Mittwoch, 23. Dezember 2015

Völkerbastelleitfaden für Autoren

Das letzte halbe Jahr habe ich fast jeden Monat bereits etablierte Fantasyvölker vorgestellt. Zum Abschluss der Reihe will ich euch noch einen Leitfaden mitgeben, wie ihr eure eigenen Völker in zwei Schritten erstellen könnt.



Schritt 1: Der Zweck eures Volkes

Wenn ihr ein Volk erstellt, überlegt euch zunächst, was dieses bzw. einzelne Mitglieder von ihm für eine Funktion in eurer Geschichte übernehmen sollen. Sollen es die Schergen des Bösen sein oder die Recken des Guten? Oder schillernde, abgefahrene Wesen, die eurem Hintergrund nur ein bisschen Tiefe und Exotik geben? Je nachdem solltet ihr das Aussehen dieses Volkes wählen. Wenn ihr nicht gerade eine Parodie schreibt, wäre wohl ein normales bis martialisches Aussehen für ein Volk, das den Hauptkonflikt austrägt, passender. Kleine niedliche Fluffelvölker mögen zwar bei einigen Zielgruppen gut ankommen, bringen aber ein logisches Problem mit sich, auf das ich im nächsten Schritt eingehen werde. Für herausragend wichtige Charaktere, egal auf welcher Seite, eignen sich oft als letzte Überlebende einer untergegangen Rasse oder Kultur, da diese von Natur aus einen dramatischen Hintergrund mit sich bringen, der aber wiederum ausgearbeitet werden muss. Allgemein kann ich empfehlen, immer mehrere Individuen eines Volkes vorzustellen, die sich relativ stark voneinander unterscheiden und verschiedene Extreme in der Weltsicht oder Kulturen der Rasse repräsentiere. So zeigt sich dem Leser die Tiefe im Hintergrund der Geschichte.


Schritt 2: Ursprung und Aussehen eures Volkes

Wenn ihr euch über die Funktion im Klaren seid, könnt ihr euch über das Aussehen eures Volkes Gedanken machen, das logischerweise auch mit seinem Ursprung verknüpft ist. Wie bereits erwähnt, sollten Völker, die in eurer Geschichte Kämpfe austragen, schon irgendwie gefährlich sein und wirken. Vereinzelt könnt ihr natürlich auch gefährliche Killerfeen auftreten lassen, die ganz lieb aussehen lassen, aber ein düsteres, episches Setting bekommt ihr eben damit nicht hin.

Reden wir über ein paar Details beim Aussehen. Ihr könnt über bestimmte körperliche Attribute dem Leser bereits vermitteln, wie ein Volk wahrscheinlich so ticken wird. Ein Volk mit vielen Armen wäre prinzipiell gut für den Kampf und/oder für Handwerk geeignet, ferner auch für Diebstähle oder Attentate. Wie wäre es zum Beispiel mit einem friedlichen, spinnenähnlichen Volk, das die besten Stoffe und Schneiderarbeiten eurer Welt produziert, aber aufgrund seines Aussehens diskriminiert wird? Hier sind wir bei dem nächsten Punkt: Ausgeglichenheit. Besonders wenn ihr viele Spezies in eurer Welt habt, muss es eine Art biologisches und/oder technisches Gleichgewicht zwischen den Völkern geben. Daher brauchen auch eure größten und stärksten Kampfsäue irgendwelche Nachteile, sonst wäre es schwierig zu erklären, warum sie nicht alle anderen Völker im Laufe der Evolution ausgelöscht haben. Diese Nachteile können z.B. mit einem bestimmten Klima, Ernährungsproblemen, Allergien oder niedrigen Geburtenraten zu tun haben. Diese Nachteile müssen aber in der Gegenwart eurer Geschichte nicht mehr unbedingt dergestalt zum Tragen kommen, weil sie vielleicht durch technische oder medizinische Hilfsmittel umgangen werden können, aber eben trotzdem angelegt sein. Und hier sind wir wieder bei der nächsten Überleitung zum Thema: Ursprung.

Prinzipiell können Völker in Fantasywelten zwei Ursprünge haben: einen natürlich-biologischen oder einen magisch/göttlichen. Fangen wir mit dem biologischen an. Hier sollte man sich vor allem Gedanken über das Aussehen und den Charakter machen. Wäre rein logisch betrachtet so eine Spezies durchsetzungs- und überlebensfähig? Auch wenn das Volk die einzige intelligente Rasse in der Welt ist, muss sie sich gegen Tiere und Umwelteinflüsse einmal behauptet haben. Das kann aber auch ein wenig vage bleiben, immerhin wissen wir bei uns ja selbst nicht, wie genau wir zur dominanten Spezies auf unserem Planeten geworden sind.

Sollte ein Volk einen göttlichen oder magischen Ursprung haben, geht es besonders um den Zweck, den dieses Volk in der Welt einnimmt. Wurde es von einem Gott geschaffen, um das Böse zu bekämpfen? Hier müsst ihr euch nur darüber Gedanken machen, wie das Volk in der Gegenwart eurer Geschichte zurechtkommt.

Egal welchen Ursprungs euer Volk ist, empfehle ich euch, eine Chronik, also einen groben geschichtlichen Abriss, von diesem zu verfassen. So könnt ihr es lebhafter und glaubwürdiger darstellen, warum sich dessen Mitglieder so verhalten, wie sie sich eben verhalten.


Aufgabe: Bastelt euch ein Volk selbst!


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