Samstag, 28. Mai 2016

Eine kunstgeschichtliche Reise #2: Klöster


Willkommen zurück auf meiner kunstgeschichtlichen Reise. Beim letzten Mal habe ich euch die Kirche auf eine literarische Weise näher gebracht. Die Kirche ist auch ein Bestandteil meines heutigen Themas. Ich nehme euch mit ins Kloster und zeige euch zwei Rollen auf, die dieses Bauwerk in euren Geschichten übernehmen könnte. In diesem Artikel beziehe ich meine Ausführungen auf die Klöster der westlichen Welt und lasse buddhistische und hinduistische Klöster außen vor. Es würde einfach den Rahmen sprengen. 


Der St. Gallener Idealplan


[Bildquelle: http://an-und-bemerkungen.blogspot.de/2011/04/bier-46-schutzengarten-st-galler.html]

Schon im frühen Mittelalter entstanden Klöster, in denen das monastische Leben praktiziert wurde. Auch wenn es einige unterschiedliche Ordensgemeinschaften gibt, so hat sich der Aufbau des Klosters seit dem Mittelalter bewahrt. Dieser sogenannte Idealplan gilt als die früheste Darstellung eines Klosterbezirks im Mittelalter und stammt aus Mitte des 9. Jahrhunderts. Er entstand vermutlich im Kloster Reichenau und befindet sich heute in der Stiftsbibliothek in St. Gallen.

Der Klosterplan zeigt Grundrisse von rund fünfzig Gebäuden, deren Namen und Funktionen ebenfalls beschrieben sind. Wenn ihr für eure Geschichte den Aufbau eines Klosters benötigt, dann beschäftigt euch am besten mit diesem Plan. Dann habt ihr alles, was ihr benötigt, außerdem hat dieser Plan auch heute noch seine Gültigkeit. Euch ist sicher schon bei einem Klosterbesuch aufgefallen, dass die sich alle irgendwie ähneln und das kommt nicht von ungefähr.


1. Begriff klären


Bei den Begrifflichkeiten gibt es für euch kaum Probleme. Ein Kloster ist ein Kloster und beinhaltet immer eine Klosterkirche und einen Klostergarten. Das Einzige, was ihr recherchieren müsstet sind die einzelnen Fachbegriffe zu den restlichen Bestandteilen des Klosters, wie zum Beispiel die Klausur, der Kreuzgang oder das Refektorium.


2. Rolle des Klosters


In eurer Geschichte könnte ein Kloster einfach als Fleck in der Landschaft auftauchen, dann braucht ihr es natürlich nicht genauer beschreiben. Spielt das Kloster eine größere Rolle in der Story, dann benötigt es ein bisschen mehr eurer Aufmerksamkeit. Meistens müsst ihr nicht das komplette Bauwerk beschreiben. Details, wie z.B. ein einzelner Raum oder der Altar der Klosterkirche, die für euch und eure Geschichte relevant sind, könnt ihr dann ausführlicher beleuchten. Das wäre der Fall, wenn etwas vom Altar gestohlen wurde, oder euer Charakter an einem Konzert in einem der Klosterräume teilnimmt.


3. Grundaufbau und Bestandteile


Wie oben bereits erwähnt, hat ein Kloster typische Bestandteile, die in der Mehrzahl der Anlagen zu finden ist (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Das größte Gebäude eines Klosters ist die Klosterkirche (Artikel zum Thema Kirche findest du HIER), an die sich Skriptorium (Schreibstube), Sakristei (Lagerraum für Dinge, die für den Gottesdienst benötigt werden) und eine Unterkunft für Gastmönche anschließen. Es folgt die um einen quadratischen Kreuzgang (Innenhof/Galerie) gruppierten Klausur (nur für Ordensmitglieder), dem Bereich der Mönche mit Dormitorium (Schlafsaal), Refektorium (Speisesaal), Latrinenanlagen, Waschraum, Küche, Back- und Brauhaus. Im Plan aus St. Gallen sind ebenfalls ein Gästehaus, die Pfalz des Abtes, Hospital und ein Novizenhaus, und zahlreiche Wirtschaftsbauten und Handwerksbetriebe sowie Gartenanlagen, Zäune, Mauern und Wege eingezeichnet. Die Gebäude könnten mehr als 100 Mönchen und rund 200 Arbeitern und Dienern Platz bieten.

Ein Kloster ist meist einer Ordensgemeinschaft zugeordnet. Monastische Orden sind etwa Benediktiner, Zisterzienser, Trappisten, Kartäuser sowie die Karmelitinnen und die Klarissen. Diese Gemeinschaften leben abgeschottet und in Klausur. Sie verlassen diese Mauern nicht. Ordensleute, die auch, aber nicht ausschließlich in Klöstern leben und kein streng monastisches Leben führen, sind die Bettelorden, wie zum Beispiel die Franziskaner, Dominikaner und Prämonstratenser. Jede dieser Ordensgemeinschaften hat ihre eigenen Ordensregeln und führt ein geistliches Leben in Gemeinschaft.

