Samstag, 29. Juli 2017

Writing Excuses – Master Class #04: Q & A Ideen


Willkommen zurück zur Writing Excuses – Master Class. Zum Abschluss des Themas „Ideenfindung“ kommen die Autoren in diesem Podcast noch einmal auf ein paar Fragen der Zuhörer zu sprechen. Als Zusammenfassung habe ich euch die Fragen und die dazugehörigen Antworten zusammengetragen. Vielleicht helfen sie auch euch, einige Bedenken beiseite zu schieben.







Q: Ist es in Ordnung, wenn unerfahrene Schriftsteller an Werken schreiben, die an Arbeiten anderer Autoren angelehnt sind?
A: Ja. Es ist einer der besten Wege in das Autorendasein einzusteigen. Fanfictions sind eine gute Trainingsgrundlage. Alles was ihr tun müsst, sind anhand der Techniken aus den anderen Artikeln, diese vorhandenen Ideen auszubauen und sie zu eurer eigenen Geschichte zu machen. Schon ein oder zwei weitere Aspekte können daraus eine komplett andere Story machen.
Im Bereich des Drehbuchschreibens gibt es ebenfalls ein paar Starthilfen. Zum Einstieg könntet ihr euch aktueller TV-Shows bedienen. Für diese schreibt ihr dann ein neues Script. Es ist nur eine Übung und wird wahrscheinlich niemals veröffentlicht, aber es könnte ein wichtiges Element in eurem Portfolio sein, welches zeigt, dass ihr euch immer mehr Handwerkszeug  aneignet.

Q: Wie kann man Mutlosigkeit vermeiden, wenn andere an einer ähnlichen Idee arbeiten?
A: Nur weil es eine ähnliche Idee ist, heißt es nicht, dass sich diese in der selben Weise entwickelt wie eure. Wenn eure Idee gut ist, dann wollen die Leute mehr von EURER Idee haben.
Nur weil beide Hauptcharaktere zum Beispiel Ärzte sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sie dasselbe erleben. Und wenn gerade ein Thema ungemein beliebt ist, dann schadet es sicherlich nicht, mit auf den Zug aufzuspringen.

Q: Wie erkennt man, ob die Idee für einen Roman oder eher für eine Kurzgeschichte geeignet ist?
A: Es kommt immer darauf an, was ihr schreiben möchtet. Dann hängt es von der Anzahl der Charaktere, den Plotideen oder den Schauplätzen ab. Je mehr Erfahrung ihr habt, desto leichter fällt es euch aus einer Idee einen kompletten Roman zu formen. Mit der Zeit lernt ihr wie man Plotlücken am besten füllt.

Q: Sollte man Geschichten mit einem bestimmten Thema nur dann schreiben, wenn man bereits mit der Thematik vertraut ist?
A: Wenn euch ein Thema interessiert, dann schreibt darüber. Seht es als Herausforderung an. Schreibt nie etwas, was euch nicht begeistert oder interessiert! Und selbst wenn ihr es nicht veröffentlicht, dann habt ihr jedenfalls eine tolle Geschichte geschrieben, die euch begeistert.

Q: Wie kann man Schauplatzbeschreibungen üben, wenn man eine Idee hat, aber nicht so vertraut mit dem Genre oder den Handlungsorten ist?
A: Hier gibt es für euch eine kleine Schreibübung: Wählt einen zufälligen Ort aus und beschreibt ihn aus der Sichtweise eures Charakters. Anschließend solltet ihr nach Büchern oder Filmen schauen, die dieses Genre bedienen. Findet etwas dem Genre oder dem Setting entsprechendes und schreibt es auf. Wenn ihr einen bestimmten Autor im Kopf habt, dann tippt eine Textpassage seines Werkes ab, um in diesen Schreibfluss zu kommen. Dann passt den Umgangston eurer vorher frei geschriebenen Version an.

Q: Wann sollte man eine Idee besser vergessen, auch wenn man eine Menge Leidenschaft dafür hegt?
A: Wenn die Idee nicht mehr länger in die Geschichte oder das Buch passt, hebt sie für später auf! Entweder passt sie in eine andere Geschichte oder ihr erinnerst euch irgendwann an die Idee und schreibt diese etwas für die Story um. So könnt ihr vielleicht noch mehr heraus holen oder heikle Themen, wie zum Beispiel Rassismus ein wenig umgehen.
Gebt nicht auf, nur weil ihr denkt, dass sich ein Buch nicht verkaufen würde oder die Leser es nicht mögen. Wenn euch das Thema begeistert, wird diese Begeisterung auch auf die Leser überspringen.

Q: Wenn man eine ganze Menge an Ideen hat: wie entscheidet man, an welcher man als nächstes arbeitet?
A: Was begeistert euch gerade? Was interessiert euch am meisten? Wenn euch mehrere Sachen ins Auge springen, dann versucht sie einfach zu kombinieren. Schreibt euch ein wenig in diese Ideen ein und schaut, welcher Geistesblitz euch fesselt.
Solltet ihr unter Vertrag stehen, werden die Ansprüche wahrscheinlich etwas angezogen. Was ist die nächste Deadline? Wie schafft ihr es, euch für das momentane Projekt zu begeistern?
Ihr solltet jedoch versuchen, alles zu beenden, was ihr schreibt. Es ist ein steter Lernprozess. Je mehr ihr damit arbeitet, umso leichter fällt es euch auch, die Gedanken herauszufiltern, welche euch leicht von der Hand gehen oder wann die schwierigen Passagen im Schreibprozess kommen.


