Mittwoch, 31. August 2016

7 Tipps für mehr Social statt Ego Media, um neue Leser zu bekommen

Freunde? - Ja.
Hier ist meine Facebook-Seite! - Äh.

Dieser Artikel besteht nur aus meiner Meinung und den Dingen, die ich mehr oder weniger mache. Wenn du lieber das Nashorn sein (Einhörner sind in einigen Büchergruppen echt beliebt) und alles niedertrampeln und jeden umrennen willst, viel Spaß! Dieser Artikel ist nichts für dich ;-)


Viele, viele Autoren (und auch Buchblogger) können mittlerweile ein zugegeben sehr trauriges Lied davon singen. Facebook schränkt die Reichweite für Seiten immer mehr ein und darunter leiden die Seitenbetreiber.
Eine Möglichkeit ist, seine Facebook-Freunde (man bemerke, dass dies meist keine richtigen Freunde, sondern nur Kontakte sind) mit der Aufforderung, seine Facebook-Seite zu liken, zu belästigen. Ja, Betroffene fühlen sich ehrlich belästigt, denn sie erhalten innerhalb weniger Minuten, nachdem sie eine Freundschaftsfrage bestätigt haben, die Anfrage von eben jenem Freund, die eigene Facebook-Seite zu liken. Und zwar nicht nur über die Funktion über die Seite, in der man seinen Freunden eine Anfrage schicken kann, sondern sogar per PN oder am besten noch direkt auf die Facebook-Seite!

Nett ist anders. Und effektiv auch. Damit macht man sich keine Freunde und ich höre immer mehr, dass Betroffene die Seite erst recht nicht liken und die Freundschaft auch wieder kündigen.

Frage ans Publikum? Wer hat jetzt irgendwas gewonnen?

Ich habe für euch ein paar simple Strategien, die ich mehr oder weniger auch selbst fahre, um Likes UND Interaktionen auf meiner Facebook-Seite zu bekommen.

1. Verstehen, was Facebook überhaupt ist

Eine Social -Media-Plattform, was denn sonst? Ja, klar, aber Facebook kann noch viel mehr, wenn man es versteht und richtig nutzt.

Facebook will uns (Seitenbetreiber) immer wieder klar machen, dass wir doch bitte Werbung schalten sollen. Daran verdient Facebook, nur ist die Frage, wie sinnvoll es ist, Facebook mit Geld zu füttern, wenn man seine Reichweite mit anderen Mitteln steigern kann.

Facebook fährt total auf Unterhaltsames und Wissenswertes ab. Nutzer reagieren darauf am meisten, weil sie sich in ihrer Freizeit auf Facebook aufhalten. Sie wollen keine Werbung sehen, also müssen wir ein bisschen subtiler an die Sache heran gehen.

2. Unterhaltung und Mehrwert

Es ist wirklich so einfach, wie es klingt. Unterhaltet eure Leser und bietet ihnen einen Mehrwert. Warum sollen sie auf eure Facebook-Seite schauen? Warum sollten sie ein Like dalassen, wenn die Page nur aus Verlinkungen zu euren Büchern auf Amazon besteht?

Einen Link posten kann jeder, im günstigsten Fall wird dieser auch noch angeklickt. Wenn du deine Leser jedoch mit einem Post unterhältst, dann passiert es ganz automatisch, dass sie mit dem Beitrag interagieren, also eine Reaktion oder einen Kommentar dalassen. Diese Interaktion erhöht ganz automatisch eure Reichweite und eure Leser nehmen euch mal einen Werbepost zwischendurch auch nicht übel. Als Faustregel gilt hier die 80/20-Regel – 80% unterhaltsame Beiträge und nur 20% Werbebeiträge.

3. Interaktion

Wenn du bereits kommentierende Fans hast, dann interagiere mit ihnen. Antworte auf ihre Kommentare und stell Rückfragen.
Wenn du zum Kommentieren animieren möchtest, dann stell deiner Community Fragen. Diese sollten jedoch etwas mit deinem Thema zu tun haben und nicht zu abgedroschen oder weit hergeholt wirken. Versuche, mit deinen Fans ins Gespräch zu kommen, dadurch bist du nicht mehr nur eine Seite mit einem Namen, sondern ein Mensch dahinter.

Das Wichtigste: Bleibe authentisch und du selbst.

Zwar nimmt das Ganze viel Zeit in Anspruch, aber du wirst sehen, es lohnt sich, wenn du erst einmal eine Beziehung zu deinen Fans aufgebaut hast.

