Mittwoch, 3. Februar 2016

Traumreich: von den Traumarten




 „Ein Traum ist erst dann ein Traum, wenn wir aus ihm erwachen. […] Es ist ein Ausdruck unseres Selbst im Schlaf – unsere ganz eigene Schöpfung, es gibt wenig Einfluss von außen.“* Jedes Mal, wenn ich aus dem Schlaf erwache, weiß ich, dass ich wieder geträumt habe. Oft erinnere ich mich ziemlich gut daran. Jedoch wünschte ich ab und an, ich würde die Traumgegebenheiten wieder vergessen. So viel wirres Zeugs. Ich habe keine Ahnung, wo mein Gehirn das alles hernimmt. Nichtsdestotrotz entdecke ich immer wieder einige Dinge oder Situationen, die ich aus meinem wachen Leben erkenne. Aus meinen Träumen könnte ich eine Menge Geschichten formen. Sie bieten gute Grundlagen für jedwede literarische Form. Einige meiner Träume haben so einen bleibenden Eindruck hinterlassen, dass ich Gedichte darüber verfasst habe.
 

Auch du findest sicher eine Möglichkeit, deinen eigenen Träume Ausdruck zu verleihen. Ob du Träume nun für einen kleinen Ausflug in die Lyrik benutzt, einen Roman darauf aufbaust oder einen Traum einfach als Mittel zum Zweck verwendest, ist ganz deiner Phantasie überlassen. Recht einfach scheint der Traum als Mittel zum Zweck anwendbar zu sein. Dein Charakter kann in einem Traum zukünftige Ereignisse sehen, eine schreckliche Nacht in einem Albtraum verbringen oder im strahlenden Sonnenschein von seinem Schwarm träumen. Dir sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings solltest du auf die jeweiligen Eigenheiten der Traumarten achten, damit sie glaubwürdig und nachvollziehbar für den Leser sind.

Dieser Artikel soll dir ein paar Möglichkeiten aufzeigen. Durch die unterschiedlichen Traumarten, lassen sich verschiedenste Situationen meistern oder ein und dasselbe Thema in diversen Träumen umsetzen.Ich werde dir die einzelnen Arten vorstellen und selbst ein Anwendungsbeispiel bringen. Ich wende immer ein und dasselbe Thema an, damit die Varianten der Träume besser zum Vorschein kommen. 




  Eine der bekanntesten Traumarten ist der Albtraum.


Aus einem Albtraum erwachst du voller Angst, bist erregt und hast Probleme, dich zu orientieren. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Albträumen: 1) Träume, in denen du dich mit mit heftigen Ängsten auseinandersetzt (nightmares), und 2) den posttraumatische Wiederholungstraum (nightterrors). In beiden kannst du die Emotionen nicht verträumen, d.h. du hast noch am morgen, nach dem Aufwachen damit zu kämpfen. Albträume treten dann auf, wenn die ihnen zugehörigen Emotionen vom Traum nicht verarbeitet werden können. Als Ursachen können unverarbeitete Tagesgeschehen sein, ebenso traumatische oder traumatisierende Erlebnisse, Stress oder psychische Probleme, aber auch physische Komponenten.

Eine Frau (Emma) ist an Krebs erkrankt und hat schon einige Behandlungen hinter sich gebracht. Sie klagt häufig über Albträume, die immer wieder kehren: „Ich gehe einen schmalen langen Weg entlang. Es ist ziemlich dunkel. Ich kann kaum etwas erkennen, nur eine Tür, die ich erreichen muss. Sie ist offen. Auf der anderen Seite ist es hell, weniger unheimlich. Auch wenn ich mich anstrenge, komme ich kaum voran. Die Tür scheint nicht näherzukommen. Ich höre ständig diese Geräusche aus dem Krankenhaus: das Piepen der Gerätschaften und Stimmen, die ich nicht verstehe. Ich weiß, dass ich diese Tür erreichen muss. Dann würde alles besser werden. Jedoch komme ich nie an. Irgendwann schließt sich die Tür und ich wache auf – außer Atem und voller Angst.“

Bei der Beschreibung eines Albtraumes ist es wichtig, dass du Bilder entwickelst, die der Person in irgendeiner Form Angst machen oder sie aufregen. Sie sind Sinnbilder für Dinge, welche die Person m wachen Leben sehr beschäftigen. So auch bei unserer Emma. Sie weiß, dass sie bei der Behandlung ihrer Krankheit noch einen langen Weg zu gehen hat, viel Kraft aufbringen und womöglich auch einige Zeit im Krankenhaus verbringen muss. Die Tür ist ein Sinnbild für die Heilung und ein besseres Leben, wenn Emma erst diese Schwelle passiert hat. Ihre Angst, nicht geheilt werden zu können, verschafft ihr diesen Traum, dieses gesunde Leben niemals erreichen zu können.


