Samstag, 22. Oktober 2016

Schreibratgeber oder Wie zur Hölle schreibt man einen Roman?

Es ist nun gut und gerne 5 Jahre her, dass mich ein Gedanke einfach nicht mehr losließ. Ich will einen Roman schreiben.

Doch wie zur Hölle schreibt man einen Roman?
Sicher. Ich hatte in der Vergangenheit bereits gewisse Erfahrungen beim Schreiben von Drehbüchern, Songtexten und Kurzgeschichten gesammelt. Doch ein ganzer Roman? Das ist dann doch ein völlig anderes Kaliber.




Eine Erkenntnis mit Folgen

Dass es nicht so einfach werden würde, wie ich es mir gedacht habe, merkte ich relativ schnell.
Zunächst war ich wie gewohnt vorgegangen. Bewaffnet mit meiner Idee, meiner Leidenschaft zum Schreiben, jedoch ohne wirklichen
Plan.
Die Begeisterung meiner Lehrer damals in der Schulzeit, wenn ich ihnen eine meiner Kurzgeschichten vorlegte, beflügelte mich, gab mir die nötige Motivation. Da war es leicht, außen vor zu lassen, dass meine Ansprüche möglicherweise für einen Roman nicht ausreichen würden.
Mit dem Gedanken, daraus später einen größeren Roman zu entwickeln, verfasste ich erst mal eine Kurzgeschichte. Mit ihrer Hilfe wollte ich herausfinden, ob die Grundidee überhaupt bei Lesern Anklang finden würde.

Und wo kann man sich besser eine Meinung einholen, als unter Gleichgesinnten?

Ich meldete mich also in zwei Schriftstellerforen an, präsentierte mein Werk und ... erhielt ein vernichtendes Urteil. Die Charaktere seien zu flach, die Dialoge grässlich und sowohl vom Spannungsbogen als auch von Logik sei nicht die Spur vorhanden. Lediglich mein Schreibstil fand einen gewissen Anklang.

Unterm Strich: Potenzial vorhanden, technisch ein kompletter Fehlschlag.

Ich war am Boden zerstört und zutiefst in meinem Stolz verletzt. Was wussten die denn schon? Gar nichts! Und das sagte ich auch. Ich feuerte zurück, was das Zeug hielt, bis jeder in diesem Forum genervt von mir war.

Insgeheim begann ich jedoch zu grübeln. Ich hatte doch zuvor mit meinen Drehbüchern Erfolg gehabt.
Okay, ich sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass die meisten meiner Drehbücher eher Adaptionen von bereits bestehenden Romanen waren. Und auch das, was ich selbst verfasst hatte, war lediglich der Rahmen eines Improvisationsstücks – ohne Dialoge.
Aber hey.
Ein Roman konnte doch nicht so viel schwerer sein. Es dauerte etwas, bis ich einsah, dass ich ganz vorne beginnen musste. Doch wie?


Der Durchbruch

Die Antwort darauf erhielt ich, als ich in einem Schreibforum Jacqueline Vellguth entdeckte. Sie schreibt regelmäßig in ihrem Blog „Schriftsteller-werden.de“ über ihre Erlebnisse und Erfahrungen.

Neben Fachbegriffen, von denen ich noch nie gehört hatte, gab es viele Tipps und Beispiele, die ich rasch in meinen eigenen Texten umsetzen konnte. Ich schrieb eine neue Kurzgeschichte und postete sie erneut im Schreibforum. Und siehe da, die Kritik war nicht mehr gänzlich vernichtend.
Das spornte mich an. Von da an lieh, kaufte und sammelte ich einen Schreibratgeber nach dem nächsten. Ich las sie alle!


Schreibratgeber sind kein Allheilmittel

Das allein machte natürlich noch keinen Autoren aus mir. Ebenso wenig, wie er einem Gärtner einen grünen Daumen oder einem Koch das Gefühl für Lebensmittel schenkt, nimmt ein Ratgeber einem Autoren die Arbeit nicht ab.

Wenn man nicht den unstillbaren Drang verspürt, die Geschichten erzählen zu müssen, oder einem das Gefühl für Wort und Schrift fehlt, hilft auch der beste Schreibratgeber nichts. Eine gewisse Grundlage muss einfach vorhanden sein.
Deine Charaktere müssen dich drangsalieren, quälen und dir bis aufs Klo folgen, damit du ihre Geschichten aufschreibst.
Du musst dich im Bett herumwälzen, getrieben davon, deine Ideen endlich aufs Papier zu bringen.

Das kann dir kein Schreibratgeber geben. Er ist lediglich dazu da, dir dabei zu helfen, deine Geschichten zu verfeinern und zu schleifen.


Die Wahl des richtigen Schreibratgebers

Natürlich muss man sich über die Art seines Defizits bewusst sein. Sonst ist man im Ratgeber-Dschungel schnell verloren. Hier ein paar Buchtipps:

- Willst du lediglich deinen Stil verbessern: Ludwig Reiners „Stilfibel“ - mit vielen Übungen, allerdings auch ein wenig altbacken.

- Brauchst du schrittweise Einführungen: Die Bücher von Stephan Waldscheidt und Diana Hillebrand. Beide schreiben sehr ausführlich und beleuchten alle Facetten des Schreibens.

- Sind es eher Inspiration und die Neugier, wie es anderen Autoren ergangen ist:
Stephen Kings „Das Leben und das Schreiben“ - in typischer King-Manier, und Carla Berlings „Vom Kämpfen und vom Schreiben - Höhen und Tiefen einer Autorenkarriere“.


Ausblick

Es gibt noch viele Möglichkeiten, deinen Schreibstil zu verbessern. Aber über eines solltest du dir bewusst sein: Wenn dir die Leidenschaft und das dringende Bedürfnis fehlt, einen Roman zu beenden, dann hilft auch der beste Schreibratgeber nichts.

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Zum Weiterlesen:

Typisch Autor! Klischees über Schriftsteller
5 Gründe, wieso Schreiben als Hobby scheiße ist!
5 Tipps, um das Camp NaNoWriMo erfolgreich zu meistern




Jessica Bradley – Jugend- und Drehbuchautorin.



Kommentare:

  1. Liebe Jessica,
    ein sehr eindringlicher Bericht, dem ich mich durchaus anschließen kann. Ich habe in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gemacht.
    Für mich kam der entscheidende Durchbruch, als ich meinen Stolz überwand und einen durchdachten Plot für meinen Roman schrieb. Danach wurde alles viel leichter, der Berg an Arbeit strukturierter und irgendwie wusste ich plötzlich, dass ich es schaffen kann.
    Also, an alle Plot-Hasser: Einfach mal ausprobieren, es ist gar nicht so schlimm :-)

    Liebe Grüße,
    Marie

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    1. Hallo Marie,

      das freut mich. Ich brauchte auch einige Zeit um mich ans Plotten zu gewöhnen. Tief im Inneren bin ich zwar immer noch ein Discovery Writer aber ich merke das ich schon ein wenig Struktur brauche. Ich sehe mich daher als 50/50 Autor ;)

      Liebe Grüße
      Jessica

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