4. Facebook-Profil und Facebook-Seite nutzen

Die Reichweite von Facebook-Seiten wird eingeschränkt, also wird das Facebook-Profil genutzt, um Beiträge zu teilen und seine Freunde mit neuen Informationen zu versorgen.

Halt! Bitte nicht.

Erstens solltest du dich fragen, ob das überhaupt so sinnvoll ist. Warum sollte jemand deine Facebook-Seite liken, wenn du die Beiträge sowieso teilst? Und zweitens: Wer sind deine Facebook-Freunde? Schreibst du Liebesromane, vernetzt du dich aber auf deinem Facebook-Profil ausschließlich mit Autoren, die in allen möglichen Genres schreiben, dann verschießt du hier wahrscheinlich sinnlos dein Pulver. Wenn du zu sehr spamst und für deine Facebook-Freunde uninteressante Inhalte teilst, dann gibt es diese praktische Funktion „Beiträge verbergen“ – im schlimmsten Fall verlierst du wieder ein paar Freunde, wenn du sonst nicht mit ihnen interagierst.

Vielleicht verstehst du besser, was ich meine, wenn ich dir mal erzähle, wie ich das so mache.

☆ Mir ist schon vor einigen Monaten klar geworden, dass mein Facebook-Profil längst nicht mehr privat ist (ohne meine Autorentätigkeit hätte ich mich vielleicht auch schon längst bei Facebook abgemeldet), daher poste ich alle Beiträge öffentlich und überlege mir genau, was ich auf Facebook preisgebe (das empfehle ich dir im Übrigen auch). So können Menschen, deren Freundschaftsanfrage ich abgelehnt habe, mich trotzdem abonnieren und wenn sie mögen auf meine Beiträge reagieren – irgendwann nehme ich sie dann vielleicht doch an :-D 

☆ Ich nehme nicht mehr jede Freundschaftsanfrage an, sondern nur noch die von den Menschen, deren Name mir irgendwas sagt. Wahrscheinlich kenne ich sie aus irgendeiner Autorengruppe oder Veranstaltung oder ich kenne sie einfach, weil es bestimmte Größen in der Autorenwelt sind. Wahrscheinlicher ist es aber, dass ich Letzteren eine Freundschaftsanfrage schicke. Meistens nicht, bevor ich mit ihnen irgendwie in Kontakt getreten bin, sei es durch Interaktion auf ihrer Facebook-Seite oder in einer Autorengruppe. 


☆ Ich schicke meinen Facebook-Freunden in der Regel keine private Nachricht, meine Facebook-Seite zu liken oder poste auf ihr Facebook-Profil (das finde ich echt unhöflich!). Meistens teile ich einfach auf meinem Facebook-Profil meine Seite mit dem Hinweis, dass ich mich über ehrliche Likes freue und dass es dort Infos zu meinem Schreiben gibt. Somit überlasse ich es den anderen, sich meine Seite anzuschauen. 

☆ Sehr selten teile ich Beiträge meiner Facebook-Seite auf meinem Facebook-Profil und nur dann, wenn es wirklich wichtig ist oder ich für meine Facebook-Freunde für relevant halte – weil die Zielgruppe stimmt. Ich teile zum Beispiel jeden Schreibmeerartikel auf meinem Facebook-Profil, weil 80-95% meiner Facebook-Freunde eben Autoren sind und damit zur Zielgruppe des Schreibmeers gehören. 

☆ Ich versuche darüber hinaus, immer aktuelle Beiträge auf meiner Facebook-Seite zu haben (einen oder zwei Posts pro Tag, je nachdem, wie motiviert ich bin). So können sich Interessierte ein Bild von dem machen, was ich so poste. 
Wenn ich mal ein paar Likes verliere, bin ich nicht traurig, denn so reguliert sich meine Fangemeinde auf die Menschen, die es interessiert, was ich poste und so mache – genau diese Menschen möchte ich erreichen. Und bei diesen Menschen ist es auch wahrscheinlicher, dass sie mit meinen Posts interagieren. 