An dieser Stelle verweise ich auf diverse Literatur und Internetseiten, wo ihr weitere Informationen über Klöster, das dortige Leben oder über einzelne Ordensgemeinschaften findet. Letztere werden erst dann relevant, wenn eure Geschichte in einem Kloster spielt (zum Beispiel im Mittelalter) oder wenn einer der Charaktere dieser Gemeinschaft angehört.


4. Am Rande des Geschehens


Sieht euer Charakter ein Kloster nur aus der Ferne, bzw. läuft er einfach nur daran vorbei und hat eigentlich ein anderes Ziel vor Augen, dann reicht es vollkommen es auch nur als Kloster zu bezeichnen. Die Leser wissen was damit gemeint ist. Hier gebe ich euch nun ein Beispiel, wie es aussehen kann, wenn das Kloster Teil des Geschehens ist, aber (noch) kein Schwerpunkt darauf liegt. Ich habe das Kloster Maulbronn gewählt. Zum einen war ich selbst schon einmal dort, zum anderen ist es eines der UNESCO Weltkulturerbe und es kommt dem Idealplan relativ nahe.

Endlich war er angekommen. Vor ihm lag der Ort Maulbronn mit seinem kulturellen Schatz, dem Kloster. Die mittelalterliche Anlage lag samt Kloster- und Wirtschaftsgebäude idyllisch zwischen saftig grünen Weinbergen und dem geschwungenen Flusslauf. Es wirkte wie eine kleine Stadt für sich. Religiöse, sowie weltliche Bauten, waren von einer starken Mauer umschlossen. Dort unten war sein Ziel. Seine Reise durch das württembergische Land fand hier vorerst ihr Ende.

[Bildquelle: https://weinkultur.wordpress.com/weinmesse/kloster-maulbronn/]

Mehr ist für diese kurze Szene nicht nötig. Der Leser erfährt, dass das Kloster in einem Tal am Fluss liegt und ein sehr großer mittelalterlicher Komplex sein muss. Des Weiteren wird klar, wo sich Maulbronn befindet und dass es keine große Stadt zu sein scheint. Wenn ihr irgendwo ankommt, beginnt ihr sicher auch nicht, euch gleich ganze Details anzusehen, bzw. sind viele aus der Ferne ja gar nicht zu erkennen. So lauft ihr auch nicht Gefahr den Leser mit zu vielen Informationen zu überfordern.


5. Aufbau und Bestandteile


Um euch den Unterschied deutlich zu machen, bleibe ich wieder bei der selben Geschichte und dem selben Schauplatz. Ich gebe dem Herren einfach den Namen Daniel. Was Daniel in Maulbronn will, erfahrt ihr in Punkt sieben.


6. Einordnung in die Geschichte


Im Verlauf der Geschichte wird die Rolle des Klosters natürlich noch viel bedeutender, zumindest in meinem Beispiel. Je mehr eine Rolle wächst, desto mehr Details kommen zum Vorschein. Wie sehr ihr ins Detail gehen wollt, ist natürlich wieder Geschmackssache.


7. Objekt ausführlich beschreiben und in die Szene einbauen

Daniel ist auf der Suche nach einem alten Manuskript. Es beinhaltet wertvolle Musiknoten für eine Laute. Diese Laute soll die Macht haben, Zeitsprünge zu ermöglichen – vorausgesetzt man spielt die richtige Tonfolge. Daniel gehört zu einer Organisation, die verhindern will, dass Noten und Instrument in falsche Hände geraten. Die Laute und einen Plan vom Kloster hat er schon.

