Mittwoch, 8. Februar 2017

Liebe, Herzschmerz und die große Frage

Ich liebe sie, die beinahe inhaltslosen und locker leichten Liebesromane. Mir gefallen die einfach zu durchschaubaren Plots und das Happy End! Ich liebe Happy Ends. Vielleicht geht es euch ähnlich, denn manchmal brauche ich das einfach, zu wissen, wie ein Buch endet, nachdem ich die erste Seite gelesen habe.

Nur, was ist wenn das Buch zu langweilig oder zu durchschaubar ist? Wäre ja nun auch irgendwie blöd, wenn der Leser das Buch nicht beendet oder gar eine schlechte Rezension verfasst. 

 

Der Spannungsbogen

Wie oben schon erwähnt, brauche ich hin und wieder Bücher, bei denen ich das Ende erahnen kann. Der Schwerpunkt sollte hier auf das Erahnen gelegt werden. Wenn ich nämlich voraussagen kann, was passiert, ist das ziemlich langweilig. Seid euch vorher bewusst, ob ihr ein Buch schreiben wollt, in welchem ihr auf ein Ende zu steuert, das wenig überraschend sein wird. Ich meine damit, es wird den meisten klar gewesen sein, dass Elisabeth sich in Mr. Darcy verliebt und ihn heiraten wird, ansonsten hätte Jane Austen niemals einen solchen Wirbel um ihn veranstaltet. Wie deutlich wollt ihr die Spur für euren Leser legen? Es ist nicht verkehrt, das grobe Ende bereits „anzukündigen“, aber ihr solltet noch nicht alles verraten.

Nehmen wir die „New York Titans“ – Reihe von Poppy J. Anderson. Bei ihr ist meistens sehr schnell klar, wer hier mit wem zusammen kommt. Alles halb so wild, denn der Weg ist in diesem Fall das Ziel. Wie unterhaltsam könnt ihr den Weg bis zur großen Liebe gestalten?

An diesem Punkt als kleiner Tipp: Wägt genau ab, wie viel Drama ihr braucht.

Viele Leser sagen, es ist ihnen wichtig, das Ende nicht erahnen zu können. Ihr müsst euch daher im Klaren darüber sein, dass Vorhersehbarkeit für viele Menschen durchaus ein Kritikpunkt ist.

Trotzdem kann man einen Spannungsbogen aufbauen. In diesem Fall müsst ihr extrem darauf achten, dass ihr den Leser bei der Stange haltet. Am leichtesten fällt es mit einer witzigen, lockeren Geschichte und einfacher Sprache. Ihr wollt den Leser unterhalten und ihm keine wissenschaftliche Abhandlung nahe bringen.

 

Die Liebe

Wir alle kennen sie: Insta-Love. Wer hat davon noch nicht gelesen? Ich glaube, die wenigsten. In den unzähligen Liebesromanen die ich verschlungen habe, passiert es viel zu oft, dass die Figuren sich bereits beim ersten Aufeinandertreffen unsterblich ineinander verlieben. Sie können offensichtlich gar nicht anders, denn der jeweils andere ist ja so unglaublich schön und attraktiv. Auch wenn man vielleicht bereits weiß, wer am Ende das glückliche Pärchen sein könnte, gebt den Figuren Zeit sich kennenzulernen. Es wirkt unglaubwürdig, wenn ihr durch euren Roman hetzt und die beiden praktisch nichts voneinander wissen. Lasst die Liebe wachsen und gebt ihnen wirklich Zeit, sich kennen und lieben zu lernen. So etwas Großes muss sich entwickeln können.

Wenn ihr ihnen die Zeit eingestanden habt, dann finde ich, spricht auch nichts gegen die große Liebe, diese ganz spezielle Verbindung. Ich persönlich bin auch eine Verfechterin der „One and only Love“. Große Gesten sind dabei nicht unbedingt nötig, eher das Vertrauen, der Umgang miteinander und wie man zusammen harmoniert. Lasst euch selbst und dem Leser etwas Zeit, das zu sehen.

 

Der Herzschmerz 

Wie sehr kann mich eine Person verletzten, die ich erst drei Tage kenne? Wenn sie mir körperlich weh tut, dann sehr, aber meinem Herzen? Schwierige Frage. Da ich dieses „sofort unsterblich ineinander verliebt sein“ sowieso nicht ausstehen kann, bin ich auch der Meinung, es wirkt weniger schlimm, wenn das Paar sich nach einer Woche oder einem Monat streitet. Worüber sollen sie sich denn auch großartig Streiten, sie kennen sich praktisch kaum bis überhaupt nicht. Das nimmt dem Ganzen für mich den Herzschmerz. Natürlich muss es nicht immer so sein.

