Mittwoch, 18. November 2015

Schreiben auf Reisen: ein Erfahrungsbericht

In den letzten Artikeln habe ich dir einige Tipps gegeben, wie man mit dem Schreiben unterwegs umgehen kann, und ein paar Formen des Schreibens auf Reisen vorgestellt. Wenn du auch in deinem Urlaub nicht auf ein bisschen literarische Arbeit verzichten willst, bietet sich dir eine breite Palette an Möglichkeiten, um deine Gedanken festzuhalten. 

Unterwegs ist ein kleines Notizbuch für spontane Eindrücke goldwert. Auch wichtige Informationen – wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise oder unverzichtbare Namen - die für eine erneute Reise dienlich sein können, finden dort einen Platz.
Für längere Einträge und ausführliche Beschreibungen bietet sich ein schönes Heft oder dein Notizbuch und ein Glas Wein an einem lauen Sommerabend an. In so einer Atmosphäre schreibt sich ein ausführlicher Bericht oder ein Tagebucheintrag fast wie von selbst. Wie du sie gestaltest, liegt ganz bei dir. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sehr beliebt ist auch ein gekauftes Urlaubstagebuch, wo schon einige Anregungen enthalten sind. Neben Piktogrammen zum Wetter und zur Stimmung ist es möglich, deine persönlichen Urlaubs-Top-Ten zu verfassen. Auch wenn das eine nette Idee ist, so kannst du deine Lieblingsorte und das beste Essen der Reise in einer Form festhalten, die dir persönlich am besten gefällt. Meist reicht schon ein einfaches Notizbuch, dass du nach belieben selbst gestalten kannst. Bist du für eine längere Zeit unterwegs, ist es eine Überlegung wert, einen Reiseblog zu starten. Solch ein digitales Tagebuch bietet eine gute Plattform, deine Erinnerungen festzuhalten und gleichzeitig die Daheimgebliebenen daran teilhaben zu lassen.

Damit sind die Möglichkeiten des Schreibens auf Reisen noch nicht ausgeschöpft. Mit meinen Artikeln habe ich Dir eine kleine Einführung gegeben. Doch alle Theorie taugt nichts, wenn man nicht selbst einmal in die Verlegenheit kommt, sie anzuwenden. Da ich viel über das Reisen und Schreiben berichtet habe, wollte ich mir selbst unbedingt auf die Finger schauen, wie ich mich nun wirklich unterwegs verhalte. Mein Sommerurlaub in Wien bot dafür einen hervorragenden Ausgangspunkt. Für sieben Tage einen Reiseblog einzurichten, kam für mich nicht in Frage. Das lohnt sich meiner Meinung nach nicht, da ich doch mehr damit beschäftigt wäre, die Seite zu pflegen, als den Urlaub zu genießen. Also griff ich auf die traditionelle Methode zurück: das Notizbuch. Dabei durfte ich feststellen, dass ich zu den Tagebuchschreibern gehöre. Ich hatte zwar auch ein kleines Notizbuch für meine Tasche dabei, aber mehr als ein paar Fakten und Stichpunkte landeten nicht darin. Ich habe mich abends bzw. am nächsten Morgen für ein bis zwei Stunden hingesetzt und mein Gedächtnis bemüht. Eigentlich keine so schlechte Strategie, da du zwar vor Ort deine Empfindungen aufschreiben kannst, jedoch können diese rückblickend wieder anders sein. Dann hat dein Gedächtnis Zeit, das Erlebte schon etwas zu verarbeiten. Jedoch solltest du deine Gedanken immer spätestens am nächsten Morgen niedergeschrieben haben, da ansonsten zu viele neue hinzukommen. Dadurch entstand für mich ein literarisches Projekt in drei Etappen.

Für meine Streifzüge durch Wien und Umgebung habe ich mir ein übergreifendes Thema ausgesucht und einen ziemlich genauen Plan gemacht. Da ich ein wenig abseits der typischen Touristenwege wanderte, fanden einige wichtige Daten, wie Tag, Datum und Stationen der Tour, den Weg in mein kleines Notizbuch. Gab es etwas Eindrucksvolles oder passierte etwas, was ich unbedingt nicht vergessen wollte, so nahm ich das Notizbuch zur Hand. Hier ein kleines Beispiel: Ich besuchte mit meinem Freund das Kloster Heiligenkreuz im Wienerwald. Dort leben heute noch Mönche und diese führten uns persönlich durch ihr Heim. Unser Führer fragte woher wir kämen und was wir beruflich machten. Ich erwähnte natürlich mein Studium der Kunstgeschichte. Da wurde er ganz kleinlaut und gab sich sehr Mühe alle Beschreibungen und historische Daten korrekt zu präsentieren. Ich solle ihn gerne berichtigen, wenn er etwas falsches sagte. (Das machte er natürlich nicht.)

Eigentlich nichts Besonderes, aber ich fand es sehr süß und ich musste die Erinnerung an diese Situation und unseren sehr sympathischen Führer unbedingt festhalten. 

