Julia Jansen-Meurer ist Vielseitigkeitsautorin. Sie arbeitet an mehreren Romanprojekten, die sie Agenturen und Verlagen vorstellen will und hat eine Sammlung mit Weihnachtsgeschichten veröffentlicht. Dieses Jahr hat sie zum ersten Mal mit dem Schreiben Geld verdient.
Sie lebt mit Mann und Söhnchen in Köln.

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Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger!


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