Samstag, 29. Oktober 2016

Eine kunstgeschichtliche Reise #5: Friedhöfe und Gärten

Herzlich Willkommen im Herbst und zu einer neuen Ausgabe der „kunstgeschichtlichen Reise“. Bevor ich mit den nächsten Objekten fortfahre, möchte ich auf einen Kommentar eingehen, der mir unter meinen Artikeln geschrieben wurde. Vielen Dank! Ich finde es wichtig, dass ihr als Leser eure Meinung sagt und meine Artikel ergänzt. So sehr ich mich bemühe, kann auch mal ein Aspekt untergehen und dann brauche ich euch – so wie im folgenden Beispiel.

Unsere Leserin nikeleonhard hat mit einem sehr wichtigen Gedankengang den Artikel zu Kunst- und Architekturbeschreibungen ergänzt. Sie verweist auf den Protagonisten. Fachliche Beschreibungen seien schön und gut, doch nütze es alles nichts, wenn die Verbindung zur Person fehlt, welche das Bauwerk oder das Objekt betrachtet. Man solle immer aus dem Blick des Protagonisten beschreiben.
Damit hast sie einen sehr wichtigen Punkt angesprochen, den ich an dieser Stelle noch einmal betonen möchte. Diese Artikelreihe soll euch nicht zu Kunsthistorikern machen. Sie soll eine Hilfe sein, die Bauten einzuordnen und von deren Eigenschaften aus eine Formulierung für eure Geschichte zu finden – eine Recherchegrundlage. Hierbei solltet ihr nicht mit eurem Fachwissen jedes Detail beschreiben, sondern euch in euren Protagonisten hineinversetzen. Der Leser sollte schließlich erfahren, wie euer Protagonist die Kirche oder das Schloss sieht. Er sieht in der Flucht vor einem Gewitter vielleicht nicht gerade die Spitzbogenfenster mit dem reichverzierten Glas der Kirche, sondern freut sich einfach, dass die Holztür noch offen ist. Dies gilt für alles in eurer Geschichte: Für Gebäude ebenso, wie für Landschaften. Für jeden Charakter ist etwas anderes in bestimmten Situationen wichtig, und entsprechend solltet ihr auch beschreiben.


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Die Qual der Wahl – Autoren und Smartphones

Schreiben ist eine Tätigkeit, die früher oder später alle Bereiche des täglichen Lebens in irgendeiner Weise beeinflusst und durchdringt. Zumindest ist es bei mir so. Egal wo ich gehe und stehe, mir rauschen Geschichten durch den Kopf. Und hin und wieder auch Dinge, die ich sofort notieren muss, um sie nicht zu vergessen.
Inzwischen ist alles ganz einfach – Idee im Kopf? Zack, ich greife zum Smartphone und notiere sie. Oder notiere die ganze Szene. Oder schreibe mal eben 1000 Wörter, während ich im Bus sitze und von A nach B fahre.




Aber welches Smartphone ist für einen Autor das richtige? Und braucht man wirklich unbedingt eins?


Historischer Abriss – oder wie ich die letzten 15 Jahre Notizen gemacht habe


Zugegeben, ich gehöre zu der Generation, die ein Handy in die Hand gedrückt bekamen, sobald sie der Grundschule entwachsen waren. Also mit zehn. Nicht, dass mein damaliges Handy viel mehr als telefonieren konnte. Wenn ich also unterwegs Notizen machen wollte, musste ich daran denken und ein extra Heft bei mir tragen.
Ungefähr mit 15 entdeckte ich die Notizfunktion meines damaligen Handys. Die war nicht besonders gut und man konnte ungefähr 140 Zeichen eintippen. Das reichte für kurze Gedichte, aber spätestens bei Geschichten wurde es schwieriger.
Und dies war der Beginn einer Handykaufhistorie, die mein Autorenleben mitberücksichtigte. Denn das Erste, wonach ich die Verkäufer im Laden von da an fragte, war: „Hat es ein Notizprogramm? Wie viele Zeichen passen da rein?“
Das letzte Handy in meinem Besitz – bevor ich mir ein Smartphone zulegte – hatte immerhin Platz für ca. 2000 Wörter pro Notiz. Das weiß ich, weil ich die einmal auch wirklich ausgereizt habe. Fürs Abtippen habe ich dann fast länger gebraucht als fürs Schreiben, da das Handy dauernd dunkel wurde, ich es neu aktivieren durfte, mir dann die Stelle verrutscht ist …
Auf meinem Android-Handy arbeitete ich mit Evernote (meinen Erfahrungsbericht gibt es hier) – und das ultimative Glücksgefühl habe ich mit meinem Lumia 640 XL, mit dem ich von unterwegs Zugriff auf meine Worddateien habe. Lückenloses Weiterarbeiten am Text wurde zu einem wahr gewordenen Traum.
Aber heißt das jetzt, dass alle Autoren sich unbedingt ein Lumia kaufen müssen?


