Mittwoch, 1. November 2017

Mein NaNoWriMo 2017 – ein Prä-Plädoyer fürs Einfachdrauflosschreiben

Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.


Es ist soweit! Endlich! Der NaNoWriMo ist gekommen. Wie viele andere habe ich sehnsüchtig auf ihn gewartet. Die Stimmung, die in der Luft liegt, ist einmalig. Genauso wie ich gestern ein Wintergefühl und den Duft von Schnee in der Nase hatte, als ich in meine „dicke Jacke“ geschlüpft bin, hinterlässt auch der NaNo seinen ganz eigenen Eindruck bei den Autoren.


Wir horten Unmengen unserer Lieblingsnascherei und blockieren die Abende und Nächte, um zu schreiben. Schlaf – was ist das? Die Menge von Tee und Kaffee, die wir uns einflößen, steigt potenziell zur Wortzahl, die wir täglich tippen, – Zeit, sich weit vor den Weihnachtsramschkäufen einen beträchtlichen Vorrat anzulegen. Die Familie wird ausgeschlossen, Freunden abgesagt, die Tür verriegelt und der Schlüssel aus dem Fenster geworfen. Es wird nur aufgestanden, um da hinzugehen, wo der Autor nie ohne Buch hingeht. Wir tun unser Möglichstes, um den besten Monat des Jahres zu zelebrieren, um Wordcountrekorde hinzulegen, die wir im bisherigen Jahr leider nicht geschafft haben. Verschlingen auf den letzten Drücker Schreibratgeber und basteln an unserem Scrapbook, um uns selbst zu motivieren. Und dann kann es auch erst losgehen, wenn wir einen ausgefeilten Plot parat haben, mit vielen unvorhergesehenen Wendungen, schurkischen Schurken und … STOPP!


Was soll das hier werden?

Brauchen wir den ganzen Krempel den Rest des Jahres beim Schreiben auch? Und überhaupt: Die NaNo-Regeln besagen, dass man am 1. November mit einer Idee ganz neu starten soll. Nichts überarbeiten, nichts vorher planen. Ein weißes Blatt Papier und einen Stift – mehr brauchen wir nicht. Genau auf diese Weise habe ich in meinem ersten NaNo das erste Mal eine Geschichte beendet. Ich war überglücklich: hatte ich nicht nur eine neue Welt entdeckt – die der Autoren – in der ich nicht mehr der Außenseiter war, sondern auch das vollbracht hatte, was mir jahrelang nicht vergönnt gewesen war.

Danach habe ich mich als Planer ausprobiert. Ich wollte jeden Schreibmonat mitnehmen, den es gibt. Richtete mein Jahr darauf aus und schraubte die Ansprüche an mich immer höher. Jetzt konnte ich schließlich Geschichten beenden. Das wäre mein Druchbruch!

Nein, war es nicht. Ich versagte. Drei Romane im Jahr schreiben? Utopisch! Warum nur? Ich hatte doch alles genau bedacht und geplant …

Meine Ziele waren zu hoch. Meine Geschichten zu langweilig, weil ich sie beim Planen bereits durchlebt hatte. Sie waren nicht mehr das unentdeckte Territorium, dass es zu erkundengalt . Diese Erkenntnis warf mich um einiges in meiner Traumrealität zurück, denn ich war keinen Schritt weitergekommen.

Nun rückt der NaNo wieder heran. Ein jeder Autor verfällt in eifrige Betriebsamkeit und was mache ich? Lasse den NaNo auf mich zukommen. Verschaffe mir lediglich einen Überblick über den November, damit ich keine Termine verpasse – aber das habe ich mir sowieso angewöhnt.


Und am ersten November?

Starte ich mit einer neuen Geschichte, von der ich jetzt noch nicht einmal weiß, dass sie existiert. Der NaNo wird für mich so wunderbar werden wie meine Erinnerung an den ersten: ohne Ansprüche, ohne Planung, ohne Stress – nur meine Geschichte und ich, wie ich sie Seite für Seite langsam entblättere und entdecke.


Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.

1 Kommentar:

  1. Perfekte Einstellung! So werde ich es auch angehen. Ob November oder ein anderer Monat - Ich schreibe einfach drauf los und warte gespannt, was mir die nächste Geschichte erzählt. Der Spaß darf doch nicht verloren gehen. In dem Sinne: fröhliches Tippen

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