Auch in der wachen Welt kann dich eine Art Traum ereilen. Der Tagtraum gibt dir das Gefühl, dass eine Anmutung im inneren vorbeizieht, ein Gefühl oder ein Gedanke. Meist geht diese Anmutung mit der Veränderung deiner Stimmung einher. Dein Gemüt verdüstert sich vorübergehend oder die inneren Gedanken und Bilder erheitern dich. Diese Phantasievorstellungen kannst du steuern oder absichtlich herbeiführen. Sie können allerdings auch auftreten, wenn deine Aufmerksamkeit und die Konzentration nachlässt. Die Einflüsse der äußeren Welt gelangen dabei in den Hintergrund.

Emma sitzt in der Caféteria im Krankenhaus. Sie war bei einer Nachsorgeuntersuchung. Soweit ist alles in Ordnung. In Gedanken versunken rührt sie in ihrem Tee herum. Angenehm warme Sonnenstrahlen fallen durch die große Fensterfront. Es ist Frühling. Emma denkt an ihre Kinder. Sie werden sicher mit ihrem Vater irgendwo herumtollen. Sie selbst kann es vorerst nicht mehr. Ihr Körper lässt es im Augenblick nicht zu. Trotzdem formen ihre Lippen ein Lächeln. Sie seufzt. Beinahe ist es so, als könne sie das Lachen ihrer Kinder hören und sie draußen vor dem Glas auf der Terrasse spielen sehen. „Emma?“ Sie schreckt auf und wendet sich der Stimme zu. „Hallo Schatz.“ Ihr Mann steht vor ihr, in der Hand einen Blumenstrauß. „Du warst aber gerade weit weg mit deinen Gedanken!“ …

Ein Tagtraum kann dich eigentlich an allen Orten ereilen. So banal er manchmal auch scheint, so muss du ihn schon auf Sorgen oder Sehnsüchte deines Charakters abstimmen.
 

Wichtige Träume treten sehr häufig an Lebensübergängen auf. Sie werden Initialträume genannt. Du kannst sie vor großen Veränderungen oder in Krisen träumen. Durch deinen aufgewühlten Geist erinnerst du dich an deine Träume besser. Psychologen kennen dieses Phänomen. Wenn Patienten eine Therapie beginnen, berichten sie häufig von solchen lebensweisenden Träumen. Initialträume beleuchten aktuelle Probleme und Gedanken. Es ist nicht selten, dass in solchen Träumen ein Tier einen Weg weist, häufig ist es ein Fuchs. Auch in Märchen treffen wir nicht selten auf einen Fuchs als wichtigen Begleiter eines Helden.**

Morgen muss Emma wieder zu ihrem Arzt. Er wird ihr die finalen Untersuchungsergebnisse mitteilen. Morgen erfährt sie, ob sie den Krebs besiegt hat oder nicht. In der Nacht träumt Emma wieder und berichtet ihrem Arzt von ihrer letzten Nacht: „Ich laufe wieder diesen dunklen Weg entlang. Am Ende kann ich die offene Tür sehen, dieses Mal strahlt das Sonnenlicht noch stärker auf meine dunkle Seite. Die Stimmen werden lauter und übertönen das lästige Piepen der Krankenhausgeräte. Ich komme der Tür tatsächlich näher bis zu einem Abgrund. Da es so dunkel ist, kann ich nicht genau erkennen, ob es einen Übergang gibt. Ratlos stehe ich da. Keinesfalls möchte ich in diesen Abgrund fallen. Ich ärgere mich, dass ich im Dunkeln nicht besser sehen kann. Ich wünsche mir, ich wäre eine Katze. Einen Augenblick später zucke ich zusammen. Etwas Warmes und Weiches schleicht um meine Füße. Es ist eine Katze. Einen Augenblick lässt sie sich streicheln, dann läuft sie weg. Ihre Augen kann ich in der Ferne noch erkennen, so sehr leuchten sie. Sie sieht mich an, scheint auf mich zu warten. Ich folge ihr. Etwas in mir weiß, dass ich ihr folgen muss. Die Samtpfote läuft immer nur so weit, dass ich sie noch sehen kann. Sie führt mich zu einer Brücke. Dahinter ist die offene Tür. Ich bin ihr so nahe. Beim Mautzen der Katze bin ich aufgewacht.“

Du erkennst sicher einige Bilder aus Emmas Albtraum wieder. Aber dieses Mal wendet er sich zum Guten. Emma hat natürlich die Hoffnung, dass sie den Krebs besiegt hat. Diese eine Nachricht wird ihr Leben verändern – zum Guten oder zum Schlechten. Ihr Traum sagt ihr, dass, egal wie aussichtslos die Situation auch ist, es immer einen Weg gibt, sie zu überstehen.
 

Für viele sind erotische Träume ein Grund zum Schämen, aber meistens sind sie als emotionale Botschaften zu sehen. Sie sind hilfreiche Wegweiser und versuchen, dich auf deine inneren Gefühle und Sehnsüchte aufmerksam zu machen. Das Gehirn arbeitet vielschichtig und kann verschiedene Bilder und Reize gleichzeitig durchspielen, und dabei können sich aktuelle Gegebenheiten und die innersten Sehnsüchte vermischen.

