Mittwoch, 23. März 2016

Kunst- und Architekturbeschreibungen – oder das Problem mit der Quantität

Wie der Titel schon erahnen lässt, startet heute meine neue Beitragsreihe. Dieses Mal habe ich mich mit dem Thema Kunst und Architektur in Geschichten auseinandergesetzt. Nachdem ich dies bei meiner Bachelorarbeit in Kunstgeschichte auf wissenschaftlicher Ebene zu Genüge getan habe, ist nun der kreative Teil an der Reihe.
 




 Sicher kennst du mindestens eine der folgenden Fragen: 
Was soll ich genau beschreiben? 
Was ist am jeweiligen Bau- und Kunstwerk wichtig? 
Wann ist eine ausführlichere Beschreibung notwendig? Warum ist sie überhaupt notwendig? 
Wie kann so eine Beschreibung aussehen?
 

In dieser neuen Artikelreihe werde ich versuchen, dir zu helfen und einige Anregungen mit auf dem Weg zu geben. Als Eerstes werde ich dir vier Beschreibungsarten vorstellen, welche dir helfen können, deine Szene oder Geschichte besser einzuschätzen und einzuordnen. In den folgenden Artikeln werde ich mit dir gemeinsam die wesentlichen Arten aus Architektur und Kunst durchgehen. Aber vorerst beschäftigen wir uns mit der Beschreibung solcher Dinge im Allgemeinen.
 

Die ausführliche Beschreibung

Deine Beschreibung sollte etwas ausführlicher ausfallen, wenn ein Gebäude oder ein Gegenstand eine große Rolle in deiner Geschichte spielt. Stell dir einfach mal vor, ein Archäologe würde ein antikes Artefakt finden und es unbeschrieben und geheimnisvoll in seiner Tasche verschwinden lassen. Da wäre es hilfreich, wenn der Leser wüsste, dass dieses Artefakt eine alte Stadtkarte enthält, die zu einem geheimen Tunnelsystem unter der Stadt führt. Es ist ratsam, bei solchen wichtigen Gegenständen ein paar mehr Worte zu investieren. Sie sind wichtig für die Geschichte. Außerdem würdest du doch sicher nicht so ein seltenes Relikt, ohne es eines Blickes zu würdigen, verschwinden lassen!?

Ein anderes Beispiel bezieht sich auf die Architektur. Dein Horror-Roman spielt in einem alten Herrenhaus. Es erwacht zum Leben und jagt deinen Protagonisten durch alte, knarzende und dunkle Gänge. Tobe dich aus! Beschreibe, in welch einem Albtraum sich dein Protagonist befindet. Dabei beginnt es schon bei der Begriffsbestimmung. Der Leser sollte zumindest wissen, ob er sich mit der Hauptfigur in einer alten Burg, Schloss oder eben einem Herrenhaus befindet. Vieles kann man assoziieren, aber um eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen, ist es nur von Vorteil, wenn du etwas ausführlicher beschreibst: wie zum Beispiel den schaurig knarzende Schaukelstuhl, auf dem allerdings niemand sitzt, die alte Öllampe, welche ein paar Mal flackert und dann erlischt, oder die blutigen Kinderhände, welche den Treppenaufgang säumen. 

Was relevant für deine Geschichte ist, das beschreibe auch.

 

Die partiellen ausführlichen Beschreibungen

Diese sind dann von Nöten, wenn nur ein bestimmter Bestandteil wichtig ist. Dies bezieht sich zum einen auf eine bestimmte Situation oder zum anderen auf ein Fokusobjekt. Es ist etwas, was für einen Augenblick deine Aufmerksamkeit fordert.

Bleiben wir bei dem Horrorhaus: Das Porträt über dem Bett könnte ein solches Objekt sein. Es ist eigentlich nur Teil des Inventars, welches dein Protagonist einfach als Gemälde bei der Zimmererkundung beschrieben hat. Doch nun fühlt dein Protagonist sich beobachtet, schaltet das Licht ein und schaut sich im Zimmer um. Dabei bleibt er am Gemälde hängen. Es ist ein Porträt, dessen Augen ihm folgen. An dieser Stelle liegt die Aufmerksamkeit des Protagonisten vollkommen auf dem Bild und du solltest es genauer beschreiben. Dabei ist es nicht von Nöten, jeden Pinselstrich zu beschreiben, aber die Art des Gemäldes und was darauf zu sehen ist, scheint in dieser Szene doch relevant zu sein.
 

Die groben Beschreibungen

Das sind all jene Beschreibungen der Umgebung deines Protagonisten: in der Stadt, auf dem Land, im Zug oder ist er zu Fuß in einer Berglandschaft unterwegs? Es handelt sich um Weg- oder kurze Ortsbeschreibungen. Es ist nicht wichtig, welche Gardinen an den Fenstern hängen oder an welche Haltestellen deine Hauptfigur auf dem Weg zur Arbeit passiert. Du musst auch nicht jeden Grashalm beschreiben.

