Samstag, 3. Dezember 2016

Social Media Detox – Erfahrungsbericht einer Autorin

Am Freitag den 5. August 2016 verschwand ich einfach von der Bildfläche. Im Internet gab es so gut wie kein Lebenszeichen mehr von mir, die Posts für meine Facebook-Seite habe ich vorgeplant.

Ich brauchte eine Auszeit – und die habe ich mir genommen, ohne besonders vielen Menschen Bescheid zu sagen.


Ich bin ein Mensch, der sich zu gern einmal auf irgendwelche seltsamen Experimente einlässt. Vor fast zwei Jahren hatte ich mich schon einmal für eine Social-Media-Auszeit entschieden, welche mir sehr gut tat. Da ich in den darauf folgenden Monaten nahezu täglich online war, um meine Social-Media-Accounts zu pflegen, war es wieder an der Zeit – unter anderem auch, weil ich mir selbst beweisen wollte, dass ich wirklich nur aus beruflichen Gründen jeden Tag online war und damit keine Internet-Sucht rechtfertigte. Diesmal wollte ich außerdem austesten, ob es überhaupt jemandem auffiel, dass ich nicht mehr da bin. Klar, habe ich durch die Leipziger Buchmesse einen ziemlich starken Kick bekommen und es rückt immer mehr in mein Bewusstsein, dass ich tatsächlich jemand bin und es auffällt, wenn ich einfach mal nicht mehr da bin. Nicht alle Menschen kennen mich und achten auf das, was ich da draußen in den Weiten des Internets treibe. Das ist klar. Schließlich bin ich nicht Fitzek oder so. Aber ich habe doch eine gewisse Reichweite und mit der recht aktiven und direkten Strategie für meine Social-Media-Kanäle, war es im Nachhinein betrachtet ein bisschen naiv von mir, zu glauben, dass ich tatsächlich einfach so abtauchen könnte.

 

Wer wusste eigentlich Bescheid?

Da ich Twitter und Instagram ausschließlich beruflich nutze, auch wenn sich der eine oder andere Kontakt privatisiert hat, und ich ebenfalls auf Facebook zu vermutlich 90-95% autorenrelevante Kontakte habe, habe ich mich nicht offiziell abgemeldet. Ich wollte einfach nicht mehr Aufmerksamkeit auf die Aktion lenken als nötig: Einmal weil ich solche Abschiedsposts relativ kritisch sehe und auch in letzter Zeit von Accounts gehört habe, die gehackt wurden als niemand darauf „aufgepasst“ hat. Und dann weil ich mein kleines Experiment im Hinterkopf hatte. Zudem haben die wenigen persönlichen Kontakte auch andere Möglichkeiten, mich zu erreichen – und ich habe mich ja nicht komplett aus dem sozialen Leben zurückgezogen; eher im Gegenteil.

Natürlich ist es nicht möglich, überhaupt niemandem Bescheid zu geben. Der wichtigste Personenkreis waren alle Teammitglieder des Schreibmeers, denen ich von meinem Plan, für eine Weile unterzutauchen, erzählte, da die Arbeit weiterhin reibungslos funktionieren sollte. Der Austausch funktionierte per Mail – so wie mich auch jeder andere darüber erreichen konnte – einigermaßen gut. Als nächstes gab es nicht mehr als einer Handvoll ausgewählter persönlicher Kontakte.

 

Wie waren die Reaktionen darauf?

Von den wenigen Menschen, die vorher Bescheid wussten, kam, wenn überhaupt ein, positives Feedback. Vielen Menschen ist in der heutigen Zeit bewusst, dass eine Auszeit von der Informationsflut keine schlechte Idee ist. In regelmäßigen Abständen verabschiedet sich der eine oder andere Autorenkollege für eine Weile aus dem Internet. Inwiefern man das ankündigt oder nicht, liegt im Ermessen desjenigen und ist eine persönliche Entscheidung. Natürlich ist es bei einer gewissen Bekanntheit einfach nett den Lesern gegenüber, vor allem, wenn man sich viel mit ihnen austauscht. Dann ist es finde ich auch völlig legitim, sich offiziell zu verabschieden. Vermutlich war es bei mir einfach nur der Nervenkitzel und die Frage, ob mein Eindruck von der Leipziger Buchmesse sich auch für das Onlineleben bewahrheitet oder nicht.

 

Wie ging es mir während der Zeit ohne Social-Media?

