Samstag, 27. August 2016

Eine kunstgeschichtliche Reise #4: Schlösser und Burgen


Willkommen zurück auf der kunstgeschichtlichen Reise. Im letzten Artikel ging es um das Herrenhaus und seinen Einsatz in euren Geschichten. Begleitet mich dieses Mal in die zauberhafte Welt der Schlösser und Burgen.


Schloss
Burg


1. Begriff klären

Die Verwandten Begriffe Schloss und Burg überschneiden sich, wobei häufig Grenzfälle auftreten. Während man unter der Burg immer ein stark befestigtes Gebäude versteht, kann das repräsentative Schloss auch unbefestigt (ohne dicke Ummauerung und Wallanlagen) sein. Aber auch ein unbefestigtes Schloss kann angedeutete Ecktürme haben. Das Schloss kann wie eine Burg einen Hof haben, der gerade in der Barockzeit an der Eingangsseite offen war und auf der anderen Seite des auf das Schloss bezogenen Gartens lag. Die Bezeichnung 'Schloss' ist damit unabhängig von der Größe oder der künstlerischen Gestaltung seiner Fassade. Stattliche Schlösser gingen häufig aus mittelalterlichen Burganlagen hervor, einige Schlösser gründen auch auf früheren Klöstern. Vom Ende des Mittelalters bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten die Schlösser in vielen Regionen Europas kulturelle und politische Zentren dar.
Wichtig ist, dass ihr bei der begrifflichen Abgrenzung folgendes beachtet: Eine Burg ist eine befestigte, eher militärische Anlage; Ein Schloss ein repräsentativer reich verzierter Bau.

2. Rolle des Schlosses/der Burg

Sowohl das Schloss als auch die Burg sind prädestiniert für Geschichten mit historischem Hintergrund, Liebe und rauschende Feste. Macht und Krieg liegen dabei eng beieinander und bieten reichlich Stoff für eure Geschichten. Natürlich sind auch phantastische Geschichten á la Harry Potter in Schlössern zuhause. Meine Beispiel wird auf einer Burganlage spielen. Daher werde ich im Folgenden auch nur auf die Bestandteile einer Burg eingehen. Solltet ihr eine ausführliche Beschreibung eines Schlosses wünschen, dann lasst es mich wissen. Da fände sich sicherlich eine Möglichkeit, einen weiteren Artikel zu verfassen.

3. Grundaufbau und Bestandteile

Der augenfälligste Bestandteil vieler mittelalterlicher Burgen ist der Turm. In Deutschland war das der Wohnturm, im angelsächsischen Raum der Keep und in Frankreich der Donjon. Vielen ist der Turm auch als Bergfried bekannt. Der Bergfried war allerdings nicht nur für eine dauerhafte Wohnnutzung vorgesehen, sondern in erster Linie übernahm er Wehr- und Statusfunktionen. Häufig wurde die Burganlage durch weitere Türme insbesondere an den Toren sowie Mauer- und Flankierungstürme ergänzt. Die Burg war von einer Mauer und weiteren Befestigungen Burggraben, Wall und anderen Annäherungshindernissen (Felsen, Hecke, Verhau) umgeben.

Innerhalb der Burg befanden sich zahlreiche Gebäude. Das Hauptgebäude war ein saalartiges Wohngebäude – der sogenannte Palas. Er beinhaltete einen großen Saal, der wegen der schlechten Beheizbarkeit überwiegend im Sommer genutzt wurde. Später verfügten Burgen über verschiedene Arten von Wohnbauten oder Wohntürmen.

Neben den zumeist sehr repräsentativen Wohnbauten gab es in den Vorburgen noch weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude wie Werkstätten, Backhäuser, Ställe oder Lagerräume. Die Wasserversorgung wurde durch Zisternen gewährleistet, in denen das von den Dächern der Gebäude ablaufende Regenwasser gespeichert wurde, oder mit Hilfe von Eseln als Transporttieren, die das Wasser zur Burg schleppten. Erst im späten Mittelalter wurden Burgbrunnen angelegt, die auch beträchtliche Tiefen erreichen konnten.

Den meisten Burgen war ein Wirtschaftshof zugeordnet, der die Versorgung der Burginsassen mit den notwendigen Gütern sicherstellte. Bei größeren Burgen war der Wirtschaftshof manchmal in der Vorburg untergebracht. Bei Höhenburgen stand er meist im Tal unterhalb der Burg.

Roseburg

4. Am Rande des Geschehens

Für eine Hausarbeit zum Thema Gartendenkmalpflege habe ich etwas über die Roseburg in Rieder im wunderschönen Harz recherchiert. Diese wird Schauplatz meiner Beispiele sein. Der Theaterarchitekt Bernhard Sehring schuf diese Burg Anfang des 20. Jahrhunderts als seinen Alterssitz. Was diese Burg so wundervoll macht, werdet ihr in meinen Beispielen sehen.

Schnaubend kamen die großen braunen Pferde zum Stehen, die Gelenke der Kutsche quietschten, unter den Rädern knirschten ein paar Steine.