Es geht auch anders – oder ganz ohne


Um zu überprüfen, wie universell die von mir gemachten Erfahrungen sind, habe ich ein wenig herumgefragt.
Einige Autoren besitzen gar kein Handy – und vermissen es auch nicht als Schreibtool. Andere besitzen zwar ein Smartphone, nutzen es aber nicht zum Schreiben unterwegs und haben es auch nicht vor. Auch wenn dies möglich wäre.
Die meisten Autoren, die ich kenne, nutzen das Smartphone dann zum Outsourcen von kleineren Schreibaufgaben und für Notizen.
Aber nur wenige verwenden das Smartphone so wie ich als mobiles Büro für alle Lebenslagen. Woran das liegt, ist schwer zu sagen.
Zum einen bin ich ja, wie bereits erwähnt, praktisch mit einem Handy in der Hand aufgewachsen. Für irgendeine Aufgabe ein Smartphone einzusetzen, ist für mich damit so selbstverständlich, wie für andere Menschen der Griff zu Post-It’s und Kugelschreibern. Andere haben nicht so einen langen Zugang zum Handy, mögen es nicht oder haben sich nie mit den Möglichkeiten als Büro auseinandergesetzt, weil sie dafür ihre eigenen erprobten Routinen haben und die Nutzung des Smartphones eine (für die meisten Menschen unbequeme) Umgewöhnung darstellen würde – und man sowieso wieder zur vertrauten Methode zurückkehren würde.
Für andere Menschen ist es eine Grundsatzentscheidung, Technik nicht mehr als nötig zu nutzen oder zumindest ihre Freizeit handyfrei zu halten.
Oder sie nutzen stattdessen Geräte mit Diktierfunktion. Und das können sowohl die alten Handys, als auch beispielsweise ein iPod oder ein Diktiergerät leisten.
Wer also mit einem Smartphone partout nicht warm wird, muss nicht zwingend auf Biegen und Brechen eins kaufen.


Wenn ein Autor nun unbedingt eins haben möchte – worauf sollte man dann achten?


Wie immer beim Handykauf gilt gerade bei Autorenhandys: Was brauche ich, was möchte ich? Und was muss das Gerät können, um diese Anforderungen zu erfüllen?
Für mich persönlich sind folgende Punkte beim Kauf eines Autorenhandys wichtig:
  • Die Bildschirmdiagonale – Auf größeren Bildschirmen ist das Tippen langer Texte einfach angenehmer, ebenso wie das Lesen. Dabei sollte das Gerät trotzdem gut in der Hand liegen, mobil sein und sich gegebenenfalls mit einer Hand bedienen lassen.
  • Anbindung an den Cloudservice meines Vertrauens – Da ich seit Jahren Onedrive (wenn auch unter anderen Namen) nutze, ist für mich ein Microsoftgerät die beste Wahl. Wer dagegen schon immer Googledrive als Cloudspeicher genutzt hat, wird eher mit einem Android glücklich.
  • Damit einhergehend: Schreibprogramm meines Vertrauens – Auf meinem Smartphone ist beispielsweise eine mobile Version von Word installiert, damit sind meine Texte auf dem Smartphone mit denen auf dem Rechner kompatibel. Wer ein Schreibprogramm auf dem Rechner hat, mit dem nichts kompatibel ist, wird vielleicht am Ehesten mit Evernote glücklich, das gibt es für alle Geräte. Es gibt allerdings auch andere Apps, z.B. JotterPad, die mit der Dropbox synchronisieren und die Dateien direkt als Textdokumente ausgeben. Hier muss man selbst die perfekte App für das eigene Nutzungsverhalten finden.
  • Lange Akkulaufzeit – Nein, zocken und whatsappen sind nicht die Tätigkeiten, die am Meisten Akku ziehen. Echt nicht. Mein Handy wird nie so schnell leer, wie nach einer ausgiebigen Schreibsession oder beim Lesen eines eBooks. Der Akku sollte also einiges aushalten und trotzdem noch bis nach Hause reichen.
  • Zubehör – Was gibt es da für das Handy eurer Wahl? Eine Powerbank (mobiler Akku für unterwegs) ist relativ universal und vom Betriebssystem unabhängig, die Größe solltet ihr allerdings von der Akkugröße des Handys abhängig machen. Ich habe mein Smartphone noch zusätzlich mit einer mobilen Bluetooth-Tastatur aufgerüstet.
Mein persönlicher Favorit sind die XL-Varianten der Lumia-Smartphones von Windows, die sich wunderbar in ein mobiles Büro verwandeln lassen. Derzeit verwende ich ein Lumia 640 XL mit Windows 10 (das Gerät wird allerdings mit Windows 8.1 ausgeliefert, Windows 10 muss man sich über den Appstore runterladen. Derzeit – Oktober 2016 – noch kostenlos möglich).
Dafür muss man allerdings an anderen Stellen Abstriche machen – viele bekannte Spieleapps gibt es beispielsweise nicht für WindowsPhone, auch einige andere Entwickler verzichten derzeit darauf, dafür Software zu entwickeln.
Aber als leistungsstarkes Büro für Unterwegs ist es zumindest für mich persönlich derzeit unschlagbar.