In Emmas Tagebuch steht: „Liebes Tagebuch, heute konnte ich meinem Mann kaum in die Augen sehen. Mir ist etwas Peinliches passiert. Ich habe geträumt, dass ich auf ein Schäferstündchen zum Kollegen meines Mannes gehe. Du musst wissen, dass mein Mann und ich seit meiner Therapie keinen Sex mehr gehabt haben. Natürlich fehlt es mir. Aber was hat das mit dem Kollegen von meinem Mann zu tun? Liegt es vielleicht daran, dass er gestern mit seiner Frau bei uns zum Abendessen war? Ich finde ihn aber keinesfalls anziehend. … Was soll ich nur tun?“

Bei diesem Beispiel vermischt Emmas Geist Eindrücke aus dem wachen Leben mit ihren inneren Sehnsüchten. Es bedeutet keinesfalls, dass sie sich nach dem Kollegen verzehrt. Es bedeutet lediglich, dass Emmas Geist diesen als Bild gewählt hat, um Emmas Wünschen Ausdruck zu verleihen.



 Den Wahrtraum findest du relativ häufig in Romanen. Er wird gerne als Mittel benutzt, um zukünftige Ereignisse vorherzusagen. Das ist so ganz einfach gesagt, jedoch birgt der Wahrtraum viel mehr Möglichkeiten. Er behandelt wahre Ereignisse, die meistens direkt und unverschlüsselt auf dich einwirken. Im normalen Traum hast du nur gewisse Aspekte, die du deinem realen Leben zuordnen kannst, der Rest sind Bilder oder Metaphern, die dein Geist für seine Botschaften nutzt. Beim Wahrtraum ist dies nicht der Fall. Er hat dabei weniger psychologische Hintergründe, sondern eher esoterische. Es gibt zurückblickende oder vorausschauende Wahrträume. Er wird erst dann als Wahrtraum bezeichnet, wenn er dir als Träumender etwas über deine konkrete Lebenssituation sagt. Damit einhergeht ein reales Erleben, wie du es aus dem Wachzustand kennst.

Ein retrospektiver, zurückschauender Wahrtraum lässt bereits vergangene Ereignisse im Traum erleben. Ausgeblendete oder verdrängte Details können im Schlaf oder unter Hypnose aus dem Unterbewusstsein hervorgeholt werden. So können sich womöglich neue Antworten auf Fragen ergeben, die dir im Wachzustand nicht eingefallen wären.

Ein prospektiver, vorausschauender Wahrtraum lässt zukünftige Ereignisse im Traum erleben. Egal ob in freudiger Erwartung oder gefürchtet. Im Wachzustand werden von uns manche Ideen oder Ahnungen als 'unsinnig' oder 'unwahrscheinlich' abgetan. Im Traum greift dann das unbewusste Wissen und erschafft eine neue mögliche Zukunft. Hier kannst du auch das Hellsehen einordnen. Eine solche selbsterfüllende Prophezeiung wird dann mit einer Präkognition in Verbindung gebracht, nur dass du bei letzterem nicht unbedingt schlafen musst, um zukünftige Dinge zu sehen oder zu erahnen.

Bei einem telepathischen Wahrtraum ist es möglich, gegenwärtige Ereignisse im Tram zu erleben. Du träumst zum Beispiel davon, dass ein Familienmitglied in einen Unfall verwickelt ist und am nächsten Morgen erfährst du von dessen Autounfall. Bei medial veranlagten Menschen kann es sogar so weit gehen, dass sie im Rahmen eines solchen Traumes Gedanken und Gefühle anderer Menschen erfahren können.

Am Todestag ihrer Mutter hatte auch Emma einen Wahrtraum. In diesem ereilten sie Momente aus ihrer Vergangenheit. Sie träumte von dem Moment, an dem ihre Mutter ebenfalls die Diagnose Krebs bekam. Es war wie damals. Emma kam von der Uni zum Mittagessen zu ihrer Mutter und fand diese niedergeschlagen am Küchentisch sitzen.
 

Wenn du von einem luziden Traum liest, handelt es sich immer um einen Klartraum. Hier ist sich der Träumer dessen bewusst, dass er träumt. Du kannst also deinen Traum bewusst steuern und weißt, während du schläfst, dass du nur träumst. Zum luziden Träumen gibt es noch eine Menge interessanter Dinge zu erzählen, deshalb wirst du etwas später im Themenmonat einen eigenen Artikel zum Klartraum finden. Ihn hier ausführlich zu behandeln würde einfach den Rahmen sprengen. Also bleibt gespannt.

SCHREIBAUFGABE:


Suche dir ein Thema aus und schreibe zu jeder Traumart eine entsprechende Szene.

* Zitat und weitere Informationen: Verena Kast: Träume. Die geheimnisvolle Sprache des Universums. Patmos Verlag Ostfildern 2012.


** Nähere Informationen zum Fuchs im Traum findet ihr in Verena Kast: Träume S. 161 


 

Fasziniert von der Welt, mit zu vielen Hobbys im Gepäck, versucht Anki ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Mit Worten, aber auch mit Foto und Design greift sie auch anderen gerne unter die Arme. Willkommen beim Zeitfänger

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