Mittwoch, 3. Mai 2017

But no pressure – Mein Druck zu veröffentlichen

Gedanken einer depressiven Autorin

Wer kennt es nicht, das Wort Ende wird unter das Buch gesetzt und die Euphorie ist greifbar. Ein Kribbeln rast durch sämtliche Körperteile und der Magen schlägt Saltos, die man nicht für möglich gehalten hätte. 


 

Dann realisiert man irgendwann, dass dieses Monster von einem Manuskript ja auch überarbeitet werden muss. Seufzend setzt man sich einige Zeit später hin und fängt damit an. „Man“ ist in dieser Szene ich und ich habe mein Manuskript beinahe fertig überarbeitet … Doch eigentlich will ich es jetzt gar nicht mehr veröffentlichen, abgesehen davon bin ich immer noch sehr weit vom Veröffentlicht werden entfernt.

In meinem „erweiterten Freundeskreis“ auf Facebook tummeln sich beinahe ausschließlich Autoren die fleißig am Veröffentlichen sind. Sie schreiben wie die Wahnsinnigen und ich komme kaum mit dem Beglückwünschen und Freuen hinter her. Ich finde es unglaublich, was sie leisten und an dieser Stelle sei gesagt, dass hier nicht der Neid aus mir spricht, sondern eher die Verzweiflung.

 

Wie macht ihr das alle?

Diese Frage stellt sich mir sehr oft! Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich bei dem Projekt Author Wings angemeldet und einen tollen Wing zugewiesen bekommen. Voller Energie habe ich an meinem Fantasyprojekt gearbeitet und mich darauf gefreut, eines fernen Tages ein Exposé zu schreiben, um dieses an Verlage und Agenturen zu versenden. Mit ihm habe ich auch viel darüber gesprochen, dass ich dieses Projekt auf jeden Fall veröffentlichen will. Sie hat mich auch sehr dazu ermutigt, es mit dem Selfpublishing zu wagen.

Wie schafft ihr es, so viele Ideen zu haben? Macht es mich zu einem schlechten Autor, wenn ich das nicht habe? Sollte ich vielleicht doch nicht veröffentlichen und meine kleine Seele preisgeben?

Jetzt sitze ich hier, die kleine Autorin in meinem Kopf klammert sich verzweifelt an das Manuskript und kreischt lauthals: „Ich will nicht, das es jemand liest!“

 

Was also tun?

Ich habe mich erst einmal hingesetzt und nichts getan. Schlechtester Lösungsansatz überhaupt, das kann ich euch sagen! Denn natürlich schraubt sich die Spirale voller Verzweiflung und Selbstkritik immer weiter nach unten, bis ich irgendwann an einem für mich typischen Punkt angelangt war: Ich werde niemals etwas veröffentlichen!

Man merkt vielleicht, dass ich äußerst melodramatisch veranlagt bin. Anstatt meine Dramatik aber für etwas Positives zu nutzen, habe ich mich erst einmal monatelang darin gesuhlt. Nun liege ich hier, in meiner Pfütze aus Selbstmitleid, Zweifeln und einer Menge aufgestauter Frustration und weiß nicht, wie ich da wieder rauskommen soll.

Das Gefühl, in den letzten Monaten gescheitert zu sein, lässt nicht von mir ab. Ich habe in dieser Zeit vielleicht knapp 80.000 Wörter geschrieben, das ist nicht gerade wenig, aber es hilft mir nicht weiter, denn ich hasse diese 80.000 Wörter. Sie setzten sich aus zwei Dingen zusammen:

Erstens wäre da ein Fantasyprojekt, in dem ich schon relativ weit bin, ungefähr bei drei Vierteln der Geschichte. Ich mag meine Idee, aber die Umsetzung gefällt mir so überhaupt nicht und jedes Mal wenn ich versuche daran zu arbeiten, wird es schlimmer.

Das zweite Projekt ist ebenfalls im Bereich Fantasy beheimatet und einfach nur eine Katastrophe. Geboren aus einer kleinen Idee habe ich es geschafft, das Bisschen Plot, das ich hatte, völlig kaputt zu denken.

Nun werde ich das einzige Tun, was mir sinnvoll erscheint und mich zumindest von der zweiten Idee völlig los lösen. Ihr den Freiraum zurück zugeben, den sie braucht um weiter zu wachsen. Die erste Geschichte möchte ich gerne fertig schreiben, denn ich bin schon zu weit, um sie jetzt kampflos aufzugeben. Ich habe für mich beschlossen, mir weniger Druck zu machen.