☆ Ich gratuliere meinen Facebook-Freunden zum Geburtstag (zur Hochzeit, Verlobung, zum Kind, zum Abschluss …), wenn ich es sehe. Jedem. Außer es sind nur noch entfernte Bekannte und keine Autorenbekanntschaften (meistens entferne ich solche Freunde nach einer Weile). Sollte es jedoch nicht möglich sein, ihnen auf dem Profil zu gratulieren, schreibe ich keine private Nachricht, weil mir das dann doch etwas zu weit geht. Bei einem Post kann der Andere schnell mit einem Like oder Kommentar darauf reagieren, eine Nachricht geht häufig unter. Ich habe auch öfter gesehen, dass diese Personen dann einen Post zu ihrem Geburtstag veröffentlichen und man dort seine Glückwünsche hinterlassen kann. 

☆ Wenn ich auch noch so wenig Zeit habe, ich versuche, wenigstens ein paar der Beiträge meiner Freunde am Tag zu kommentieren oder darauf zu reagieren – natürlich nicht, wenn ich nichts zu sagen habe oder mir der Post nicht gefällt. So baut man Beziehungen auf und wird bei dem Anderen präsenter, auch wenn es vorerst nur eine flüchtige Bekanntschaft ist. 

☆ Wenn ich merke, dass jemand von meinen Facebook-Freunden auf Beiträge meiner Seite reagiert, dann kann es schon vorkommen, dass ich mal eine Anfrage verschicke. Zum Beispiel habe ich das neulich für das Schreibmeer gemacht, aber da sich diese Person dann sowieso schon für ein paar Beiträge interessiert, hatte ich da auch keine größeren Skrupel. 
Insgesamt bin ich der Meinung, dass die Facebook-Seite und das Facebook-Profil miteinander harmonieren und ein ganzheitliches Bild abgeben sollten. Beides hat seine Vor- und Nachteile, aber gemeinsam genutzt, kann man diese ganz gut ausgleichen.

5. Interaktion mit anderen Seiten

Sicher hast du gemerkt, dass du bei manchen Posts auswählen kannst, ob du mit deinem Facebook-Profil oder mit deiner Facebook-Seite interagierst. Kommentiere bei ähnlichen Facebook-Seiten ruhig mal mit deiner Facebook-Seite, dadurch kannst du vielleicht neue Menschen auf deine eigene Facebook-Seite aufmerksam machen. Das ist auch der Grund, warum ich meine Facebook-Seite „Tinka Beere – Autorin, Buchbloggerin“ genannt habe. So wissen andere, dass ich hier als Facebook-Seite interagiere und sie schauen vielleicht mal vorbei, weil sie neugierig geworden sind.

Hierzu zähle ich auch, dass du hin und wieder mal Beiträge von anderen Facebook-Seiten teilen kannst – privat auf deinem Facebook-Profil oder auf deiner Facebook-Seite. Erwarte nicht, dass dich der andere mit Dankbarkeit überschüttet, sondern mache ihm einfach mal eine Freude und warte ab, was passiert ;-)

6. Interaktion mit anderen Fans

Das hängt ein bisschen mit Punkt 5 zusammen. Suche dir eine Facebook-Seite (oder ein Facebook-Profil), die ähnlich wie deine Facebook-Seite ist (z.B. gleiches Genre), deren Fans sich auch für deine Seite interessieren könnten (die gleiche Zielgruppe sind). Versuche, mit diesen (im besten Fall aktiven) Fans zu interagieren (nicht zu provokativ), sondern einfach ganz unverbindlich, und dich dann mit ihnen anzufreunden.
Das kann eine kleine Weile dauern und du solltest diesen Menschen nicht auf die Nase binden, dass du ja auch schreibst und deine Bücher so viel toller sind als von Autor xy. Denk dran, wir sind hier bei Social nicht Ego Media: Erst Interagieren, dann Freundschaftsanfrage. Keine Seiteneinladung – Lass es einfach!

7. Facebookgruppen sinnvoll nutzen

Für dich interessante Facebook-Gruppen sind Autoren- und Büchergruppen. Erstere nutze bitte ausschließlich dazu, um Kontakt mit anderen Autoren zu knüpfen. Buchwerbung ist dort völlig fehl am Platz und meistens sogar verboten oder nur in Absprache mit den Admins erlaubt. Halte dich an diese Regeln. Auch wenn du vielleicht ein Buch für Autoren geschrieben hast, versuche es lieber über Interaktion und anschließender Freundschaftsanfrage. So zeigst du, dass du dich für den Menschen interessierst. Die Seiteneinladung solltest du auch wieder lassen, sowas spricht sich irgendwann herum und ist unangemessen.

