Samstag, 4. November 2017

Statistiken – Zahlenfluch oder Motivationshelfer?

Als Büchermensch mit Zahlen hantieren? Das ist zumindest für einen Teil von uns Autoren ein Graus. Doch Statistiken über unseren Schreibprozess können hilfreich sein und sogar motivieren.


In den ersten Jahren meiner Schreibentwicklung waren mir Gedanken an Statistiken völlig fremd. Aber je strukturierter ich an meine Projekte herangehe, desto hilfreicher finde ich sie. Manchmal stille ich einfach nur meine Neugierde. Wie lange habe ich diesen Monat an meinen Projekten gearbeitet? Wie viele Wörter habe ich geschrieben? Wann bin ich besonders schnell gewesen? Habe ich meinen bisher höchsten Wordcount getoppt? An einem Tag? In einer Stunde? Wie hoch ist eigentlich mein Schreibtempo?

Darüber hinaus kann ich damit festhalten, wie mein Fortschritt aussieht. Anfangs war mir das egal. Was zählte, war mit den Geschichten voran zu kommen und sie mit Leben zu füllen. Ich glaube, es war der SuWriMo (Summer Writing Month im Schreibwerkstatt-Forum) im Sommer 2013, als ich das erste Mal damit in Berührung kam, Zahlen für den Vergleich mit anderen aufzuschreiben. Zum ersten Mal habe ich gesehen, wie viel ich in kurzer Zeit an einem Projekt arbeiten kann. Ich habe damals nicht geschrieben, sondern geplottet, deswegen gab es auch kein Dokument dessen Seitenzahl stetig wuchs. Aber ich zählte die Wörter dessen, was ich mir an Notizen machte. Ich prüfte, wie viele Wörter ich in einer Stunde durchschnittlich schrieb und nutzte dieses Ergebnis für eine Umrechnung von Arbeitszeit am Projekt in Schreibzeit, um mich in der Statistik im Forum eintragen zu können (z. B. durchschnittlich 1.000 Wörter pro Stunde schreiben, bedeutet bei 30 Minuten plotten = 500 geschriebene Wörter). Seit 2014 dokumentiere ich lückenlos alle Zeiten und Wörter in meinen Projekten und möchte das auf keinen Fall mehr missen.

Die meisten von uns kennen den NaNoWriMo sowie die beiden verwandten Camps, die drei großen Schreibmonate im Jahr. Bei jedem werden Zahlen festgehalten. Im NaNo sind es die Wortzahlen, in den Camps bietet die Webseite auch die Möglichkeit Seitenzahlen, Minuten und Stunden zu dokumentieren.


Doch warum diesen Fortschritt nicht über das ganze Jahr hinweg notieren?

Am Ende des Jahres in die Statistik zu schauen und festzustellen, wie viele Wörter man insgesamt geschafft hat, wie viele Minuten oder Stunden man am Plot gearbeitet hat und wie viel Zeit in die Überarbeitung geflossen ist, zeigt einem nicht nur wie die eigenen Projekte gewachsen sind, an denen man im Jahr tätig war. Zusätzlich motiviert es auch, zu sehen, wie viel ein ganzes Jahr an Wachstum bietet.

Außerdem kann man damit auch sehen, wie sehr beispielsweise Regelmäßigkeit zu einem höheren Schreibtempo beiträgt.

Und wer kennt das nicht? Der NaNo beginnt. Die Sprinter sind in den ersten Tagen auf und davon und lassen die anderen in einer Staubwolke hinter sich. Und dann sagt jemand, man solle sich davon nicht stören lassen und sich Mitschreiber im selben Tempo suchen. Nein, die Aussage ist nicht falsch. Und schon gar nicht herablassend. Sie ist einfach nur richtig. Aber wie findet man die Autoren, die im gleichen Tempo schreiben wie man selbst?

Eine Möglichkeit sind natürlich Wordwars/Wortsprints¹. Doch wenn man bereits gezielt in einen solchen Wettkampf starten möchte, muss man sein eigenes Schreibtempo bereits kennen. Dafür reicht es, sich ein festes Zeitziel zu setzen und dieses konstant durchzuschreiben. Wie lang der Zeitraum ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche sind Sprinter und schreiben lieber in kleinen Etappen. Für andere funktionieren lange Etappen besser. Wenn man alles ausprobiert, notiert und das miteinander vergleicht, erkennt man, was einem am besten liegt. Und man kann dann auch herausfinden, mit wem man sich duellieren kann, ohne weit abzufallen oder sofort davonzulaufen.

Darauf basierend kann man ebenfalls herausfinden, an welchen Zeiten des Tages man am Effektivsten schreibt. Für manche Autoren funktioniert es super gleich morgens durchzustarten. Sie schaffen dann in beispielsweise einer halben Stunde mehr Wörter als am Nachmittag oder Abend. Andere hingegen laufen erst später zur Höchstform auf. Gerade für die Schreibmonate ist dieses Wissen sehr hilfreich.

Natürlich stört der Alltag von Schule, Uni oder Job den günstigsten Schreibzeitraum manchmal. Aber spätestens, wenn man frei hat, kann einem das Wissen zugutekommen.

Probiert es einfach mal ein bisschen aus.


Und wie hält man den Fortschritt nun am besten fest?

Ganz einfach geht das natürlich mit Zettel und Stift. Aber im Laufe der Zeit wächst der Papierberg und die Übersicht geht verloren.

Ich habe mir eine Excel-Datei dafür angelegt. Monatslisten, die in einer Jahresübersicht zusammenlaufen.