Um Zeit zu sparen, schrieb ich unterwegs, was mir wichtig erschien, nur stichpunktartig auf. Abends schrieb ich dann meinen Tagebucheintrag. Auch hier hielt ich erst einmal fest, was ich an welchem Tag gemacht hatte. Den Rückblick formulierte ich aus, da es meistens doch ein paar mehr Worte benötigte, um manche Situationen zu beschreiben. 

Die dritte Etappe bildet nun den Abschluss meiner literarischen Reise. Ein Urlaubstagebuch reicht an sich schon, um nach einigen Jahren wieder in Erinnerungen zu schwelgen, allerdings wollte ich von vornherein einen richtigen Reisebericht schreiben. Dazu kommen zu meinen Erlebnissen und Erinnerungen genauere Beschreibungen von Orten oder Bauwerken inklusive der dazugehörigen Geschichten. So entsteht ein kleiner Reiseführer für eine von mir entworfene Reiseroute, die nicht in jedem großen Reiseführer ausführlich beschrieben ist. Diese geben zumeist nur einen Überblick. Das bedeutet zwar noch ein wenig Schreibarbeit nach dem Urlaub für mich, aber dafür entsteht ein besonderer, personifizierter Reiseführer. Wer weiß, vielleicht wird er irgendjemandem einmal hilfreich sein.


Das Schreiben auf Reisen – oder warum es doch nicht ganz ohne Kamera geht


Rückblickend kann ich sagen, dass ich unterwegs doch lieber zur Kamera als zum Stift gegriffen habe. Mit einem Klick ist ein Bild festgehalten, welches sich später auch gut mit meinen eigenen Erinnerungen kombinieren lässt. Oft gab es die Situation auch nicht her, sich in Ruhe hinzusetzen und einen Text zu schreiben. Natürlich geht alles, wenn du es willst, aber ich für meinen Teil finde zwischen hunderten von anderen Touristen keine Ruhe. Dies war auch ein Grund, etwas abseits zu wandern. Da jedoch auch für mich die Fotografie eine große Rolle auf Reisen spielt, ist sie eine schöne Ergänzung zu meinen geschriebenen Worten. Hier ist für mich auch ein klarer Unterschied zu dem Schreiben eines Romans. Bei einem Roman finde ich es wichtig, meine eigene Phantasie spielen zu lassen und mir aus den schwarzen Buchstaben selbst Bilder im Geist zu erschaffen. Das macht den Reiz des Lesens eigentlich aus. Beim Reisen kann es aber auch anders sein. Hier können Fotos und Worte einander ergänzen. Du kannst im Grunde alles in Worte fassen, aber nicht jeder kann zum Beispiel einen majestätisch farbenprächtigen Sonnenuntergang an einem lauen Sommerabend in Schweden mit genügend Worten beschreiben, die dem Naturschauspiel gerecht würden.

In meinem ersten Artikel stellte ich die Behauptung auf, dass jeder ein Fotobuch hätte und es heutzutage nichts Besonderes mehr sei. Trotz meiner vorigen Worte bin ich immer noch der Meinung, dass auch eine schriftliche Urlaubserinnerung wertvoll und ein wenig persönlicher ist, da sie je nach Art des Schreibens Deine eigenen Empfindungen enthält. Ein Text, verfasst auf einer Reise, verrät viel mehr, als ein Foto. Der Betrachter sieht den Sonnenuntergang und er weiß auch, wie er sich dabei fühlen würde. Trotzdem untermalen wir bei einer Fotoschau diese immer mit beschreibenden Worten. Wir passen den Bericht unseren Fotos an. Warum also nicht die Fotos deinen Texten entsprechend auswählen?

Ich kann dir natürlich nicht vorschreiben, wie du deine Erinnerungen auf einer Reise festhältst. Jedoch wollte ich dir mit diesen Artikeln eine neue Perspektive nahebringen.


Schreibaufgabe:


Du musst dafür nicht gleich in den Urlaub fahren, ein kleiner Spaziergang reicht völlig aus. Besuche einen schönen Ort, eine Kirche, eine Lichtung, den Zoo oder ein Café und nimm eine Kamera mit. Dein Handy reicht vollkommen. Schreibe auf, was dir an diesem Ort durch den Kopf geht, was das Besondere ist oder ob etwas Erwähnenswertes geschehen ist. Ob du in Stichpunkten schreibst oder eine kleine Geschichte, ist dir ebenfalls freigestellt. Wichtig ist, dass du, bevor du diesen Ort verlässt, ein Foto machst. Text und Foto kannst du ruhig einige Wochen liegen lassen. Nun nimmst du das Foto hervor und überlegst, was du zu diesem Bild zu sagen hast, was deine Erinnerungen dir erzählen. Anschließend nimmst du deinen Text hervor und vergleichst beides. Sind die Erinnerung identisch mit dem, was du vor einigen Woche vor Ort aufgeschrieben hast? Schreib dein Ergebnis gerne als Kommentar unter den Artikel.


Ausblick:


Zum Abschluss der Themenreihe werden wir einen Blick hinter die Kulissen einer Reisebuchautorin werfen. Die Magdeburger Reisebuchautorin Mady Host wird uns etwas über das Schreiben auf Reisen erzählen, was sie alles schon erlebt hat und wie man dies professionell betreiben kann.

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