Daniel parkte den Wagen auf einen der Parkplätze am Rande der Klostermauern. Er warf einen Blick auf die Uhr. Kurz vor neun Uhr. Das Kloster öffnete jeden Augenblick seine Pforten. Er traf kaum eine Menschenseele, als er sich auf den Weg ins Kloster machte. Zielstrebig ging er an den vielen Fachwerkbauten vorbei und kaufte sich eine Eintrittskarte. Von der Verkäuferin bekam er einen Flyer und einen Plan vom Kloster. Den brauchte er allerdings nicht. Er hatte seinen eigenen dabei, aber das brauchte die nette Dame nicht zu wissen. Daniel verabschiedete sich und ging über den großen Hof, vorbei an einem Brunnen zum eigentlichen Klosterbereich. Mit seinem großen Rucksack drängte er sich durch das Drehkreuz und schlenderte durch die ersten Klosterräume. Er hatte zwar nicht unbegrenzt Zeit, doch wollte er nicht durch eine hektisches und stressiges Verhalten auffallen. Dies passte so gar nicht in diese Mauern. Also warf er einen Blick in das ehemalige Cellarium, welches heute als Ausstellungsraum genutzt wurde, um wertvolle Bauteile und Kunstwerke des Klosters zu zeigen.
„Wirklich nett gemacht“, murmelte Daniel vor sich hin, sparte sich jedoch die genauen Beschreibungen zu lesen. Schließlich wollte er hier weg sein, bevor die ersten Busse Touristenmassen ausspuckten. Als er den Kreuzgang betrat, nahm er den historischen Plan des Klosters aus seinem Rucksack. Dieser lag gemeinsam mit einem Brief geborgen in einer Ledermappe. Beide Schriftstücke stammen von einem Mönch, der hier im 18. Jahrhundert gelebt und gelehrt hatte. Aus einem noch unbekannten Grund hatte dieser Mönch um die Besonderheit der Laute gewusst und Noten und Instrument von einander getrennt. Die Noten waren hier im Kapitelsaal des Klosters versteckt. Dieses befand sich gleich hinter der Klosterkirche. Gegen den Uhrzeigersinn ging Daniel durch den Kreuzgang. Einige Sonnenstrahlen fanden den Weg durch die mit Säulen verzierten Spitzbogenfenster und erhellten den ansonsten recht düster wirkenden Gang. Im Augenblick war er noch der Einzige hier. Seine Schritte hallten im steinernen Gang nach. Noch ein weiterer Blick auf die Karte, dann blieb er stehen.
„Wow!“ Er trat durch zwei Spitzbogenöffnungen in den Kapitelsaal. Ein Schild mit einer kurzen Beschreibung, zeigte ihm, dass er richtig war. Drei Rundpfeiler trugen das gotische Sternengewölbe. Eigentlich war der Raum nicht wirklich ein geschlossenes Gebilde. Große Maßwerkfenster öffnen den Raum zum östlichen Kreuzgang hin, sodass man bis zum Brunnenhaus auf der anderen Seite blicken konnte.
„Hm ... “ Auch wenn Daniel sehr beeindruckt war, ärgerte er sich, dass man ihn so viel leichter beobachten konnte. Doch darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen, auch nicht auf sein schlechtes Gewissen in einer religiösen Stätte herumzuschnüffeln. Er warf nochmals einen Blick auf die Karte. Es war ein Kreuz darauf verzeichnet. Eigentlich hatte er damit gerechnet, eine ganze Weile suchen zu müssen, aber laut dem Kreuz waren die Noten im Kapellenerker versteckt. Dieser war nicht nur mit farbigen Glasfenstern ausgestattet, sondern besaß, wie der Rest des Saales steinerne Bänke, auf denen die Mönche einst saßen und Recht sprachen. Daniel inspizierte den Erker. Die Noten konnten sich nur unter dem steinernen Boden befinden. Vielleicht gab es dort eine Art Hohlraum. Mit einer Taschenlampe sah sich Daniel jeden Stein und jede Fuge genau an. Nichts wies jedoch darauf hin, dass einer der Steine lose und schon mal entfernt worden war. Daniel hoffte inständig, dass man im Laufe der Jahrhunderte keine großen Veränderungen oder Sanierungen vorgenommen und den kleinen Schatz gefunden hatte. Das würde die Suche sehr erschweren.
„Kann ich Ihnen helfen?“ Daniel zuckte zusammen, als er plötzlich eine tiefe männliche Stimme hinter sich hörte. Er wollte aufspringen, stieß sich jedoch an der Steinbank den Kopf und sank auf seine Knien zurück.
….


In diesem Teil begleiten wir Daniel ins Kloster. Am Rande werden einige Dinge erwähnt, die man dort vorfindet. Die Beschreibungen werden jedoch erst im Kapitelsaal genauer. Es soll zeigen, wie der Raum gestaltet ist und wo genau sich das Versteck befinden soll. Außerdem treten durch die Gestaltung des Raumes Probleme für Daniel auf. Er ist nicht ganz unbeobachtet, da der Raum sehr offen gestaltet wurde. Es liegt wieder in eurem Ermessen und eurem Geschmack, wie sehr ihr ins Detail gehen wollt, ob ihr die Steine noch beschreiben wollt, oder den feuchten modrigen Geruch. Ich hoffe ich konnte euch mit den zwei Beispiel die Steigerung in der Beschreibung deutlich machen.


8. Einbau in die Geschichte und Vorlage bei Betalesern

Schickt eure Szene an andere Leser weiter. Ihr könnt ihnen auch Fotos vom Kloster/Kapitelsaal zeigen. Dann können sie euch sagen, ob eure Beschreibungen ausreichen oder ob ihr sie noch etwas mehr ausbauen solltet.

ANMERKUNG:
Die Beispiele im letzten, in diesem und in den folgenden Artikel(n) stammen allein von mir. Ähnlichkeiten mit anderen Geschichten sind nicht beabsichtigt und rein zufällig. Sie sind mein geistiges Eigentum. Gefällt euch allerdings eine Storyidee und ihr wollt sie ausbauen, dann wendet euch bitte an mich. Danke!


Schreibaufgabe:

Sucht euch ein Kloster aus und übt das Beschreiben ein wenig. Versucht euch, in euren Beschreibungen immer etwas mehr ins Detail zu steigern. Viel Spaß!


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Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger !


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