„Wir sind angekommen, Herr!“, sagte der schwarzgekleidete Mann auf dem Kutschbock, während er abstieg, um seinem Fahrgast die Tür zu öffnen.
„Danke Hans.“ Kurz nachdem die Worte die Kutsche verlassen hatten, stieg auch ein Mann aus dem Schatten. Seine Sachen waren sehr bunt und reich verziert. „Dem Burgherr ein angemessenes Heim!“, scherzte er. „Holen Sie mich um Mitternacht wieder ab.“

„Jawohl, Herr!“

Nachdem sein Diener abgefahren war, setzte die buntgekleidete Gestalt ihren Weg fort. Über einen großen Vorplatz ging es zu einer alten Holzbrücke, die den Weg in die Roseburg mit ihren starken Mauern und dem hohen Turm ebnete. Sein alter Freund Bernhard feierte heute seinen 60. Geburtstag. Nun wurde ihm auch bewusst, warum er sich verkleiden musste, um zur Feier kommen zu dürfen. Es würde ein ausschweifendes Kostümfest werden. Wie ausschweifend und phantastisch, wurde ihm klar, als er durch den Torbogen in den Hof trat.

...

In dieser Szene wird wunderbar deutlich, was ihr wann beschreiben solltet. Da sich unser Protagonist noch außerhalb der Burgmauern befindet, ist es nicht ratsam mit einer Beschreibung des Gartens oder der inneren Räumlichkeiten zu beginnen. Diese sieht er nicht. Von Außen entspricht die Burg den mittelalterlichen Burganlagen: starke Mauern, die Brücke und ein Turm sind sichtbar. Diese Elemente sind an fast jeder Burg zu finden.

5. Aufbau und Bestandteile

Wir sind also auf dem 60. Geburtstag des Architekten und Burgherrn Bernhard Sehring. Den Mann gab es wirklich und laut der Literatur feierte er die Einweihung des Gartens im Zusammenhang mit seinem Geburtstag. In meinen kleinen Szenen führe ich uns als Gäste auf die Roseburg und versuche, mir das damalige Fest vorzustellen.

6. Einordnung in die Geschichte

Unser Protagonist ist Gast auf der Geburtstagsfeier. Er ist vielleicht ein Arbeitskollege aus Berlin. Er hat die Burg vorher noch nicht gesehen, kennt aber Geschichten, die sein Freund erzählt hatte. Er wollte es nicht so recht glauben, was sein Freund ihm da von seinen Plänen erzählte. Sein Staunen im Garten der Burg, bedeutet für mich als Autor: BESCHREIBEN. Denn der Leser müsste erst googeln, um zu wissen, wie es auf der Roseburg ausschaut.

Roseburg innen

7. Objekt ausführlich beschreiben und in die Szene einbauen

Auf dem Burghof treffen wir den Gastgeber, der seinen alten Freund begeistert empfängt. Mit einer kleinen Prozession wandert unser Protagonist mit den anderen Gästen durch den Garten. Dabei sollten dessen Eindrücke mit ein paar mehr Worte beschrieben werden. „Ein schöner Garten“ ist in dem Falle nicht ausreichend.

„Da seid Ihr ja Karl, mein alter Freund!“ Bernhard Sehring kam auf den Neuankömmling zu und schloss ihn in seine Arme. „Wir haben schon auf Euch gewartet.“ Auch der Gastgeber war in bunte Stoffe gehüllt. Anhand der Qualität und der reichen Verzierung war er deutlich als Burgherr zu erkennen. Ein paar Bedienstete huschten aufgeregt umher, um noch die restlichen Speisen auf die schweren Holztische im Burghof zu stellen. Umgeben vom Palas mit der Burgkapelle, dem Torhaus und dem Wartturm samt dem aufsteigenden Wehrgang fühlte sich Karl in eine andere Zeit versetzt. Die große Tafeley entsprach den Lebensstil des momentan absterbenden Adels.
„Alles Gute, Bernhard. Da hast du ja ein Prachtstück geschaffen.“ Karl sah sich staunend um, während weitere verkleidete Gäste an ihnen vorbeiströmten. Alles wirkte sehr theatralisch.

„Recht vielen Dank. Das ist aber noch nicht alles.“ Berhard lächelte zufrieden. „Und danke auch für die schöne Staude, die Euer Bote gebracht hat. Sie hat schon einen Eherenplatz gefunden.“

„Das freut mich sehr.“

„Vielleicht entdeckt Ihr sie bei der Prozession. In wenigen Minuten geht es los.“

„Ich werde achtsam sein“. Mit diesen Worten reihte sich Karl in eine Reihe Menschen ein, die ebenfalls auf einen exklusiven Gartenspaziergang warteten, während Bernhard weitere Gäste begrüßte.

