Mittwoch, 11. November 2015

Kreativität fördern – Teil 1

Für meine Artikelreihe über Kreativität habe ich mich durch ein mehr als 600-seitiges Buch von Mihaly Csikszentmihalyi (2014) gelesen: Flow und Kreativität – Wie sie Ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen. Das letzte Kapitel nennt sich „Die Förderung der persönlichen Kreativität“ und soll die Frage beantworten, wie wir alle unser Leben kreativer gestalten können. Endlich! Ein paar handfeste Regeln, die man ganz einfach befolgen kann – dachte ich. Doch das Ergebnis sieht etwas anders aus. Die Ideen sind ziemlich weit gefasst und sehr allgemein. Kurz habe ich überlegt, meine letzten Artikel zur Kreativität komplett neu zu überdenken, schließlich wollte ich hier zum Schluss ein paar klare Aussagen stehen haben.




Aber letztendlich ist das, was Kreativität ausmacht, doch unsere Individualität. Regeln und Tipps zur Förderung von Kreativität können also vermutlich gar nicht anders sein als weit gefasst und allgemein. Es kann Denkanstöße geben, die dem ein oder anderem weiterhelfen, oder Veränderungsideen, an denen man sich versuchen kann. Aber letztendlich muss jeder selbst herausfinden, wie er am besten sein kreatives Potential entfaltet.

Daher bleibe ich bei meinem ursprünglichen Plan und möchte euch ein paar der Ideen in diesem und dem nächsten Artikel vorstellen.


Die vier Hindernisse

Mihaly Csikszentmihalyi (2014) geht davon aus, dass jeder Mensch potentiell über die Energie für ein kreatives Leben verfügt. Doch es gibt vier Haupthindernisse, die euch daran hindern können:
  1. Erschöpfung durch zu viele Anforderungen
  2. Leichte Ablenkbarkeit
  3. Mangel an Disziplin
  4. Unkenntnis, was man mit der eigenen Energie anfangen soll


Neugierde und Interesse

Der erste Schritt zu einem kreativen Leben ist für Mihaly Csikszentmihalyi (2014) die Förderung der Neugier und der Interessen. Das bedeutet, seine Aufmerksamkeit etwas zu widmen, einfach, weil man die Sache an sich interessant findet. Doch wie kann man das schaffen? Glücklicherweise gibt er an dieser Stelle ein paar konkrete Ratschläge:
  • Versuche, jeden Tag über irgendetwas erstaunt zu sein
  • Versuche, mindestens einen Menschen pro Tag in Erstaunen zu versetzen
  • Schreibe täglich auf, worüber du erstaunt warst und wie du andere in Staunen versetzt hast
  • Wenn du einen Funken Interesse verspürst, folge dem Gefühl

Das Ziel ist es, Neues zu entdecken, für neue Erfahrungen offen zu sein. „Kreative Individuen sind kindlich in dem Sinne, dass sie sich diese Neugier bis ins hohe Alter bewahren. Sie freuen sich am Fremden und Unbekannten. Und weil das Unbekannte kein Ende nimmt, nimmt auch die Freude kein Ende.“

Doch wie können wir dafür sorgen, dass die geweckte Neugier auch anhält? Eine Möglichkeit wäre es beispielsweise, jeden Morgen mit einem Ziel zu beginnen, auf das man sich freut. So bekommen die Tage Bedeutung.

Ein weiterer Tipp ist, seine kreative Energie gegen Ablenkung zu schützen. Dazu kann es gehören, Gewohnheiten zu entwickeln, die Routineaufgaben erleichtern. So soll Albert Einstein beispielsweise immer denselben Pulli und dieselbe alte Hose getragen haben. Das heißt natürlich nicht, dass wir nun alle unseren Kleiderschrank reduzieren müssen. Aber alltägliche „Zeitfresser“ zu entlarven, kann Ressourcen freisetzen.

Einerseits sollen wir also offen sein für neue Erfahrungen, andererseits unsere Kräfte bündeln und uns möglichst nicht ablenken lassen. Ist das nicht ein Widerspruch? Eigentlich nicht. Es bedeutet nur, dass wir im richtigen Moment das Rchtige tun sollten.

Angenommen, wir wollen ein Buch schreiben, wissen aber noch nicht, worüber. Dann ist es von Vorteil, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Eindrücke zu sammeln, herauszufinden, was uns interessiert, berührt und unsere Neugierde weckt. Wenn wir dann eine Idee haben, beginnen wir zunächst noch relativ breit gefächert nach weiteren Informationen zu suchen.
Doch irgendwann haben wir unsere wichtigsten Informationen zusammen, der Plot ist einigermaßen klar und die wichtigsten Fakten geklärt. Jetzt geht es ans Schreiben. Und das erfordert, wie wir alle wissen, eine ganze Menge an Disziplin. In der Phase kommen wir besser voran, wenn wir nicht permanent abgelenkt werden, sondern all unsere Energie in unsere Geschichte fließen lassen können.

Es braucht also beides: Offenheit und Disziplin. Wichtig ist, dass WIR entscheiden, ob es im Moment besser ist, offen oder konzentriert zu sein.


Bestimme selbst über deine Zeiteinteilung

Wann arbeitest du am effektivsten?
Wie viel Schlaf brauchst du?
Wann sind deine üblichen Essenszeiten?
Gibt es Bürozeiten, an die du dich halten musst, oder kannst du flexibel planen?

Jeder Mensch hat Zeiten, in denen er produktiver ist. Je mehr Dinge du zu den günstigen Zeiten tust, desto mehr kreative Energie hast du. Falls du also deinen Tag einigermaßen flexibel planen kannst, solltest du die Gelegenheit nutzen, um herauszufinden, welcher Lebensrhythmus am besten zu dir passt.


Nimm dir Zeit für Reflexion und Entspannung

„Pausenlose Geschäftigkeit ist kein gutes Rezept für die Kreativität. Man sollte eine gewisse Zeit am Tag, in der Woche, im Jahr einplanen, um eine Bestandsaufnahme von seinem Leben zu machen und zu analysieren, was man bislang erreicht hat und welche Aufgaben noch vor einem liegen.“

Dabei geht es nicht darum, Entscheidungen zu treffen oder irgendwas zu erledigen, sondern einfach darum, nachzudenken. Pausen sind wichtig. Denn oft übersieht man die wichtigsten Dinge, wenn man allzu beschäftigt ist. Stress und Entspannung sollten sich abwechseln. Mit Entspannung ist hierbei eine Aktivität gemeint, die sich von der ursprünglichen Tätigkeit unterscheidet. Für uns Autoren zählt hierzu auf jeden Fall jede Form der Bewegung – als Kontrastprogramm zur Schreibtischarbeit.

Und genau das mache ich nun auch – eine Pause, bevor es dann in ein paar Wochen mit „Kreativität fördern -Teil 2“ weitergeht.

Quelle: Mihaly Csikszentmihalyi (2014). Flow und Kreativität, wie sie ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen.


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Lies hier den zweiten Teil der Reihe "Kreativität fördern"

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