In Büchergruppen gilt das gleiche. Du kannst natürlich dort Werbung machen, wenn es erlaubt ist (nahezu jede Gruppe hat in der Beschreibung Regeln aufgestellt), dennoch würde ich auch hier den subtileren Weg vorschlagen: Erst Interaktion, dann Freundschaftsanfrage. Der Vorteil ist einfach, dass du dich nicht unbeliebt machst und deinen neuen Freunden die Möglichkeit gibst, zu wählen, ob sie deine Seite liken wollen oder eben nicht.

Wie jetzt? Kommt keine bezahlte Werbung? Nö.

Erstens habe ich bisher keine Erfahrung damit gemacht und zweitens bin ich der Meinung, dass Menschen, die freiwillig eine Seite gelikt haben, weil diese sie interessiert, unterhält und ihnen Mehrwert bietet, viel mehr wert sind, als Fans, die aufgrund einer Werbeanzeige generiert wurden.

Die meisten Facebook-Seiten habe ich übrigens aus folgenden zwei Gründen gelikt:
  • der Inhalt der Seite spricht mich an und interessiert mich oder 
  • ich bin mit dem Autoren befreundet und möchte ihn unterstützen. 
Meistens beides gleichzeitig ;-)

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Zum Weiterlesen:



Tinka Beere liebt es, in andere Welten einzutauchen, und schreibt Geschichten mit einem fantastischen Touch. Darüber hinaus begeistert sie der Austausch mit anderen Autoren, denen sie mit hilfreichen Tipps gerne zur Seite steht. 


Kommentare:

  1. Danke Tinka Beere. Für mich ist Facebook noch immer ein großes Rätsel seid mein Verlag mir gesagt hat, mach doch auch eine Seite dort. Bis jetzt hatte ich immer das Gefühl das FB ausschlißlich zum Verbreiten von niedlichen Tierviedos und Fotos von Essen besteht :D
    Aber ich arbeite mich langsam ein, da war dein Artikel schonmal eine große Hilfe.

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    1. Hallo Lisa,
      das freut mich sehr. Viel Erfolg mit deiner Seite :)

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  2. Ja, der Artikel ist wirklich gut. Bei einigen Autoren und Bloggern hat man auf Facebook durchaus das Gefühl, es ist purer Aktionismus und dann beschweren sie sich, dass alle Werbe- und Marketingstrategien angeblich nicht funktionieren. Geduld ist übrigens auch ein Faktor. ;-)

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    1. Hallo Jo,
      oh ja, Geduld ist in so ziemlich allem ein sehr großer Faktor. Marketing ist ja nicht nur pures Werben, zumindest für mich nicht, sondern die Präsenz der Persönlichkeit und das allein sollte schon neugierig auf das Buch machen. Allerdings ist das echt nicht einfach und braucht Zeit und - wie du sagst - eine Menge Geduld ^^

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  3. Hallo Tinka,

    dein Artikel ist großartig und spricht mir aus der Seele.
    Auch ich mag es nicht, von so genannten FB-Freunden permanent mit ihrer Seite belästigt zu werden und ja, ich habe auch bereits einige aus meiner Freundesliste entfernt. Ich finde es traurig, wenn FB nur zur Werbeplattform eigener Bücher degradiert wird.
    Geduld und Ausdauer zum Aufbau einer Fan-Gemeinde sind Fremdwörter.

    Du machst mir Mut, die Dinge, z. Bsp. den Aufbau einer FB-Seite, vorab gründlich zu durchdenken. Es geht mir gegen den Strich, wenn FB-Profile und FB-Seiten identisch sind. Wozu? Um dem anderen die doppelte Dosis Werbung zu verabreichen? Das Wort Mehrwert kennen einige Nutzer nicht.

    Ich teile gern deinen Beitrag, weil es von diesen noch viel zu wenig gibt.
    LG Silke

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    1. Liebe Silke,
      vielen Dank für deinen Kommentar und auch fürs Teilen.

      Leider verstehen wirklich die wenigsten, dass reines Bücherteilen kein gutes Marketing ist ...

      Es ist wirklich ein Tanz auf des Messers Schneide, was sich jetzt "privat" zu teilen lohnt und was nicht. Vor allem, da ich das Gefühl habe, dass FB erneut die Reichweite eingeschränkt hat. Da muss man wirklich schauen und kreativ werden, die Leute zum Kommentieren, Liken und Teilen animieren, ohne aufdringlich zu sein. Nicht einfach, aber machbar mit ein bisschen Geduld, Zeitaufwand und einer großen Portion Kreativität :)

      Liebe Grüße
      Tinka

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