Sonntag, 1. November 2015

So überlebst du den NaNoWriMo

Es gibt eine Zeit im Jahr, die ist besonderer, als alle anderen. Es liegt ein Zauber in der Luft, dem man sich nicht entziehen kann. Er spornt einen zu unglaublichen Leistungen an. Es ist eine Zeit, in der viele, viele Menschen wach werden und tun, was sie lieben: Sie schreiben.


Der NaNoWriMo – National Novel Writing Month – bringt Autoren aus der ganzen Welt zusammen. Einen Monat lang heißt es schreiben, schreiben, schreiben. Als ich das erste Mal in den NaNo geraten bin, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Im Jahr 2013 hatte ich mich ein bisschen in die Autorenszene geschnuppert – nur ein Bruchteil von dem Universum, das ich heute kenne, doch der NaNo war für mich der Einstieg in eine neue Welt. Eine wunderbare Welt, die ich nicht mehr missen möchte.

Das Wichtigste ist, dass man eine Geschichte zu Ende schreibt. Es ist das Schwerste, was einem Jungautoren begegnen wird. Der erste große Schritt. Ich habe ihn in meinem ersten NaNo gemeistert. Nicht in 30 Tagen, nein, in 12 Tagen habe ich 50.000 Wörter geschrieben. Ohne große Recherchen, Figurenbasteleien oder zu wissen, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich habe mich einfach ins Getümmel gestürzt. Doch das Wichtigste war: Ich wusste, wie meine Geschichte enden wird.


Nun, im NaNo geht es also darum, zu schreiben. 50.000 Wörter in einem Monat – 1.667 Wörter am Tag, um das Soll zu erfüllen. Das hört sich jetzt erstmal unglaublich viel an, aber auch du kannst es schaffen. Jeder kann es schaffen.

Am einfachsten ist es wohl, wenn man sich einer Community anschließt. Meinen ersten NaNo (2013) habe ich in der Schreibwerkstatt überlebt. Es war total motivierend und ist genau das Richtige für Statistikfreaks. Wir waren, glaube ich, fast oder sogar mehr als 100 Leute. Die Zahl der geschriebenen Worte wurde mit einem farbigen Balken angezeigt – je nachdem, wie weit man war. So konnte man immer sehen, wer über oder unter einem war – also, ob man sich beeilen musste, weil jemand einen bald überholen würde, oder wie viel man noch schreiben musste, um den Nächsten zu überholen. Das hört sich natürlich sehr nach Spielereien an und ist auch sicher nichts für jeden, aber jeder sollte es einmal ausprobiert haben – und in einer Gruppe schreibt es sich natürlich leichter als allein. Die Motivation ist größer, wenn man weiß, dass man nicht allein schreibt.

Seit 2014 veranstalte ich selbst in meiner Facebookgruppe Writers‘ Inn einen NaNo, natürlich auch mit Statistik und vielen tollen Leuten.

Selbstverständlich kann man sich auch auf der offiziellen NaNo-Seite anmelden. Doch dorthin hat es mich selbst nicht so oft verschlagen. Mal sehen, wie es in diesem Jahr ist. Der Grund, warum ich mich dort anmelde, ist, dass ich das Gefühl habe, offiziell teilzunehmen. Es gibt viele verschiedene Banner, Bildchen und eine Urkunde am Ende, wenn man es geschafft hat. Ist ein tolles Gefühl, das sag ich euch.

Alle Tipps für den NaNo zusammengefasst (gelten natürlich immer, nicht nur im NaNo), vor allem, wenn du das erste Mal mitschreibst:

  • Setz dir ein Ziel. Offiziell sind es 50.000 Wörter, du kannst dir auch ein höheres Ziel setzen.
  • Schreibe jeden Tag (wenn es mehr wird, ist es nicht schlimm, dann hast du einen kleinen Puffer).
  • Such dir Leute (mit einem ähnlichen Ziel). Erstens bist du dann nicht allein, zweitens bist du nicht demotiviert, weil andere mehr schaffen als du.
  • Setz dich nicht unter Druck. Das Schlimmste, was dir im NaNo passieren kann, ist, dass du demotiviert bist. Wenn du nur 500 Wörter jeden Tag schreibst, dann ist das auch nicht so schlimm. Es sind 500 Wörter, die deine Geschichte täglich wächst und das ist in der Summe mehr wert, als gar nicht zu schreiben.
  • Stürz dich in das Abenteuer. Eine Grundregel (die genau wie die Genauen Wortzahlen keiner überprüfen kann) ist, dass direkt am 1. November eine neue Geschichte anfängt. Du solltest vorher nicht planen, nicht vorschreiben, gar nichts. Versuch es einfach mal aus. Viele Autoren hängen sich ein Leben lang an Kleinigkeiten auf (Tolkien) und veröffentlichen erst nach Jahren. Du weißt nie, ob es sich lohnt, also wage einfach den Sprung ins kalte Wasser ;)
  • Habe eine Idee vom Ende. Auch dies ist ein Tipp, den du von vielen erfolgreichen Autoren hören wirst. Sie wissen, wie es ist, viele Geschichten anzufangen. Das ist leicht. Doch Ausdauer und Geduld führen dazu, eine Geschichte zu Ende zu schreiben.


Wörterzählen ist blöd? Vielleicht. Ich bin nach einigen NaNos auch zu der Erkenntnis gekommen, dass das reine Wörterzählen mich hemmt. Irgendwann leidet die Qualität und auch die Lust bleibt auf der Strecke. Mir ist es auch nach einem Schreibmonat passiert, dass ich wochenlang nichts mehr geschrieben habe. Dennoch bin ich dankbar für die Erfahrung, am NaNo teilzunehmen. Nach drei Jahren bin ich jetzt in der Lage, ohne Motivationen wie andere Menschen, Wörterzählen, Schreibspiele usw. schreiben zu können. Darauf bin ich sehr stolz, denn ich schreibe um des Schreibens Willen. Doch ohne den NaNo wäre ich nie dazu gekommen.

Versuch es einfach, denn es ist eine großartige Erfahrung, aus der du sehr viel mitnehmen kannst. Für dich persönlich und als Autor. Auch die vielen Menschen, die man kennenlernt. Ich möchte sie nie wieder missen.



Tinka liebt es, andere Menschen zu motivieren und zu inspirieren. Die Autorin bloggt auf tinkabeere.com, hat einen Ratgeber zum Bloggen veröffentlicht und schreibt fantastische Jugendbücher.

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