„Meine werten Gäste!“ Wenige Minuten später erschien Bernhard begleitet von einer Gruppe Barden auf einer leicht erhöhten Felsformation. „Ich freue mich sehr, dass Ihr so zahlreich zu meinem Feste erschienen seid.“ Freudige Rufe schallten ihm entgegen. „Bitte folgt mir und genießt mein wundervolles Reich.“

Mit aufgeregtem Gemurmel folgten die Gäste dem Gastgeber und der kleinen Musikgruppe. Karl war ganz vorn mit dabei. Die Klänge von Drehleier, diversen Flöten und Zupfinstrumenten schallten durch den anbrechenden Abend. Sie passten so wunderbar zu der historischen Atmosphäre. Auf natürlich geschwungenen Wegen, an dessen Rändern Fakeln und Kerzen aufgestellt waren, wanderte die Prozession an großen Stauden- und Gehölzbeeten vorbei. Sah man genauer hin, entdeckte man versteckte Kunstgegenstände. Löwen, Vasen, Chimären und Obelisken verschmolzen mit den Pflanzen, alten Säulen und Bauelementen zu einer Art theatralischer Kulisse. Neben historischen Anlehnungen hatten immer wieder interessante Blickachsen und Überraschungen einen Platz in der Gestaltung der Anlage gefunden. Karl wusste gar nicht wohin er zuerst sehen sollte. Der Park glich einem historischen Trödelladen mit Elementen italienischer und englischer Gärten des 19. Jahrhunderts – ein wahres Kuriosum.

Die Musik wurde Lauter und spielte sich ihren Höhepunkt entgegen. Auch die Gästen wurden aufgeregt und drängten sich auf der untersten Aussichtsterrasse des Gartens zusammen. Karl bahnte sich einen Weg in die erste Reihe, um sehen zu können, welcher Höhepunkt nun auf sie wartete.
„...“ Es verschlug Karl die Sprache, als er sich von dem weiten Blick in die Landschaft löste und auf die terrassierte Wasserachse blickte. Über mehrere Etagen plätscherten Wasserspiele hinab ins Tal, vorbei an antiken Säulen, Steinen und Skulpturen.große Treppenanlagen säumten den Wasserlauf.

„Und, gefällt es Euch?“ Sehring war neben ihm aufgetaucht.
„Atemberaubend.“
„Kommt!“ Sehring führte seinen Freund gefolgt von dem Rest der Prozession die Stufen hinauf zur Lindenallee mit ihren Putten. Karl fühlte sich wie in eine andere Zeit entführt. Unter ihnen stiegen die Gäste in den mittelalterlichen Kostümen die Anlage hinauf, die Musik spielte weiterhin historische Melodien.
„Welch ein Spektakel!“, sagte Karl zu seinem alten Freund.


In dieser Szene geht es darum, dem Leser angemessen zu beschreiben, was Bernhard Sehring eigentlich geschaffen hat und was es für eine Auswirkung auf seinen Freund hatte. Hierbei ist es nicht nötig, jede Skulptur haargenau zu beschreiben, denn Karl befindet sich in einer Prozession und läuft an den erwähnten Elementen vorbei. Es bleibt keine Zeit, Details zu betrachten. Sollte Karl später noch einmal alleine durch den Garten wandern und sich einzelne Sachen genauer betrachten, dann wäre eine genauere Beschreibung des Objektes sinnvoll.

8. Einbau in die Geschichte und Vorlage bei Betalesern

Was sagen eure Freunde und Betaleser dazu? Wie fühlen sie sich beim betrachten von Bildern der Roseburg? Lasst euch von euren Betalesern ein wenig inspirieren.

Schreibaufgabe:
Sucht euch eine Burg aus und übt das Beschreiben in einer Szene ein wenig. Versucht euch, in euren Beschreibungen immer etwas mehr ins Detail zu steigern. Viel Spaß!

Weitere Informationen zu Bernhard Sehring und der Roseburg:
Berndt, Ralph: Bernhard Sehring. Ein Privatarchitekt und Theaterbaumeister des wilhelminischen Zeitalters. Leben und Werk, Cottbus 1998.

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Zum Weiterlesen:




Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger!


Kommentare:

  1. Schöner und informativer Artikel, wobei bei Punkt zwei "Macht und Krieg liegen dabei eng beieinander und bieten reichlich Stoff für eure Geschichten" ein wenig einseitig/knapp ist. Im deutschen Raum waren im Mittelalter Burgen ganz oft "nur" Verwaltungszentren, die im Notfall zur Verteidigung/Krieg genutzt werden konnten, aber am Ende auch durchaus nie einen Krieg (außer vielleicht den Bauernkrieg 1525) gesehen haben. Gerade bei kleineren Anlagen konnte es auch sein, dass die als herrschaftlicher Sitz einer Adelsfamilie errichtet wurden, aber schon ein Jahrhundert später verfielen, weil die Familie ausgestorben war und dann sich keiner mehr für das Ding interessierte. Das vielleicht an dieser Stelle nicht als Kritik, denn in einer "kunstgeschichtlichen Reise", wie der Titel der Reihe ja schon sagt, ist das ja eher zweitrangig, sondern mehr als Ergänzung für die, die vielleicht bei der Recherche über diesen Artikel stolpern. ;)

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    1. Vielen Dank für deine Hinweise Hekabe. :) Deine Worte sind eine schöne Ergänzung zu dem Artikel und gehen ein wenig tiefer in die Geschichte. Hast du mit Geschichtem also in dieser Branche, zu tun?

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