Die Entscheidung, erst in ein paar Jahren zu veröffentlichen, wenn mein Leben wieder etwas Ruhiger geworden ist und ich absehen kann, wie es mit meinem Job läuft, habe ich bereits letztes Jahr getroffen, doch so richtig zufrieden war ich damit nicht. Das habe ich aber erst bemerkt, als ich in den letzten Wochen immer weniger geschrieben habe, bis ich schließlich ganz damit aufgehört habe.

Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, was man möchte. Gerade in unserer Zeit, wo es beinahe notwendig ist, alle 6 Monate (oder sogar noch in kürzeren Intervallen) Bücher zu veröffentlichen, damit die Leser am Ball bleiben. Mir persönlich hilft es immer, wenn ich nur für mich schreibe, mir selbst eine Geschichte erzähle, die ich nicht veröffentlichen werde, die außer mir nur sehr wenige Personen zu lesen bekommen.

Letztes Wochenende habe ich mich wieder an so eine Geschichte gesetzt. Die Inspiration dazu war ein Bild und ich habe einfach drauf los geschrieben. In weniger als zwei Stunden habe ich dreitausend Wörter getippt. Buchstabenketten, die mir gefallen, und wenn ich sie lese, dann tauche ich tief ein in diese Geschichte und sehe sie vor mir. Nachdem ich sie gestern beendete, hatte ich wieder ein flattriges Gefühl im Magen, war wieder glücklich. Das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, hat sich eingeschlichen. Vielleicht sind wir nicht alle dazu geboren, um mit unseren Worten die Festen der Welt zu erschüttern, aber wir können unsere Welt damit bewegen und bereichern. 


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Zum Weiterlesen:
 

Valarauco bloggt außerdem auf: Valaraucos Buchstabenmeer


Kommentare:

  1. Ich kann das SO GUT nachvollziehen.
    Sollte im Moment auch überarbeiten; aber irgendwie ist da die Panik (OMG, das ist sooo schlecht! Wer soll das lesen? Will ich überhaupt, dass das jemand liest?). Gut zu wissen, dass es anderen auch so geht <3

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du es schaffst und irgendwann stolz dein eigenes Buch in den Händen hälst.

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    1. Danke :)
      Ja, es tut unglaublich gut zu hören, dass man mit diesen Gefühlen nicht alleine ist ^^
      Ich denke mit ein bisschen Willenskraft, kann man sich da wirklich zusammenreisen :) <3

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  2. Ich habe inzwischen akzeptiert, dass ich keine Schreibmaschine bin, sondern länger brauche, um meine Texte fertig zu stellen. Anders geht es nicht. Die sozialen Netzwerke verführen dazu, sich mit erfolgreichen Menschen zu vergleichen, denn trotz der "notjustsad"-Welle auf Twitter kriegst du auf Instagram nur die schönsten Fotos, auf Facebook nur die glücklichsten und auf Twitter nur die schlagfertigsten Menschen zu sehen. Erfolge werden gepostet, den Nervenzusammenbruch behält man lieber für sich. Ich habe daher entschieden, in den nächsten 12 Monaten weniger soziale Medien zu konsumieren. Das kann ich dir nur raten, tut dir gut. Und: Ich habe mir für dieses Jahr zwar konkrete Ziele meiner Projektfortschritte gesetzt, aber wenn es nicht läuft, ist es eben so. Da rege ich mich nicht drüber auf.

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    1. Das ist eine sehr (!!!) gute Einstellung! (Ich muss hier noch ein paar mehr Ausrufezeichen einbauen ^^)
      Die sozialen Netzwerke sind da der absolute Killer. Man kriegt nur die Erfolge vorgeführt, über die man sich ja auch freut! Trotzdem würde man auch gerne einen solchen Erfolg vorweisen^^
      Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du deine Ziele erreichst!

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  3. Also ehrlich, ich habe mich auch gefragt, wie die anderen ein Buch nach dem anderen veröffentliche und ich mit meinem Roman nicht weiterkomme. Wobei ich habe 2 andere Bücher dieses Jahr veröffentlicht, aber wegen meinem Romanprojekt bin ich mehr als deprimiert ... :/
    LG Caro

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    1. Das kann ich sehr gut verstehen. Man hat dann dieses Herzensprojekt und gerade da läuft es so gar nicht, aber bei jedem anderen "Mist" hingegen schon. Da verzweifelt man wirklich. Mir geht es ähnlich.
      Ich drücke dir die Daumen, dass du vorwärtskommst :D Das wird alles wieder gut <3

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