Das selbst zu basteln, liegt allerdings nicht jedem. Dafür finden sich Statistiktabellen, gern auch Spreadsheets genannt, im Internet. Ich habe einige herausgesucht, ein wenig ausprobiert und verlinke sie euch hier. Manche sind für den englischen Sprachraum konzipiert. Wem das nicht liegt, der kann sich gern auf den deutschen Varianten umschauen.


NaNoWriMo

Ersteller: Justin McLachlan
Link:
www.jhdierking.com
Sprache: englisch
nötige Angaben: Monatsziel, Gesamtwortzahl (täglich)
optionale Angaben: /
Auswertung: tägliche Wortzahl, Abweichung vom durchschnittlichen täglichen Ziel, prozentualer Fortschritt
Hinweis: /


Ersteller: Svenja Gosen
Link:
www.jhdierking.com | www.svenjaliv.com
Sprache: englisch
nötige Angaben: Monatsziel, Gesamtwortzahl (täglich)
optionale Angaben: tägliche Schreibdauer (nicht vergessen: 30 Minuten = 0,5 Stunden, nicht 0,3 Stunden), Kommentare
Auswertung: tägliche Wortzahl, Wortzahl pro Stunde, täglicher Prozentanteil, übrige Wortzahl zum Ziel, übrige Tage zum Ziel, täglicher Durchschnitt, voraussichtliches Erreichen des Ziels, prozentualer Fortschritt, zusätzliches Tabellenblatt mit Grafik
Hinweis: zusätzliche Tabellenblätter für Plot und Charaktere; durch Angabe der Schreibdauer ist diese Statistik gut geeignet, um festzustellen, wann man am Effektivsten schreiben kann

Ersteller: Cameron Mathew
Link: www.jhdierking.com
Sprache: englisch
nötige Angaben: Monatsziel, Gesamtwortzahl (täglich)
optionale Angaben: tägliche Schreibdauer (nicht vergessen: 30 Minuten = 0,5 Stunden, nicht 0,3 Stunden), Anzahl der Schreibsessions, bevorzugter Schreibort, Gemütszustand, Kommentare, Anzahl der geschriebenen Szenen
Auswertung: tägliche Wortzahl, Wortzahl pro Stunde, übrige Wortzahl zum Ziel, übrige Tage zum Ziel, durchschnittliche tägliche Wortzahl, Ziel für Einzeltage, prozentualer Tempowechsel, voraussichtliches Erreichen des Ziels, prozentualer Fortschritt, verbleibende Stundenanzahl basierend auf dem aktuellen Tempo, durchschnittliche Szenenlänge, zusätzliches Tabellenblatt mit Grafik für den Wortfortschritt, zusätzliches Tabellenblatt mit Grafik für den Gemütszustand
Hinweis: durch Angabe der Schreibdauer ist diese Statistik gut geeignet, um festzustellen, wann man am Effektivsten schreiben kann


Jahresstatistik

Ersteller: Mark Feenstra
Link:
www.jhdierking.com
Sprache: englisch
nötige Angaben: tägliche Wortzahl
optionale Angaben: /
Auswertung: tägliche Gesamtwortzahl, Monatswortzahl, Jahreswortzahl
Hinweis: bis zu vier Projekte können eingetragen werden, die automatisch gezählte Seitenzahl funktioniert nur für das erste Projekt und basiert auf einer Berechnung von 350 Wörtern/Seite

Ersteller: Stefanie Hasse
Link:
www.stefaniehasse.de
Sprache: deutsch
nötige Angaben: Monatsziel, Gesamtwortzahl (täglich)
optionale Angaben: Startwortzahl, Monatstage
Auswertung: Tagesziel, tägliche Wortzahl, prozentualer Fortschritt, Grafik für den Wortfortschritt
Hinweis: keine Jahresübersicht

Ersteller: Tinka Beere
Link:
www.tinkabeere.blogspot.de
Sprache: deutsch
nötige Angaben: Tabellenblatt „Übersicht“: Jahresziel; Tabellenblatt „Monat“: Monatsziel, tägliche Wortzahl
optionale Angaben: /
Auswertung: Tabellenblatt „Monat“: Gesamtwortzahl, tägliches Wortziel, durchschnittliches Gesamtziel (am Jahresziel gemessen), durchschnittliches Gesamtziel (am Monatsziel gemessen), monatliche Gesamtwortzahl, jährliche Gesamtwortzahl
Hinweis: Jahresübersicht für Monate und Gesamtjahr, durchschnittlich geschriebene Wörter pro Monat und Tag

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¹ Wordwars/Wortsprints sind kleine Wettkämpfe, die meist online ausgetragen werden. Es wird ein Zeitfenster von beispielsweise 15 Minuten festgesetzt und jeder schreibt in der Zeit an seinem Projekt, mit dem Ziel so viele Wörter wie möglich zu schreiben. Ideal ist es hierbei sich mit Autoren zu konkurrieren, die ein ähnliches Schreibtempo haben, um nicht das Gefühl zu bekommen, völlig hinterher zu hinken oder allen davon zu laufen, wobei das von eurer Mentalität abhängt.

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Zum Weiterlesen:


Mel lebt als bislang unveröffentlichte Autorin in Berlin und arbeitet seit ein paar Jahren regelmäßig an Romanprojekten, in denen sie mit jedem neuen ihre Fähigkeiten des Schreibhandwerks zu verbessern lernt. Wer sich mit ihr austauschen möchte, kann sie hier finden.

 

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