Was ist mit euch?


Seid ihr Autoren mit Smartphone oder trennt ihr bewusst Schreibzeit und Zeit unterwegs? Warum? Warum nicht?
Welches Gerät würdet ihr weiterempfehlen und welches ist für euch gefloppt? Diskutiert in den Kommentaren!

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Zum Weiterlesen:


Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte. Sie bloggt über das Autorendasein, Bücher und den Weltenbau.

Samstag, 22. Oktober 2016

Schreibratgeber oder Wie zur Hölle schreibt man einen Roman?

Es ist nun gut und gerne 5 Jahre her, dass mich ein Gedanke einfach nicht mehr losließ. Ich will einen Roman schreiben.

Doch wie zur Hölle schreibt man einen Roman?
Sicher. Ich hatte in der Vergangenheit bereits gewisse Erfahrungen beim Schreiben von Drehbüchern, Songtexten und Kurzgeschichten gesammelt. Doch ein ganzer Roman? Das ist dann doch ein völlig anderes Kaliber.


Mittwoch, 19. Oktober 2016

Denn keiner weiß, wie ich wirklich heiß! - Pseudonyme

Das eigene Buch ist endlich fertig. Das Cover ist wunderschön und der eigene Name prangt stolz über dem überzeugenden Titel. Ist das nicht ein Traum?

Nicht für jeden. Es kann gute Gründe geben sich ein Pseudonym zuzulegen – oder eben auch nicht.

Samstag, 15. Oktober 2016

Buchmessen für Autoren

Der Autor, der sich auf eine Buchmesse vorbereitet, durchstöbert zunächst einmal das Programm: Er versucht herauszufinden, welche Verlage oder Anbieter dort zu finden sein werden, guckt, welche der Veranstaltungen ihn interessieren und fragt seine Community, wer von seinen Lesern, Freunden und Kollegen auch auf der Buchmesse sein wird.
So habe ich es getan und genau das beobachte ich vor jeder Messe bei anderen Autoren. Nun würde ich mich nicht als alter Hase bezeichnen, was Buchmessen angeht, denn als Autorin war ich nur auf zwei Buchmessen bisher: die Buch Berlin 2015 und die Leipziger Buchmesse 2016. Hinzu kommt die Autorenmesse in Frankfurt im Juni. Allerdings konnte ich für mich herausfinden, was ich von einer Messe für mich erwarten kann und was ich lieber nicht erwarten sollte. Diese Erfahrung deckt sich teilt auch mit der, die ich von anderen Autoren mitbekommen habe.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Von Cosplay bis zur Selbstrecherche am eigenen Leib – Wenn Autoren in die Rolle ihrer Protagonisten schlüpfen

Was tut man nicht alles, um sich seinem Protagonisten näher zu wähnen und zu fühlen und zu begreifen, was er fühlt, wenn man ihn leiden lässt? Und steckt nicht in jedem von uns ein Stück unserer Protagonisten? Ich habe mich ein wenig unter Autoren umgehört und dabei die wunderlichsten Dinge zutage gefördert, wobei ich mich selbst alles andere als davon freisprechen kann.



