Mittwoch, 11. Oktober 2017

Von der Fanfiction zum Fantasyepos

Es ist Themenmonat. Unsere Writing Excuses Masterclass muss also pausieren. Heute möchte ich euch etwas über die Entstehung eigener Geschichten auf Grundlage einer Fanfiction erzählen und euch an meinen Gedanken teilhaben lassen. Böse Zungen behaupten, man sei kein Autor, wenn man Fanfictions schreibt, aber dem stimme ich nicht zu. Mit jedem Wort, das man schreibt, lernt man dazu. Für mich bedeutet Fanfiction, mich nicht einfach nur meiner Lieblingscharaktere zu bedienen und sie zu verkuppeln, sondern auch eine Geschichte darum zu erschaffen. Es kommen eigene Charaktere dazu, ebenso wie Schauplätze und Gegebenheiten. Es gehört eine Menge Eigenleistung dazu, eine Fanfiction zu schreiben und auch wenn ich meine nie veröffentlicht habe, so hat mir das Schreiben eben dieser in meinem Schaffensprozess weitergeholfen. Lasst uns gemeinsam einen Blick in meine schreiberische Vergangenheit werfen.




Der Wunsch eine Fanfiction zu schreiben wuchs während ich Harry Potter las. Ich glaube es war der Halbblutprinz. Wie sooft habe ich mit meiner Mama über das Buch diskutiert und wir waren beide nicht so ganz einverstanden, wie sich manche Charaktere entwickelten. Also beschloss ich den „letzten“ Harry Potter Band so zu schreiben, wie ich es gerne hätte. Erste Ideen hatte ich schon und bald bekam das Baby auch einen Namen: „Harry Potter und der Aufmarsch der Geister“. In dieser Geschichte reisen Remus und Tonks nach Irland, um in einer bis dato unbekannten Magierschule Hilfe gegen Voldemort zu suchen. Harry, von allen behütet wie ein rohes Ei, beschließt mit Ron und Hermine den beiden hinterher zu schleichen. In Irland lernen sie nicht nur Hexen und Magier kennen, die anders sind als sie, sondern finden auch eine Möglichkeit gegen die Todesser vorzugehen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Geister! Diese können schließlich nicht verletzt werden, aber (zumindest in meiner Geschichte) eine Menge magischen Schaden anrichten…
Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, denn das würde den Rahmen sprengen. Es ist auch nicht nötig. Ich möchte viel lieber auf die Elemente eingehen, die mich dazu bewogen haben, etwas Eigenes zu erfinden. Die Protagonisten der Geschichte sind Remus und Tonks. Ich war immer schon der Meinung, dass beide mehr Aufmerksamkeit verdient hatten. Ich hatte auch schon einige Fanfictions über das Pairing von anderen Autoren gelesen und bin so gesehen auf den Geschmack gekommen. Beide sind meiner Meinung nach viel interessantere Charaktere als Harry, Ron und Hermine. Sie besitzen ihre eigene Hintergrundgeschichte, die ich an sich schon viel spannender fand, als die Hauptstory: Remus als Werwolf und Tonks als Gestaltwandlerin. Sogar Snape führte sein Leben als Doppelagent nach Irland. Deswegen bediente ich mich der wenigen Infos, die Mrs. Rowling in ihren Büchern gab und fügte meine Ideen hinzu. Remus und Tonks führen quasi die Verhandlungen mit der anderen Schule. Denn ich empfand Remus schon immer als einen sehr diplomatischen u. ausgeglichenen Mann und Tonks als sehr kontaktfreudig. Ich war mir sicher, dass diese Wahl nicht allzu weit hergeholt wirkte.

Und da sind wir schon bei dem anderen Punkt, der mich gestört hat. Hogwarts ist toll, aber ich fand es immer ein wenig suspekt, dass Teenager auf sämtliche „normalen“ Schulfächer verzichten können. Es hat etwas reizvolles nur Zaubereifächer zu besuchen und die meisten werden es in der Zaubererwelt später sicher nicht brauchen, aber ich war der Meinung, dass den jungen Leuten trotzdem entsprechende „Muggelgrundlagen“ beigebracht werden sollten. Auf mich wirkte es immer ein wenig so, als würden Aliens betrachtet … Also gestaltete ich meine Schule anders. Man sollte mir ja nicht nachsagen, dass ich ein zweites Hogwarts erschaffe. Nein. Ich wollte etwas anderes. Es gibt keine Zauberstäbe im Harry Potter-Stil und die Schüler besuchen ganz normale Fächer zuzüglich der Kurse um magisches Wissen. Dieses besteht eher darin mit den Elementen der Erde und der Natur umzugehen, Elemente zu bändigen und mit Kräutern zu arbeiten. Zudem wollte ich nicht, dass sie im Verborgenen leben. Ich wollte es alles ein wenig im Bereich „des Möglichen“ haben. Keine Drachen, keine fliegenden Besen, sondern kleine Elfen und Feen und Magier auf stattlichen Pferden. Natürlich dürft ihr das nicht falsch verstehen. Ich liebe Harry Potter, jedoch erkannte ich, dass ich für meine eigene Geschichte eine etwas andere Sicht auf Magie hatte. Ich entfernte mich also ein wenig von dem Harry Potter Universum und steckte Rowlings Charaktere in meine Welt.

