Samstag, 18. Juni 2016

Voodoo als Inspiration

Voodoopuppen, schwarzmagische Rituale, Menschen- und Tieropfer. Das ist die Welt des Voodoo, wie sie in den Filmen von Hollywood gerne dargestellt wird - ein Grund zum Gruseln und eine wahre Fundgrube unterschiedlichster Traditionen und Rituale. Doch was hat es mit der uns fremdartigen Religion aus Westafrika auf sich? Und wie kann man die Geschichten und Mythen zum Schreiben nutzen?


Götter und Geister

Im Voodoo gibt es hunderte von Geistwesen, die von den Gläubigen angebetet werden. Trotzdem gehen Wissenschaftler laut Salm-Reifferscheidt (2011) davon aus, dass es eine gemeinsame Weltsicht der Gläubigen gibt. Es gibt einen Hochgott, der über allen anderen Gottheiten steht: Mawu-Lissa. Eigentlich handelt es sich dabei um ein Götterpaar: Mawu verkörpert die weibliche, fruchtbare Seite, die für Ruhe steht. Lissa hingegen Männlichkeit, Kriegslust und Macht. Mit diesem obersten Götterpaar kann ein Voodoo-Priester jedoch nicht direkt Kontakt aufnehmen. Dies funktioniert nur über die Vodùns. Götter, die von Mawu-Lissa erschaffen wurden und teilweise wiederum ihre eigenen Götterwelten begründet haben. Opfergaben geben den Vodùns die Energie, um Probleme der Menschen zu lösen oder ihre Wünsche an Mawu-Lissa weiterzugeben. Dabei hat jeder Gott seine eigenen Vorlieben. Die Wassergöttin Mama Wata zum Beispiel mag Limonade und Parfüm.


Herkunft und Verbreitung

Voodoo leitet sich von dem Wort Vodùn ab und bedeutet in der Sprache der Fon so viel wie Gott oder Geist. Man geht davon aus, dass Voodoo ursprünglich eine sehr friedliche Religion war, in der es um Heilung und Toleranz ging (Homosexualität usw. sind erlaubt!). Von Westafrika, hauptsächlich Benin aus verteilte sich Voodoo aufgrund des Sklavenhandels in die weite Welt. Von nun an waren die Gläubigen einer neuen Bedrohung durch Unterdrückung und Gewalt ausgesetzt, neue, kriegerischere Götter entstanden. In dieser Zeit vermischte sich der Voodoo-Glaube auch mit anderen Religionen. Die Menschen in der Sklaverei waren gezwungen, ihren Glauben abzulegen, oder zumindest gut zu verstecken. So nutzten sie christliche Symbole, um ihre eigenen Götter anzubeten. Auch heute gibt es viele Christen in Afrika und den USA, die gleichzeitig Voodoo praktizieren. Vor allem in New Orleans ist Voodoo weit verbreitet.


Rituale

Aber was wird da überhaupt praktiziert?
Im Voodoo spielt Besessenheit eine große Rolle. Dieser Zustand steht für eine tiefe Verbundenheit mit den Göttern und Geistern. Die Gläubigen versetzen sich durch Tanz zu Trommelrhythmen in Trance. Aber auch Atemtechniken, halluzinogene Stoffe oder Fasten werden als Tranceinduktion verwendet. Von einem Vodùn geritten zu werden, gilt als besondere Ehre. Der Auserwählte ist danach mit der Gottheit verbunden und wird mit der Zeit zu ihrem Medium. Während der Besessenheit kann sich die Stimmlage der Person ändern, sie wird Schmerz gegenüber unempfindlich und kann besondere Kräfte entwickeln. Besessene des Donnergottes Heviosso verbeißen sich zum Beispiel häufiger in den Hals einer geopferten Ziege (ja, Tieropfer gehören im Voodoo tatsächlich zum Glauben) und tragen das Tier über weite Strecken.

Es gibt außerdem sogenannte Fetische. Dies sind Behausungen der Götter auf Erden. In ihnen sammelt sich ihre Energie. Diesen Fetischen werden Opfer dargebracht. Sie können beispielsweise aus Holz, Ton, Knochen oder Metall hergestellt sein. Eine kleine weiße Fahne markiert Gebäude, in denen Fetische zu finden sind.

Vieles beruht im Voodoo natürlich auf dem Glauben an die Wirkung. Aber nicht alles ist reine Psychologie. Manche „Zauber“ haben eine tatsächliche Wirkung. Henning Christoph berichtete in einem Interview bei „Planet Wissen“ von einem Erlebnis in Benin: Er besuchte ein Dorf, dessen Einwohner als Schwarzmagier „verschrien“ waren. Als er dort eintraf, wurde er von dem Priester aufgefordert, einen Schnaps aus einer Flasche zu trinken, in welcher sich zwei tote Schlangen befanden. Der Mittelsmann von Herr Christoph warnte ihn, der Priester wolle ihn vergiften. Doch er trank. Dies geschah 5-mal. Beim 6. Mal sprach der Priester ihn an und sagte Herr Christoph, er sei ein ehrlicher Mann, sonst wäre er bereits tot. Tatsächlich sonderten die Schlangen Gift ab, das in Verbindung mit Adrenalin wirkt. Wäre er also nervös gewesen, hätte das Gift ihn wahrscheinlich töten können.


Wie kann ich all das zum Schreiben nutzen?

Voodoo ist eine sehr vielseitige Religion und bietet viele Inspirationen für Geschichten. Dieser Artikel ist nur sehr oberflächlich und deckt bei Weitem nicht alles ab, was die Kultur zu bieten hat. Außerdem beziehe ich mich in meinem Text nur auf die Traditionen in Benin. In Haiti und den USA haben die Götter teilweise andere Namen und es gibt andere Praktiken. Ich hoffe aber, mit meinem Artikel vielleicht ein wenig Interesse geweckt zu haben. Wenn dem so ist, schaut euch unbedingt das Interview mit Henning Christoph an.

Vielleicht seid ihr auf der Suche nach Inspiration für einen selbst kreierten Kult, der im Mittelpunkt eures Thrillers stehen soll. Wusstet ihr, dass auch Handys und andere moderne Gegenstände im Voodoo heute als Fetisch dienen können?

Ihr wisst nicht, wie es mit eurem Bösewicht oder Helden weitergehen soll? Manche Götter im Voodoo waren mal Menschen und wurden nach dem Tod zu einem göttlichen Wesen. Das könnte doch eine interessante Option für eine Fortsetzung sein?

Vielleicht lasst ihr euch einfach von der Vielfalt dieser Kultur zu ganz eigenen Kreationen inspirieren.

Weitere Infos und wunderbare Bilder findet ihr unter anderem in dem Buch von Ann-Christin Woehrl und Laura Salm-Reifferscheidt „Voodoo, Leben mit Göttern und Heilern in Benin“. Daher stammen auch die meisten Informationen in meinem Artikel.

Quellen:
Laura Salm-Reifferscheidt & Ann-Christine Woehrls (2011). Voodoo: Leben mit Göttern und Heilern in Benin.

Planet Wissen - Was ist Voodoo. 

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Zum Weiterlesen:


Sabrina bloggt außerdem auf sabi-writing-whatever.com



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