Du kannst es dir wie folgt vorstellen: Dein Protagonist ist auf dem Weg zu einem Rendezvous. Es ist egal, ob privat oder geschäftlich. Der Leser interessiert sich eigentlich nur dafür, was bei diesem Treffen passiert und nicht dafür, an wie vielen Fast-Food-Ketten oder Fachwerkgebäuden er vorbeiläuft. Wichtig ist herbei nur, dass der Leser weiß, wo sich der Protagonist befindet, ob es eine große Stadt ist, eine historische Kleinstadt oder ein kleines Dorf auf dem Lande. Meistens assoziiert der Leser automatische bildliche Eindrücke. Wird der Ort, das Gebäude oder der Gegenstand für die Geschichte wichtig, solltest du auf die oben genannten Beschreibungsarten zurückgreifen.
 

Die einfachen Ortsbenennungen

Sie sind ähnlich zu behandeln wie die groben Beschreibungen. Spielt deine Geschichte an einen für den Leser allgemein bekannten Ort (zum Beispiel in Paris, London oder Berlin), dann sieh doch bitte von seitenlangen Beschreibungen des Eiffelturmes ab, der Leser kennt diesen schließlich. Meistens hat man eine Vorstellung von der Architektur und der Wirkung einer Stadt. Ausnahmen gibt es natürlich auch. Den Eiffelturm solltet ihr dann genauer beschreiben, wenn er durch eine Naturkatastrophe zum Beispiel total zerstört oder voller exotischer Pflanzen bewachsen ist.

Bleiben wir in Paris und wenden uns der Mona Lisa zu. Eigentlich ist zu erwarten, dass jeder weiß, wie dieses Gemälde ausschaut. Wenn es aus dem Louvre gestohlen wird, musst du ihn nicht extra beschreiben. Es genügt, wenn du den Namen erwähnst. Sollte jedoch eine geheime Nachricht irgendwo auf dem Gemälde enthalten sein, dann lohnt es sich, einen intensiveren Blick darauf zu werfen. Oder wenn es sich um eine Fälschung handelt, sollte man dem Leser schon bewusst machen, was anders ist.

Ansonsten stören aufwendige Beschreibungen nur den Lesefluss. Handelt es sich also um für die Allgemeinheit bekannte Orte oder Objekte, dann genügte der Name. Glaub mir, der Leser kann sich mehr vorstellen, als du vielleicht denkst.
 

Und was hat das nun mit Quantität zu tun?

Ganz einfach: Es ist wie immer. Weniger ist mehr!

Wir alle haben eine gewisse Vorstellungskraft und die solltest du deinen Lesern auch lassen. Kunst- und Architekturbeschreibungen sind da ähnlich zu behandeln wie alle anderen Beschreibungen auch (Personen, Umgebungen usw.). Ist es für deine Geschichte wichtig und willst du deinen Leser auf etwas Bestimmtes aufmerksam machen, dann kann eine eingehendere Beschreibung hilfreich sein. Auch wenn du dich hier nicht knapp halten musst, so sei dir bewusst, dass keiner (auch du selbst nicht) seitenlange Beschreibungen eines einzigen Gegenstandes lesen will. Meiner Meinung nach ist das Bestandteil wissenschaftlicher Arbeiten und hat in der Unterhaltungslektüre nichts zu suchen.
 

Schreibaufgabe:

Nimm dir eines deiner Projekte und untersuche es eingehender. Auf welche Beschreibungsart hast du zurückgegriffen? Auch wenn du damit zufrieden bist, nimm dir die Szene, baue sie aus oder streiche etwas. Empfindest du einen Unterschied? 



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Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger

Kommentare:

  1. Fast wichtiger als die genaue Beschreibung finde ich die Haltung der Protagonistin zu dem beschriebenen Objekt. Wie du ganz richtig schreibst, wird die Protagonistin auf dem Weg zu einem Treffen nicht jede Supermarktkette benennen, an der sie vorbeikommt. Wahrscheinlich wird sie sie höchstens bemerken, wenn sie noch Einkäufe erledigen muss, sich eine Gedankennotiz machen und weiterhasten.
    Aber genauso unwahrscheinlich ist, dass sie beim Anblick des Gruselschlosses feststellt, dass es sich im Kern um einen Renaissancebau mit späteren Hinzufügungen aus dem Rokoko handelt, dessen Eingangsbereich in den 1930ern im Bauhausstil neu gestaltet wurde - jedenfalls nicht, wenn sie nicht Architektin, Kunsthistorikerin ist oder eine Maklerin, die es möglichst gewinnbringend verkaufen soll. Wahrscheinlicher ist, dass sie darin einen alten Kasten sieht, für den man ein halbes Heer braucht, um ihn sauber zu halten. Oder ein an sich ganz romantisches Schlösschen sieht, bei dem der Eingang leider fürchterlich verschandelt wurde. Alternativ wäre auch das genaue Gegenteil möglich: Ein olles Ungetüm, bei dem nur der Eingangsbereich halbwegs modernen Standarts genügt.
    Indem man die Umgebung durch die (aktuelle) Brille der Protagonistin schildert, umgeht man auch das Problem die Handlung zu sehr auszubremsen, weil man nicht nur Informationen über das Objekt gibt, sondern auch Einblicke in den Charakter der Prota, so dass die Beschreibungen deutlich spannender werden.

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  2. Dem habe ich nichts weiter hinzuzufügen. Deinen Standpunkt finde ich gut und freue mich, dass du es angesprochen hast, da ich es ja nicht genau angemerkt habe.

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  3. Dem habe ich nichts weiter hinzuzufügen. Deinen Standpunkt finde ich gut und freue mich, dass du es angesprochen hast, da ich es ja nicht genau angemerkt habe.

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