Mittwoch, 1. Februar 2017

Welches Genre hat dein Buch?

Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.


Eine Frage, die vielen Autoren Kopfschmerzen bereitet und annähernd so schwer zu beantworten ist, wie ein Exposé zu verfassen. Mit der endgültigen Antwort steht und fällt alles.



Da gibt es die einen, die sich gar keine Gedanken um das Genre machen. Ich bin selbst auch so jemand gewesen, allerdings ist das schon ein paar Jährchen her. Ganz zu Anfang meiner Schreiberei war es mir egal, in welchem Genre ich schrieb. Es waren genau die Geschichten, die ich gelesen habe beziehungsweise, welche ich lesen wollte. Ich war jung und unwissend, aber diese Phase gehört zur Entwicklung eines Autoren dazu, finde ich. Irgendwo muss man ja mal anfangen.

Der junge Autor wird also älter und vielleicht traut er sich immer häufiger von seinen schriftstellerischen Ergüssen zu berichten. Stößt er nicht gerade auf Desinteresse, werden die ersten Manuskriptseiten von Freunden und der Familie verschlungen und hoch gelobt – man möchte ihn ja ermutigen. Im Nachwuchsautoren keimt der Gedanke, etwas ganz besonderes geschaffen zu haben, etwas Weltveränderndes sogar. Das kann man gar nicht in eine Schublade stecken, selbst wenn man es wollte. Vielleicht ist hier der nächste Tolkien am Werk, der ein ganz neues Genre begründet und mit just diesem Epos die Weichen dafür legt, an denen sich nach ihm Milliarden andere messen – und natürlich niemals heran reichen.

Sehen wir es ihm nach, irgendwann kommt der Boden der Tatsachen. Der Jungautor muss sich der Realität stellen – und wenn es nur dem Verlag oder sei's drum dem Distributoren zuliebe ist. Er muss seine Geschichte einem Genre zuordnen. Er sieht ein, dass es die Suche nach einem Verlag oder Lesern erheblich vereinfacht, auch wenn es ihm widerstrebt. Diese Fülle an Genialität in eine oder zwei Kategorien zu platzieren, erscheint unmöglich. Heraus kommt dabei eine Genreneuschöpfung, denn man möchte potenzielle Verleger/Leser nicht durch eine irreführende Zuordnung in eines der unzähligen, oberflächlichen Genres verschrecken – sein Buch hat doch so viel mehr Potenzial.

Unser junge Autor vollbringt das scheinbar Unmögliche und die perfekte Bezeichnung für seinen Erstling ist gefunden:

Ein Urbanfantasy-Apokalypse-Thriller in einem historischen Setting mit ein bisschen Liebe ist es geworden. Ein prachtvoller Wonneproppen und er ist mächtig stolz darauf, nach der Veröffentlichung direkt der Erstplatzierte in seiner Amazon-Kategorie zu sein. Hier gleich einen Bestseller zu landen! Jackpot! Beim nächsten Mal wird es ein humorvoller autobiographischer Spionage-Action-Scienes-Fiction-Krimi.


Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.

1 Kommentar:

  1. Also ich würde ja nur zu gerne mal einen Urbanfantasy-Apokalypse-Thriller in einem historischen Setting mit ein bisschen Liebe lesen!
    ;-)
    Als Autoren sollten wir gut aufpassen, dass wir uns nicht selbst zu sehr beschränken:
    http://carolawolff.weebly.com/blog/genre-oder-nicht-genre

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