Mit der Schule entstanden natürlich auch eigene Charaktere, die mit Rwolings Figuren agieren konnten. Ich brauchte für die Schule natürlich Schüler, Lehrer und einen Schulleiter. Ich beschäftigte mich sehr viel mit ihnen und ihren eigentlichen Aufgaben. Während ich an den Vorgeschichten meiner Charaktere schreib, merkte ich, wie viel Spaß mir das Erfinden eigener Abenteuer machte, dass ich eigentlich gar keine fremden Charaktere brauchte. So geriet Harry Potter mehr und mehr in den Hintergrund. Immerhin gab es nun viele neue Geschichten, die es zu beleuchten galt. Warum war Xangsoss mit seinen 24 Jahren schon Schulleiter? Wie sah die Kindheit der Zwillings-Lehrer Remus und Romulus aus? Welche Schüler hielten in meiner Schule die Belegschaft auf Trapp? Welche Geheimnisse gab es auf dem Schulgelände zu erkunden? Ich beschloss also die Fanfiction auf Eis zu legen und meine neuen eignen Ideen zu verfolgen, ohne mich Charakteren zu bedienen, die nicht mir gehörten. Ich begann also meine eigene Geschichte zu schreiben, die natürlich an meiner Schule in Irland spielte. Je länger ich schrieb, desto mehr Ideen bekam ich, neue Charaktere kamen hinzu und brachten immer wieder neue Hintergründe mit.

Und gerade als ich mich eingeschrieben hatte, lernte ich meine Schreibschwester Julia kennen. Wir schwärmten für die gleichen Sachen, tauschten uns aus und hielten es für angebracht eine Fanfiction zu der Band Apocalyptica zu verfassen. Zuerst war es eine reine Verkupplungsgeschichte, deren Ausmaße uns auch heute noch beschäftigen. Denn ich ersann eine Vorband für Apocalyptica, eine Band aus Irland, die im Verlaufe der Geschichte Apocalyptica als Handlungsträger ablöste. In der Band spielt Juca, ein Finne und Magier, studiert hat er – und da schließt sich der Kreis – an meiner Schule aus der Harry Potter Fanfiction. Auf Tour trifft er einen Jungen, der nicht nur gesundheitliche Probleme hat, sondern auch Anzeichen eines Engels aufweist. Das Thema der Geschichte veränderte sich. Wir ließen Apocalyptica Apocalyptica sein und wandten uns den Charakteren zu, die anfingen ihr Eigenleben zu führen. Es entstanden viele neue Charaktere, alte Protagonisten veränderten sich und gerieten in den Hintergrund, auch die Schule wurde an die neue Geschichte angepasst. Und bevor ich mich versah, befand ich mich in der Erschaffung eines neuen Universums. Zu dem Aspekt der Magie, kam das Thema Engel und Teufel, zu Juca dem Finnen, gesellten sich beste Freunde, diese wiederum brachten ihre eigenen Hintergründe mit. Woher diese stammten und wie alles zusammenhing entwickelten wir gemeinsam und schrieben uns die Nächte um die Ohren. Nie zuvor hatte ich mich so intensiv mit Charakteren und deren Umfeld beschäftigt. Wahrscheinlich lag es daran, dass Julia und ich im RP-Stil geschrieben haben, uns sozusagen im Rollenspiel befanden. Wir verkörperten unsere eigenen Charaktere. Es ist möglich, dass wir deswegen eine andere Bindung zu ihnen aufbauten. Man bekommt noch einmal eine gänzlich andere Sicht auf die Dinge. Niemals hätte ich erwartet, dass man es wirklich merkt, wenn man bereit für eigene Kreationen ist. Ich hatte die Verbundenheit zu eigenen Charakteren unterschätzt. Sie entwickeln sich mit mir weiter. Ihre Geschichte ist noch nicht zu ende, so auch die Geschichten um die Magierschule in Irland nicht. In Ihnen steckt so viel Potential.

Heute, es sind mittlerweile Jahre vergangen, feile ich immer noch an den Charakteren von damals. Und auch wenn ich zwischendrin immer wieder neue Ideen hatte, so komme ich früher oder später immer wieder auf sie zurück. Ich habe das Gefühl, dass wie meine eigene Geschichte, ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende ist. Aus den Fanfictions, die ich vor über einem Jahrzehnt begonnen habe, blieben mir eine Handvoll Charaktere, ihre Geschichten und eine Gemeinsamkeit: sie alle besitzen magische Fähigkeiten und fühlen sich mit der Musik und der Natur stark verbunden. Ob es ein Überbleibsel der Fanfictions ist? Vielleicht das und die Übung des Schreibhandwerkes. Wer schreiben möchte, muss schreiben. Auch wenn ihr denkt, ihr habt keine eigenen Ideen, ist dies keine Ausrede nicht zu schreiben. Es heißt doch: Der Appetit kommt beim Essen. Vielleicht ergeht es euch wie mir. Fangt an zu schreiben, auch wenn es nur eine Kurzgeschichte um eure Lieblingscharaktere ist. Es wird auch bei Fanfictions immer einen Aspekt geben, den ihr dazu erfinden müsst, damit eine stimmige Geschichte daraus wird. Oft benötigt man nur einen kleinen Funken, um ein großes Feuer zu entfachen!

Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger!


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