Samstag, 8. Oktober 2016

Typisch Autor! Klischees über Schriftsteller

Der Autor ist als Figur in Filmen und Literatur sehr beliebt. Kein Wunder – Autoren sind auch wirklich interessante Menschen, das habe ich selbst schon festgestellt. Doch was für ein Typ ist ein Autor eigentlich? Welche Eigenschaften passen zu ihm? In welchem Umfeld lebt er? Die Medien präsentieren da ein ganz eindeutiges Bild, welches ich im Folgenden einmal näher untersucht habe.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Interview mit Axel Hollmann über Autorenlifestyle

Für diesen Themenmonat, der im Zeichen des Autorenlifestyles steht, haben wir  Axel Hollmann für euch interviewt. Bevor er uns aber von seinem spannenden Autorenleben erzählt, möchten wir ihn kurz vorstellen:

Axel Hollmann wurde 1968 in Berlin geboren. Stephen King höchstpersönlich sabotierte Axels BWL-Studium, was ihn jedoch nicht davon abhielt, noch vor seinem 30. Geburtstag Mitinhaber eines Buch- und Rollenspielladens zu werden.

Von Kreativität und Schaffenskraft geplagt begann er irgendwann, selbst zu schreiben. Bisher sind von ihm zwei Romane in der Julia-Wagner-Reihe erschienen und sein neuester Thriller „Rissiges Eis“.

Außerdem bloggt er auf axelhollmann.com und führt seit Jahren den Autorenpodcast „Die Schreibdilettanten“ mit Marcus Johanus, den wir schon im letzten Themenmonat interviewen durften.


Samstag, 1. Oktober 2016

Schriftsteller und Lektorat – der Beginn einer wunderbaren „Freindschaft“

Neu im Schreibmeer: Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.




Am Anfang war das Wort. Aber wenn der Autor sieht, dass es gut ist, ist es nicht etwa so, dass er den Griffel beiseitelegt, das Ganze binden lässt, es verkauft und reich und berühmt wird …

Dann geht es erst richtig los. Überarbeitung eins, Überarbeitung zwei, Überarbeitung unendlich. Betaleser eins, Betaleser zwei, Betaleser trölfzig. Und dann: das Lektorat.

An dieser Stelle soll gar nicht weiter darauf eingegangen werden, ob und warum ein Lektorat für einen Autor ein Must-have ist – über dieses Thema wurde in der Vergangenheit sowieso schon viel geschrieben und gestritten.


Der Lektor, das unbekannte Wesen

Aus meiner Warte kann ich erst mal nur sagen, was ein Lektor NICHT ist (obwohl es mir auch schon mehrfach so unterstellt wurde): Nein, ich bin kein verhinderter Schriftsteller, der aus Mangel an Talent und Können leider „nur“ Lektor wurde und daraus zwei Psychosen entwickelte: a) den überheblichen Ewigbesserwisser, der jeden Text nur kaputtmachen kann, oder b) den Killer, der das Manuskript nur kaputtmachen will – aus Neid, weil er es selbst nicht so gut kann.

Für mich persönlich kann ich jedenfalls in Anspruch nehmen: Ich bin kein verhinderter Schriftsteller. Ich bin gar kein Schriftsteller, denn das Schriftstellern liegt mir nicht. Das sollen bitte die Autoren machen. Ich bin derjenige, der gut mit fremden Texten umgehen kann, stilistische Besonderheiten findet, Ungereimtheiten im Plot entdeckt und sie mit Vorschlägen (ja, es sind nur Vorschläge, keine diktatorischen Befehle) ausbügelt.


