Mittwoch, 6. April 2016

Über die Monster: Von den Zombies

Willkommen zu meiner neuen Reihe „Über die Monster“. Ich werde in dieser die beliebtesten Arten von dunklen, finsteren Wesen aus der Phantastik vorstellen, ihre Funktionen für eure Geschichte diskutieren und auf diese Art versuchen, euch neue Sichtweisen auf Zombies, Mumien, Dämonen und Co. näherzubringen. 


Mit den Zombies beginne ich die Reihe, weil ich sie einfach liebe und sehr praktisch finde - warum das so ist, erkläre ich natürlich noch. Zombies kann man gut in zwei verschiedene Hauptgruppen einteilen, die ich als „natürliche“ und „mystische“ Zombies bezeichne und die wiederum jeweils zwei Untergruppen haben.

„Natürliche“ Zombies sind diejenigen, die auf mehr oder wenige natürliche Weise entstehen, also durch Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten, Chemikalien und was es sonst noch so Schönes auf weiter Flur gibt. Die „natürlichen“ Zombies kann man wiederum in„Renner“ und „Schlurfer“ einteilen.

Die „Renner“ sind die flinken Gesellen, die man zum Beispiel aus Filmen wie „28“ kennt und die an einer tollwutartigen Krankheit leiden. Das bedeutet wiederum, dass sie zwar so einfach zu töten sind wie ein normaler Mensch auch, dafür jedoch eine rudimentäre Intelligenz besitzen, die es ihnen beispielsweise erlaubt, Türen zu öffnen und Leitern zu klettern. Bei ihnen handelt es sich nicht um Wesen, die bereits einmal gestorben sind und wiederbelebt wurden.

Die „Schlurfer“ sind dagegen das wandelnde fleischfressende Gemüse, das man aus Serien wie „The Walking Dead“ kennt. Doof wie ein Sack Kartoffeln, aber genauso schwer zu töten. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, liegt in ihrer schieren Masse und dass sie nie ermüden oder auf natürliche Weise sterben, was den „Rennern“ zwangsweise irgendwann blüht.

„Mystische“ Zombies werden auf magische bzw. übernatürliche Art erschaffen. Hier haben wir zum einen die magisch Kontrollierten und zum anderen die Besessenen.

Die magisch kotrollierten Zombies werden von einem Magier (Nekromant) oder übernatürlichem Wesen beherrscht. Es funktioniert wie eine Art Fernsteuerung, sodass die Zombies ungefähr den Willen ihres Meisters befolgen, aber dabei keine komplexen Handlungen vollführen können, wenn der Beherrschende nicht gerade seine Konzentration darauf richtet. Das kann aber wiederum dazu führen, dass der Rest der Horde nicht ganz rund läuft.

Die Besessenen sind Leichen oder Lebende, die von Wesen wie Geistern oder Dämonen besessen sind und deren Willen ausführen. Diese Art von Zombies ist logischerweise die intelligenteste und hat somit meiner Meinung nach das höchste Gefahrenpotenzial, was nicht nur an ihrer Fähigkeit, komplexe Handlungen auszuführen, liegt, sondern auch daran, dass sie das Verhalten der Wirte imitieren und somit die Nicht-Besessenen täuschen können.

Und damit sind wir auch schon bei den Dingen, die Zombies für eure Geschichten tun. Sie liefern einen inneren Konflikt für jeden eurer Charaktere frei Haus. Jeder Handelnde in eurer Geschichte muss mit sich selbst ausmachen, wie er damit umgeht, dass seine früheren Mitmenschen ihn nun fressen wollen. Besonders gut könnt ihr damit spielen, wenn ihr einem Charakter eine nahestehende oder geliebte Person vorsetzt, die er töten muss, wenn er nicht vernascht werden will. Dasselbe Spiel funktioniert natürlich auch andersrum, wenn eure Perspektivfigur dem verhassten zombifizierten Chef eine vor den Latz knallen darf.

Man darf nie vergessen, dass das Schreckenspotenzial von Zombies nicht in ihnen selbst liegt, sondern darin, wie die Charaktere in eurer Geschichte mit ihnen umgehen müssen und was im Kopf der Leser vorgeht. Es ist die Angst davor, von seinen Geliebten gefressen zu werden bzw. jene aus Notwehr töten zu müssen oder selbst zum Zombie zu werden und seine Freunde und Angehörigen zu töten. Das allgemeine Unbehagen zum Thema Kannibalismus spielt hier selbstredend auch mit rein. Wenn man möchte, kann man in den Zombies auch eine Kritik an unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft sehen - muss man aber auch nicht ;-)

Der Nachteil an Zombies ist, dass sie nicht alleine als Antagonisten für eure Geschichten funktionieren, da sie schnell zu einfach und berechenbar werden, den Leser also langweilen. Es muss eine Macht hinter oder neben ihnen geben, die den eigentlich Kern der Bedrohung ausmacht. Das kann entweder ein finsterer Magier oder Dämon sein; oder eine andere Fraktion im Sinne einer Gruppe von Überlebenden oder so etwas wie die Umbrella Corporation bei Resident Evil.

Alternative Zombieszenarien könnten zum Beispiel sein, dass die „Guten“ Zombies einsetzen, um eine andere, schlimmere Bedrohung auszumerzen oder dass tatsächlich ein Gegenmittel gefunden wird, dass die Zombifizierung rückgängig macht. Der ehemalige Zombieschlächter und Held wird zum Ausgestoßenen und muss sich für seine voreiligen Taten vor sich selbst und der Gesellschaft rechtfertigen.

Skeptisch bin ich bei Geschichten, in denen „natürliche“ Zombies die Protagonisten sind, da sie nur reagieren können. Jedoch könnte es ganz amüsant sein, die Welt aus den Augen eines Dämons zu sehen, der einen menschlichen Körper übernommen hat und unsere Gesellschaft infiltrieren will.

Aufgabe: Schreibt eine Zombiekurzgeschichte mit einem Zombie als Protagonisten.

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Ben bloggt außerdem auf Cheshirepunks Welt


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