Schreibaufgabe:

In den letzten Artikeln ging es hauptsächlich um die Ideenfindung. Als nächstes wenden wir uns dem Thema „Charaktere“ zu. Um euch ein wenig darauf vorzubereiten, gibt es heute gleich eine Schreibaufgabe zum neuen Themengebiet. Ich werde sie selbstverständlich auch erledigen. Ich mache solche Charakterinterviews sehr gerne. Es macht sehr viel Spaß, die Charaktere auf diese Weise kennenzulernen. Oft habe ich das Gefühl, sie sitzen vor mir. Ich werde weiter an der Geschichte um Kaiser Rudolf festhalten. Auch wenn ich durch meine Masterarbeit etwas Ideenlos bin, ist es sicherlich bereichernd, die Charaktere kennenzulernen.

Für die Schreibaufgabe könnt ihr euch einer Idee bedienen, die ihr in den letzten Artikeln entwickelt habt, oder etwas ganz neuem aus eurem Notizbuch. Entscheidet euch für die Idee, die euch im Augenblick am meisten begeistert. Diesen Gedanken nehmt ihr auf und lasst fünf Charaktere für die Hauptrolle vorsprechen. Fünf Menschen, die von Grund auf verschieden sind: Sie haben unterschiedliche Hintergründe, verschiedene Jobs, besitzen unterschiedliche Erfahrungslevel, sind verschiedenen Alters und haben unterschiedliche Geschlechter. Es geht um Leute, die auf dem ersten Blick keinen guten Hauptcharakter geben würden. Probiert jeden aus. Findet heraus, wie sie in eure Geschichte passen könnten.

Willkommen ihr Fünf zu „Anki's next Hauptcharakter“. Ich hoffe ihr wisst worauf ihr euch da eingelassen habt? Ich möchte euch bitten, ein wenig von euch zu erzählen. Woher kommt ihr? Was treibt ihr so? Was zeichnet euch aus? Was sind eure Ziele oder Wünsche? Warum solltet ihr Hauptcharakter werden?

Bitte. Eure Majestät darf anfangen.


Kaiser Rudolf

*tritt erhobenen Hauptes vor und lässt sich elegant auf den Sessel sinken*
Ich grüße Euch. Mein Name ist Rudolf. Geboren bin ich in Wien. Ich bin 48, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Böhmen. Zurzeit residiere ich in Prag. Mich begeistern die schönen Künste und die Wissenschaft mehr als meine Aufgaben als Herrscher. Es ist zermürbend, wenn alle Welt jeden Eurer Schritte beobachtet, Neider Euch auf jedem Schritt begleiten und die Erwartungen nicht meinen Möglichkeiten entsprechen. Zudem gehen Gerüchte herum, die meinem Ruf nicht unbedingt wohlgesinnt sind. Ich bin nicht mehr der Jüngste. Immer wieder werde ich von seltsamen gesundheitlichen Leiden geplagt. Niemand weiß, woher sie kommen. Manchmal habe ich einfach keine Kraft mich dem entgegen zustellen. Dann flüchte ich mich in die Ateliers oder die Labore der Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen. Ich wünsche mir einfach als Mensch gesehen zu werden und nicht als Marionette. Ich gäbe einen sehr tiefgründigen Hauptcharakter ab. Als Kaiser bin ich natürlich sehr ansehnlich. Keiner erwartet hinter der Fassade diese Zerbrechlichkeit. Und vielleicht finden wir in dieser Geschichte heraus, was mir fehlt.

Okay, habt Dank, Majestät. Sie dürfen sich wieder zu den anderen setzen!

Nun bitte Báine.

Heilerin Báine

*eine zierliche blasse Gestalt mit fast weißen Haaren und ausdrucksstarken grauen Augen setzt sich anmutig auf den Sessel*
Seid gegrüßt. Ich bin Báine, Bawnje gesprochen, aus den tiefen Wäldern Sachsens. Mein Alter hat keine Bedeutung, ich lasse meine Taten sprechen. Weisheit erlangt man nicht automatische durch das Alter. Weisheit entsteht im Kopf. Und je weniger Ihr über mich wisst, desto ungefährlicher lebt ihr. Ich wurde an den Hofe Rudolf II. gerufen. Warum? Lasst es mich so sagen: Es können schreckliche Dinge hinter noch so prachtvollen Mauern geschehen. Ich versuche alles in meiner Macht stehende zu tun, um den Menschen zu helfen – egal ob es sich um einen Bauern oder einen Kaiser handelt. Ich schrecke vor nichts zurück. Die Welt ist die Welt und das Leben ist das Leben. Je unnatürlicher ein Phänomen ist, desto faszinierender für mich.