Von Hebammen und Hintergrundarbeitern

Oft bleibe ich in einem bestimmten Bild: Wenn das Buch das Baby ist, ist der Autor die Mutter. Ich bin dann die Hebamme. Das Bild mag ich sehr gern, denn es trifft ein paar wesentliche Punkte.
  • Im Prozess des Werdens, Entstehens und Reifens halte ich dem Autor das Händchen. Ich ermutige, bekämpfe Zweifel, leiste Erste Hilfe am Text, wenn es gar nicht vorwärts gehen will, stehe Rede und Antwort und bin immer ansprechbar.
  • In der „heißen Phase“ bin ich da, wo ich gebraucht werde. Ich baue letzte Korrekturen ein, suche nach vielleicht übersehenen Stolperfallen. Ich fiebere mit, wenn der Erscheinungstermin in greifbare Nähe rückt, ich bin einer der ersten Menschen, die das fertige Buch aus der Zellophanhülle befreien und aufschlagen, und mit klopfendem Herzen lese ich ein paar Wörter. Ich freue mich unbändig, dass es gelungen ist und wünsche ihm ganz viel Erfolg.
  • Hinterher: Ich räume auf. Ich sichere die Daten, drucke Dokumente aus, die ich archivieren muss, sortiere alles in die passenden Ordner, lösche, was ich aus Datenschutzgründen nicht behalten darf. Das Leben des Autors und seines Buches geht nun ohne mich seinen Gang.
  • Dann: Ich schaue aus der Ferne zu. Wie sind die Bewertungen, was tut sich in Leserunden? Ich bleibe am Ball, auch wenn ich unsichtbar bin. Aber wenn ein von mir lektoriertes Buch es im Ranking weit nach oben schafft oder einen Leserpreis gewinnt (ja, auch das ist schon passiert ;) ), dann bekomme ich das mit. Und ich gratuliere dem Autor zum Erfolg und mache mir heimlich, still und leise auch einen Sekt auf.
  • Die Glückwünsche bekommt der Autor, ihm wird auf die Schulter geklopft, er steht im Rampenlicht. Und da gehört er auch hin – nicht ich. Ich bin nicht die Mama. Aber als Geburtshelfer des Buches hänge ich emotional auch irgendwie mit drin.


Der Lektor als Sparringpartner

Was will ich damit eigentlich verdeutlichen? Die Beziehung zwischen Schriftsteller und Lektor, die wunderbare „Freindschaft“, ist etwas Besonderes. Manchmal entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis daraus, weil die Chemie stimmt und man spürt, dass man am gleichen Strang zieht. Wenn dann zum Beispiel am Sonntagmittag eine panische Whatsapp kommt: „Ich hab da und da einen anderen Text mit einem ähnlichen Detail im Plot gefunden, meiner ist dann doch ein Plagiat! Hilfe, das ganze Manuskript ist kaputt!“ – dann ist auch mein Sonntag gelaufen. Ich bin nicht mehr entspannt auf dem Ausflug in den Tierpark oder so – ein Teil von mir ist beim Text und überlegt, wie man die literarische Kuh vom Eis bekommt. Meine Gedanken arbeiten dann immer – ganz abseits von bezahlten Normseiten. Und wenn dann kurz vor Mitternacht die Erleuchtung kommt, stehe ich auf und arbeite. Sehr zum Leidwesen des Partners. Aber hey, there's no business like Buchbusiness!

Manchmal geht das aber auch nicht so gut. Dann kracht es zwischen Schriftsteller und Lektor, und es klappt einfach nicht. Die Vorstellungen sind zu unterschiedlich, die Kritikfähigkeit auf beiden Seiten stimmt nicht – auch das ist dann wie in einer Freundschaft: Man zieht einen Schlussstrich. Macht eine Endabrechnung über die geleistete Arbeit, wünscht sich gegenseitig alles Gute und legt das Projekt ad acta. Das ist dann weder die Schuld des Autors noch die des Lektors – es passt einfach nicht. Das kommt bei menschlichen Beziehungen schon mal vor. Sicherlich gibt es einen anderen Lektor, mit dem die Arbeit besser passt und bei dem das Projekt die Blütezeit erreicht, die es verdient hat.


Nicht nur zum Applaudieren auf der Welt

Wenn die „Freindschaft“ aber stimmt, dann darf es umgekehrt auch mal krachen. Man muss nicht immer einer Ansicht sein, man kann auch im Widerspruch wachsen. Oft entstehen dann ganz neue Sachen, die dem Text neuen Drive geben. Auch das gibt es in der „Freindschaft.“

Man ist immer im Miteinander und im Gegenüber. In dieser Spannung können im Text die tollsten Dinge passieren. Und wenn man trotz mancher Kontroverse nach dem Projekt das Gefühl hat, dass man etwas Gutes hat entstehen lassen, kann man sich verabschieden mit einem „Bis zum nächsten Mal“ – auch wenn es garantiert wieder anstrengend wird.





Die Schreibmeer-Kolumne. Einmal im Monat dürfen unsere Autoren unter diesem Deckmantel aus den Tiefen des Schreibmeers blubbern.