Mittwoch, 6. Januar 2016

Das Schreiben auf Reisen: praktisch und professionell - Interview mit Mady Host




In den letzten Artikeln habe ich dir das Schreiben auf Reisen nahegebracht. Ich habe dir einige Methoden vorgestellt und berichtet, wie es mir in der Praxis damit erging. Zum Abschluss dieses Themengebietes habe ich für dich etwas Besonderes. Die sympathische Reisebuchautorin Mady Host aus Magdeburg hat sich Zeit genommen und mir ein paar Fragen zum Thema Schreiben und Reisen beantwortet. Ich wünsche dir viel Spaß mit Mady und ihren interessanten Geschichten.


Anki: Liebe Mady, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst und meine Fragen beantwortest. Dass du gerne reist, kann man auf deiner Homepage sehen. Wie kam es zu dieser Leidenschaft?
Mady: Ich glaube, in mir wohnte schon immer ein „Reise-Gen“. Von meiner Großmutter lieh ich mir schon früh Abenteuerberichte aus, mein Vater erzählte mir schon als ich Kind war von seinen großen Reiseträumen. Meine Eltern entführten mich bereits als Vorschulkind auf die Gewässer Brandenburgs – damals per Segelboot. Später reiste ich mit ihnen mit Kanu, Wohnwagen und Fahrrad häufig nach bzw. durch Skandinavien. Die Oma nahm mich mit zum Zelten. Es konnte also gar nicht anders kommen …

A: Gibt es eine besondere Reise in deiner Kindheit, die dich geprägt hat oder an welche du dich gerne erinnerst? Was genau hat diese Reise so besonders gemacht?
M: Ich erinnere mich mit Vorliebe an die Sommer auf dem elterlichen Segelboot. Als Kind auf Inseln und in Häfen herumtollen zu dürfen, irgendwo vor Anker zu gehen oder auch mit anderen Kindern zu spielen, Enten zu füttern und im Sommer so lange die Natur unsicher zu machen, bis es dunkel wurde – das ergab eine abenteuerreiche Kindheit.

A: Kommen wir zum Schreiben:Im Jahr 2008 hast du begonnen, deine Erlebnisse aufzuschreiben. Was war der Auslöser? Aus welcher Motivation heraus fanden deine Erlebnisse den Weg in ein Buch?
M: Der Auslöser war meine erste Jakobswegreise. Voll mit Eindrücken in Herz und Kopf kehrte ich zurück und schrieb meine Gedanken – zunächst nur für mich – auf. Dann las ich meine Texte einigen vertrauten Personen vor und wurde von ihnen ermutigt, es einem Verlag anzubieten. Zunächst veröffentlichte ich in einem Magdeburger Verlag und wechselte ab dem dritten Buch „Einfach los … Mein Küstenweg“ zum Hamburger traveldiary-Reiseliteratur-Verlag.

A: Als Sozial- und Gesundheitsjournalistin bist du mit dem medialen Schreiben schon recht vertraut. Wie hilft dir das Studium beim Schreiben auf deinen Reisen?
M: Eine journalistische Ausbildung ist grundsätzlich hilfreich. Da auch Themen wie Filmschnitt und Fotografie auf dem Lehrplan standen, ist mir der Studienabschluss auch jetzt noch für die nachträgliche visuelle Aufbereitung meiner Reisen für meine Veranstaltungen sehr nützlich.

A: Was ist für dich ein notwendiges Schreib-Equipment auf Reisen? Hast du etwas Besonderes dabei? Welche Bedeutung hat dieses „Etwas“ für dich?
M: Ich nutze grundsätzlich Zettel und Stift zum Festhalten meiner Gedanken, keine Computer- oder Handytechnik. Das Notizbuch muss immer ein wasserfestes sein. Darauf lege ich Wert.