Bei diesem Punkt kommt es tatsächlich ganz darauf an, was ihr mit eurer Geschichte erreichen wollt. Was ist das Ziel? Wo wollt ihr hin? Wie soll der Leser darauf reagieren?

Außerdem ist es wichtig, sich zu überlegen, ob ihr das ganze Drama überhaupt braucht, oder ob es weniger auch täte. Es kann nämlich passieren, dass es dem Leser irgendwann zu viel wird und er nur noch genervt ist. Dafür braucht ihr nicht einmal anstrengende Charaktere. Der Konflikt in eurer Geschichte sollte genau so stark sein, wie die Motivation eurer Figuren und ein wirkliches Problem darstellen. Immerhin müssen die Charakter viel geben und sich anstrengen, um diese Hürde zu meistern.

Es gibt auch gewisse Themen, bei denen man sehr vorsichtig und auch feinfühlig sein sollte. Gerade wenn es um schwere Krankheiten und Unfälle geht, ist ein großes Maß an Fingerspitzengefühl gefragt. Informiert euch gut über Therapien, Unfallvorgänge und Heilungsprozesse. Überlegt euch auch, ob diese Hürde eine zentrale Rolle spielen soll. Bei einem Buch über Krebspatienten spielt der Krebs meistens eine wichtigere Rolle, als bei jemandem der mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus liegt. Ähnlich ist es auch bei einer „dunklen“ Vergangenheit. Müssen die Hauptfiguren immer eine furchtbare Kindheit gehabt haben? Wie relevant und weiterführend ist es für die Geschichte, dass meine Hauptfigur als Kind misshandelt wurde. Dabei spielt es keine Rolle ob körperlich, sexuell oder geistig. Das sind einfach Themen, mit denen man als Autor vorsichtig umgehen sollte. Überlegt euch gut, ob ihr so etwas für die Vergangenheit eurer Figur wollt, denn sehr leicht wirkt man als Autor unsensibel, wenn alles zu schnell geht und die Figuren praktisch auf Seite 50 Übereinander herfallen. Wägt ab, was der zentrale Punkt eure Geschichte sein soll. Überlegt euch, wie gut ihr mit sensiblen Themen umgehen könnt und ob sie wirklich wichtig für die Geschichte sind oder nur dafür da, um etwas mehr Drama zu erzeugen.

Was ich persönlich auch immer wichtig finde, ist ein gutes Maß für den Schmerz, die Wut und den Ärger zu finden. Es ist nicht schön, wenn die Figur ewig lange rumjammert, den Gegenpart hasst und extrem nachtragend ist, genauso unschön ist es aber auch, wenn die Figur bei der ersten Aussicht auf Besserung nachgibt. Es muss schon ein klein wenig gekämpft werden.

 

Die große Frage?

Bei diesem Punkt weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, ob es vielleicht nur so ein englischsprachiger Trend ist, oder ob das bei uns auch schon eine große Rolle spielt. In unverhältnismäßig vielen Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, wird am Ende geheiratet oder einer der beiden Partner macht einen Antrag (Klischee: Meistens der Mann). Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber muss es immer gleich in Heirat und Kinder kriegen enden? Ich finde: nein. Doch das ist eine Sache, die bleibt jedem selbst überlassen. Ein etwas anderes Ende bringt auch wieder mehr Spannung in euren Roman, immerhin soll der Leser ja nicht alles vorher schon wissen. Zum Beispiel bei „How To Be Single“, auch wenn das ein Film ist und kein Buch, war ich vom Ende doch etwas überrascht. Gerade eines der „Pärchen“ hat mich ziemlich verblüfft und verärgert, aber je öfter ich den Film sehe, desto besser gefällt mir das Ende.

 

Happily Ever After

Nach diesem Artikel solltet ihr bereits wissen, dass ich ein großer Fan davon bin. Es gibt allerdings auch Bücher, bei denen es nicht passt. Meistens sitze ich dann mit vielen Taschentüchern um mich herum im Bett und hasse den Autor, weil ich mein Happy End nicht bekommen habe, aber andererseits wäre ich enttäuscht, wenn alles Friede Freude Eierkuchen wäre. Wenn ihr der Meinung seid, ein Happy End passt nicht, dann lasst es. Niemand kann euch dazu zwingen. Hört auf euer Gefühl und euren Instinkt, dann sollte das kein Problem sein.

Ein Happy-End kann übrigens auch einfach tolle Zeit zusammen sein.

Ich wünsche euch viel Spaß beim verlieben und Herzen brechen.


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Zum Weiterlesen:
Genre „Wie und Was“ - Romantasy
Faszination Vampir – Das Erwachen eines Genres im 20. Jahrhundert
Starke Frauenfiguren – Die Ehefrau


Valarauco bloggt außerdem auf: Valaraucos Buchstabenmeer


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