*Stille*

Sehr schön. Sehr geheimnisvoll. Und es geht geheimnisvoll weiter.

Enderis Alchimist

*legt sein Buch zur Seite und schaut abschätzend in die Runde*
Ich bin Enderis, komme aus Prag und bin 35. Ich bin Physiker und habe eine Tochter. Zurzeit arbeite ich mit meinen Kollegen in meinem kleinen Labor im goldenen Gässchen an Möglichkeiten, wie wir die Erdkonstellationen beeinflussen können. Wir sind nicht auf der Suche nach den Stein der Weisen. Wir wollen kein ewiges Leben. Wir wollen ergründen, wie wir die Umwelt verändern können, um die Menschen damit zu beeinflussen. Niemand ist unverwundbar, jeder hat eine Schwäche und wenn wir diese finden, dann wird es die Mittelschicht ungemein stärken. *er seufzt*
Vielleicht finde ich so auch meine Tochter. Eines Tages ist sie verschwunden. Osanna: Wenn du das hier siehst, bitte komm zurück. Ich will mich bessern.

Da frage ich doch gleich mal die Tochter. Warum bist du gegangen?


Tochter Osanna

*Verschränkt die Arme vor der Brust*
Ich bin Osanna. Ich bin 17 und im besten Alter meines Lebens. Ich habe im Labor meines Vaters meine Kindheit verbracht, habe ihm und seinen Kollegen stundenlang zugesehen. Da meine Mutter bei meiner Geburt gestorben ist, blieb mir nichts anderes übrig. Eine Haushälterin oder ein Kindermädchen konnten wir uns nicht leisten. Als Kind hat mich das zu Tode gelangweilt. Doch je älter ich wurde, umso mehr wollte ich verstehen, woran mein Vater arbeitet. Er hat nicht einmal gemerkt, dass ich mich regelmäßig in den königlichen Palast geschlichen und dort den Privatlehrern gelauscht habe. Als ich dann Lesen konnte, habe ich mir Papas Bücher geliehen und sie gelesen. Schnell wurde mir klar, dass man die Welt nicht verstehen lernt, wenn man Tag ein Tag aus im Labor hockt. Als ich ihn darauf ansprach, stieß ich nur auf taube Ohren. Um ihm zu beweisen, dass ich Recht hatte, bin ich losgezogen, um auf eigene Faust die Welt zu erforschen, die Flora und Fauna zu studieren. Eigentlich wollte ich in ein Kloster gehen. Immerhin war die Ausbildung im Lesen und Schreiben dort sehr gut. Doch so weit kam ich nicht. Unterwegs bin ich Báine begegnet. Sie nahm mich auf und ich lernte von ihr mehr, als ich je in Papas Büchern hätte lernen können. Jedoch frage ich mich, wieso mich mein Weg zurück in meine Heimatstadt geführt hat, obwohl ich doch unbedingt weg wollte.

Also sind wir wieder am Hofe Rudolfs. Hier scheinen viele Wegen zusammenzuführen. Emanuel darf ich Euch bitten!


Emanuel van Dongen Hofmaler

*Nickt und setzte sich in den Sessel, aber nicht ohne dem Kaiser einen mitfühlenden Blick zuzuwerfen*
Wenn ich mich vorstellen darf: Mein Name ist Emanuel van Dongen. Ich bin ein niederländischer Landschaftsmaler und persönlicher Hofmaler von Rudolf. Er sah meine Bilder das erste Mal in meinem Atelier in der Stadt. Die Mystik darin schien ihn so begeistert zu haben, dass er mir die Stelle des Hofmalers im Schloss anbot. Er verbrachte viel Zeit damit, mir einfach beim Malen zuzusehen, brachte Ideen ein. So kamen wir immer wieder ins Gespräch. Mit der Zeit entwickelte sich aus diesen Gesprächen eine Freundschaft. Ich genieße sein Vertrauen und mein Atelier dient Rudolf als Rückzugsort. Wir reden sehr viel. Er erzählt mir seine Sorgen und Ängste, aber auch seine Wünsche. Letztere versuche ich neben meinen Auftragsarbeiten auf Leinwand festzuhalten … einfach, um ihm eine Freude zu machen. Mittlerweile glaube ich, dass uns mehr verbindet, als das Interesse an den schönen Künsten. Ob er es genauso sieht, weiß ich nicht. Aber ich werde weiter für ihn da sein, auch wenn die Gerüchte meinen eigenen Ruf zerstören könnten.

Vielen Dank meine Damen und Herren. Das wird nicht leicht. In allen steckt viel Potenzial. Ich werde mich zurückziehen und darüber nachdenken. Meine Entscheidung erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

Bis zum nächsten Mal.
Eure Anki

PS: Vielleicht könnt ihr mir in den Kommentaren schreiben, welchen Charakter ihr wählen würdet? Wessen Geschichte und Auftreten hat euch überzeugt?

Link zum Podcast:
http://www.writingexcuses.com/2015/01/25/writing-excuses-10-4-qa-on-ideas/

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Zum Weiterlesen:



Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger!


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