A: Wie gehst du während der Reise vor? Wie viel Zeit nimmst du dir zum Schreiben?
M: Ich fertige meistens einmal am Tag, meist abends im Zelt oder Hostel, Notizen an. Manchmal hole ich auch während des Tages mein Notizbuch hervor und halte wichtige Gedanken fest. Nur nach einer Einladung zum Bier (eigentlich müsste hier der Plural stehen) – wie zum Beispiel auf dem Küstenweg – können die Notizen auch einmal für einen Tag liegenbleiben. Diese Andeutung bezieht sich auf den „Stammtischgeflüster-Abend“ mit Musiker Mark Forster, einem verletzten Pilger mit dem Spitznamen Godzilla und einem hübschen Spanier …

A: In deinem aktuellen Buch „Europa in vollen Zügen“ interviewst du einige Leute, die deinen Weg kreuzten. Wie genau hältst du das Interview für später fest?
M: Manchmal habe ich während des Gesprächs Notizen gemacht, teilweise aber erst im Anschluss. Ich erinnere mich ziemlich leicht. Das ist natürlich ein großer Vorteil. Wenn ich allerdings Auftragsarbeiten als Autorin und Journalistin in meinem Berufsalltag wahrnehme, dann zeichne ich per iPad alle Gespräche auf.

A: Was notierst du sonst noch auf deinen Reisen?
M: Lustige Aussagen, Zitate, ausgefallene (eigene) Gedanken …

A: Was machst du mit deinen Aufzeichnungen, wenn du wieder zu Hause bist?
M: Ich entwickle eine Struktur für ein Manuskript und verwandele meine Mitschriften ziemlich kurz nach der Reise in einen fortlaufenden Erlebnisbericht, der dann von meinem Verleger zum Buch gemacht wird.

A: Wie lange benötigst du ungefähr, bis das Reisebuch fertig geschrieben ist?
M: Wenn ich es schaffe, mich von größeren (beruflichen und privaten) Aufgaben weitestgehend freizuschwimmen, benötige ich für die grobe Fassung zwischen 5 und 8 Wochen. Ich schreibe in dieser Zeit nicht selten zwischen 10 und 14 Stunden am Tag.

A: Was rätst du Autoren, die professionell von ihren Reisen berichten wollen? Was sollte man bei Verlagssuche beachten?
M: Ich denke, es macht sich gut, das eigene Textangebot grafisch etwas aufzubereiten und spannende Textausschnitte mit einer Inhaltsangabe, Angaben über sich als Autorin oder Autor und vielleicht auch einem Foto zu einer ansprechenden Textpräsentation zusammenzumischen.

A: Eine letzte Frage: Was war für dich das tollste Reiseerlebnis überhaupt?
M: Das kann ich schwerlich beantworten. Mal ist es eine Landschaft, die mich vollkommen fasziniert hat, wie in Norwegen, mal ist es eine Kultur, ein Lebensstil wie in Kanada, mal ist es das Erblicken eines Gebäudes wie der Kathedrale in Santiago de Compostela … Aber auch an meine Zeltnächte auf einem venezianischen Hinterhof, inklusive italienischem Rotwein und Stadtgeräuschen, erinnere ich mich wirklich gern.

Grundsätzlich fasse ich es gern mit den Worten von Guy de Maupassant zusammen: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Das trifft auf jede meiner Reisen zu. Und natürlich ganz global auf mein Leben. Ohne Familie und Freunde würde das Heimkommen sonst wohl auch nie so schön sein, wie es für mich ist.

A: Welche Tipps hast du für die literarisch Reisenden unter uns oder möchtest du noch etwas loswerden?
M: Lasst die Dinge während einer Reise einfach auf euch zukommen, dann wird sich immer genügend Schreibstoff ergeben.

A: Vielen Dank!
M: Danke auch! Es hat Spaß gemacht. Tolle Fragen!


Bildquellen und weitere Informationen über Mady Host und ihre Arbeit unter:

http://www.mady-host.de/startseite.html

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