Samstag, 4. März 2017

Die 5 Grundmotivationen – Was treibt deine Charaktere an?

Nicht selten fällt mir das eine oder andere Sachbuch in die Hände, welches dann von mir förmlich inhaliert wird. Aktuell ist es „Menschen durchschauen und richtig behandeln – Psychologie für Beruf und Familie“ von Werner Correll. Zugegeben, es ist ein ziemlich harter Titel, aber dennoch hat er mich angesprochen.





Beim Lesen des Kapitels über menschliche Grundmotive und ihre Motivation kam mir die Idee, dass man diese doch auch gut auf Charaktere übertragen und sie dadurch mehrdimensionaler gestalten kann. Correll unterscheidet dabei fünf Grundmotivationen, von denen immer eine die stärkste ist, sich aber auch mit den anderen abwechseln kann, wenn sie ausreichend befriedigt ist. In diesem Artikel möchte ich sie euch einmal vorstellen.

 

1. Soziale Anerkennung

Charaktere mit dieser Grundmotivation streben innerhalb einer oder mehrerer Gruppen nach sozialer Anerkennung. Es ist ein Streben nach Überlegenheit, Prestige, Status und Geltung. Ist bei einem Charakter diese Motivation die stärkste, möchte er an der Spitze aller Erwartungen stehen. Er ist besonders strebsam, ehrgeizig und ahmt häufig dem in einer Gruppe nach, der den Ton angibt, um seinen Platz einzunehmen. Dies kann in allen möglichen Lebensbereichen der Fall sein, ob es sich um Kleidung oder Accessoires (Nike- oder Apple-Produkte) oder Hobbys (Golfen) handelt. Demzufolge geben diese Charaktere das Geld mit vollen Händen aus und sind nicht selten verschuldet. Wichtig ist für sie, sich möglichst gut darzustellen. Sie sind nicht selten wortgewandt und selbstbewusst, verwenden modische Fremdwörter, auch wenn diese nicht ganz richtig eingesetzt werden. Der Umgang mit diesen Charakteren ist nicht einfach. Sie lehnen Kritik oder Tadel besonders dann ab, wenn sie fürchten, dadurch Ansehen zu verlieren.

 

2. Sicherheit und Geborgenheit

Unauffälligkeit, Gesundheit und Sparsamkeit sind die Devise dieser Charaktere. Sie scheuen Risiken und größere Ausgaben, durch die sie sich verschulden könnten, und vermeiden Veränderungen. Das Beste, was diesen Charakteren passieren kann, ist ein konstantes, unauffälliges und konservatives Leben. Sie bleiben lieber zu Hause, sparen sich im Gegensatz zu dem Charakter mit der ersten Grundmotivation die Reisekosten und bestellen lieber den heimischen Garten – dabei werden aber bitte nur nützliche Dinge angepflanzt: Statt Rasen und Blumen lieber Kartoffeln und Bohnen.

 

3. Vertrauen

Einen Menschen finden, dem sie vertrauen können und von dem sie selbst auch Vertrauen entgegengebracht bekommen, ist die Grundmotivation dieser Charaktere. Das wichtigste ist ihnen die Nähe zu einem anderen Menschen. Sie treffen Entscheidungen subjektiv und mit Rücksicht auf den anderen. Sie sprechen gern über ihre persönlichen Probleme und erwarten, dass ihnen Interesse entgegengebracht wird. Andererseits interessieren sie sich stark für ihre Mitmenschen und sind hilfsbereit. Ihre Freizeit verbringen diese Charaktere gern in Vereinen, sie sind sozial engagiert und haben fast keine „Feinde“, weil alle sie mögen. Der Nachteil an dieser Motivation liegt jedoch auf der Hand: Diese Charaktere werden häufig ausgenutzt. In politischen Positionen unterstützen sie vielleicht eher das, was andere wollen, als das, was vielleicht ethisch unbedenklich ist – jedoch nicht, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

 

4. Selbstachtung

Pünktlichkeit und Exaktheit zeichnen Charaktere mit dieser Motivation aus. Auf der anderen Seite sind sie jedoch auch kompromisslos, perfektionistisch und rechthaberisch. Sie gehen gerne „einsamen“ Tätigkeiten nach und leben dort ihre Genauigkeit zum Beispiel beim Sammeln von Dingen aus. Es ist schwer, diese Charaktere zu überzeugen und sie zu kritisieren nahezu unmöglich. Nichts liegt ihnen ferner, als gegen die eigenen Prinzipien zu verstoßen. Besonders stark tritt diese Motivation bei z.B. religiösem Fanatismus auf bei dem das Rationale außer Acht gelassen wird und nur die Prinzipien zählen.

 

5. Unabhängigkeit und Verantwortung

Strebt der Charakter nach seinem eigenen Tätigkeitsbereich, in dem er auch gern Verantwortung übernimmt, dann ist diese Motivation am stärksten. Er möchte seine eigenen Entscheidungen treffen, sein Leben eigenständig gestalten und eben auch die Konsequenzen dafür übernehmen. Diese Charaktere sind selbstredend häufig in Führungspositionen oder der Selbständigkeit zu finden. In einer Beziehung werden sie nie ganz aufgehen und sich immer eine Eigenständigkeit erhalten wollen. Sie sind wenig emotional engagiert und so eher im beruflichen als im privaten Bereich erfolgreich.


In einem meiner nächsten Artikel werde ich dann auf mögliche Konflikte eingehen, die sich durch die Beziehung der verschiedenen Charaktere ergeben können.

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Zum Weiterlesen:

5 Gründe, warum Schreiben als Beruf scheiße ist!
5 Gründe, wieso Schreiben als Hobby scheiße ist!
7 Tipps für mehr Social statt Ego Media, um neue Leser zu bekommen



Tinka Beere liebt es, in andere Welten einzutauchen, und schreibt Geschichten mit einem fantastischen Touch. Darüber hinaus begeistert sie der Austausch mit anderen Autoren, denen sie mit hilfreichen Tipps gerne zur Seite steht.


Kommentare:

  1. Ich erkenne einige meiner Figuren wieder ;)

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  2. Vielen Dank für das interessante Blog. Ich habe den Beitrag mit viel Interesse gelesen. Übrigens ist auch "Psychopathen unter uns" von Joe Navarro für die Gestaltung negativer Charaktere sicherlich hilfreich.
    Also mir geht es bei solchen Charakterbeschreibungen immer so, dass ich mich in allen finde. Das war das erste Mal bei "Grundformen der Angst" von F. Riemann der Fall. Auch ein lesenswertes Buch. Damals habe ich mich gefragt, ob ich gleich einen Psychiater aufsuchen soll oder ob ich noch ein paar Jährchen warte. Jetzt habe ich 40 Jahre gewartet und war noch immer nicht bei einem. Vermutlich gehöre ich in die Gruppe von Nr. 2 :-)

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    1. Dankeschön :)
      Vielen Dank auch für die Buchtipps.
      Corell schreibt ja auch, dass sich die Motivationen bei jedem abwechseln - die eine ist stärker, die andere schwächer, je nach Lebenssituation.
      Bei mir ist die fünfte Motivation am stärksten ausgeprägt: Ich liebe es, mein Ding durchzuziehen und gebe auch ungern Dinge/Verantwortung/Aufgaben ab, weil ich dann das Gefühl habe, die Kontrolle zu verlieren. Durch das Buch wurde mir das aber erst bewusst und ich kann daran arbeiten ^^

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