Wechselhaft. Am Anfang hatte ich tatsächlich ein paar Probleme damit, abzuschalten, da ich nicht mit leerem Blick durch Facebook scrollen konnte, um irgendwas zu tun. Das war in der ganzen Zeit meine größte Schwierigkeit. Ich multitaske sehr gerne und es gibt Phasen in meinem Leben, in denen Facebook immer in einem Browserfenster geöffnet war. Klar war auch der Messenger auf meinem Smartphone installiert, die Benachrichtigungen für Twitter machten jedes Mal ein Pling, wenn es etwas Neues gab. Leute, das stresst nicht nur, das gibt auch das Gefühl, immer irgendwie beschäftigt zu sein. Danach bin ich geradezu süchtig. Dass ich oftmals nicht das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe, war irgendwie nebensächlich. Natürlich habe ich mich geärgert, aber geändert hat es an meinem Verhalten nicht viel. Es ist ja normal für mich, dass ich nie alles tun kann, was ich will, einfach weil der Tag zu wenige Stunden hat.

Von einem Tag auf den anderen blieb mein Telefon ruhig. Facebook-Messenger weg, keine Twitterbenachrichtigungen mehr, Instagram war nur noch für das Schreibmeer eingeloggt, kein „sich von dem Facebook-Feed inspirieren lassen“ mehr. Es war ruhig. Sehr ruhig. Plötzlich hatte ich Zeit, aber ich hatte keine Ambitionen, diese Zeit zu nutzen.

 

War ich wirklich süchtig nach Facebook?

So hundertprozentig kann ich das natürlich nicht sagen, da diese Auszeit nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Gründe hatte. Ich brauchte einfach Abstand von einigen Dingen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Und der war in den ersten Tagen gar nicht so klar, da ich nun allein mit meinen vielen, chaotischen Gedanken war. Es ist echt gruselig, wenn man seit langer Zeit allein mit sich selbst ist und nicht davor weglaufen kann. Es waren also eher die persönlichen Umstände, die an meinen Nerven gezehrt haben, nicht die Sucht.

Nach den ersten Tagen war es tatsächlich erträglicher. Ich habe Wege gefunden, mit mir selbst klar zukommen – was ich im Nachhinein als sehr wichtig empfinde. Es hat mich persönlich sehr viel weitergebracht.

 

Und dann war ich wieder da …

… ohne viel Tamtam habe ich mich wieder bei Facebook eingeloggt und wurde fast erschlagen von den vielen Benachrichtigungen und Nachrichten. Einige meiner Facebook-Freunde haben mich tatsächlich angeschrieben und gefragt, wo ich denn abgeblieben wäre. Nach einer kurzen Erklärung gab es auch hier verständnisvolle Kommentare.

Die Benachrichtigungen habe ich grob durchgescrollt und nur noch Kommentare auf eigene Beiträge oder Kommentare angeklickt – und entsprechend reagiert. Eine Routine, die ich mir übrigens bis heute beibehalten habe. Anschließend bin ich wieder offline gewesen. Eine Weile hat es gedauert, bis ich mich wieder im Messenger angemeldet habe, vielleicht noch circa einen Monat – so genau weiß ich das nicht mehr. Twitter und Instagram habe ich dann einfach wieder genutzt wie vorher.

 

Was hat sich durch mein Social-Media-Detox geändert?

Auf jeden Fall hat sich mein Nutzungsverhalten der Social-Media-Plattformen nachhaltig geändert. Ich mache mir da keinen Stress mehr – vielleicht nur noch ein bisschen, was meine Facebook-Seite angeht, da das blaue F irgendwann anfängt rumzunerven und einen mit sinkender Reichweite belohnt -.-' Ehrlich, ich bin nicht stolz darauf.

Ansonsten bin ich nur noch einmal am Tag richtig auf Facebook aktiv, auf Benachrichtigungen reagiere ich gebündelt und scrolle meine Timeline kurz an. Auf Twitter und Instagram mache ich mir gar keinen Stress mehr. Ich poste wann ich dazu Muse habe, denke nicht mehr lange über das Was und Wie und Warum nach und wenn mal ein paar Tage nichts kommt, ist es kein Weltuntergang.

Was ich mir aufgrund der hohen Zahl der Kanäle, denen ich folge, angewöhnt habe: Ich scrolle auch auf Twitter und Instagram nicht mehr durch meinen Feed, sondern verlasse mich auf die angezeigten Tweets bzw. suche auf Instagram gezielt nach Accounts oder Hashtags, deren Bilder ich mir dann gebündelt anschaue.

Einerseits tut es mir echt leid, dass ich nicht jedem meine ganze Aufmerksamkeit schenken kann, andererseits habe ich dadurch aber auch viel Zeit für mich und meine Projekte gewonnen.

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Zum Weiterlesen:


Tinka Beere liebt es, in andere Welten einzutauchen, und schreibt Geschichten mit einem fantastischen Touch. Darüber hinaus begeistert sie der Austausch mit anderen Autoren, denen sie mit hilfreichen Tipps gerne zur Seite steht. 


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