Samstag, 29. August 2015

Scrivener im Test

Allgemeines


Scrivener ist eines von zahlreichen Schreibprogrammen, die gerade auf dem Markt angeboten werden. Sein Hersteller Literature & Latte hat mit der Mind-Mapping-Software Scapple noch ein anderes Programm im Angebot. Sowohl Scrivener als auch Scapple gibt es mittlerweile für Windows- und Apple-User.
Neben einer 30-tägigen Testversion bietet Literature & Latte auch einen Rabatt für National-Novel-Writing-Month-Teilnehmer und Camp-NaNo-Teilnehmer an. Der Normalpreis der Software liegt aktuell bei ca. 40 $ USD, wobei es auch eine Studentenversion gibt, die ein bisschen günstiger ist.






Was sagt der Hersteller?


“Enter Scrivener: a word processor and project management tool that stays with you from that first, unformed idea all the way through to the final draft. Outline and structure your ideas, take notes, view research alongside your writing and compose the constituent pieces of your text in isolation or in context. Scrivener won't tell you how to write—it just makes all the tools you have scattered around your desk available in one application.”

Der Hersteller verspricht ein Programm, das alles hat, was das Herz eines Schriftstellers begehren könnte. In meinem letzten Artikel habe ich euch 6 Features gezeigt, die ein gutes Schreibprogramm haben sollte. Heute möchte ich euch zeigen, was Scrivener euch bieten kann, um euch die Suche nach einem geeigneten Schreibprogramm zu erleichtern.

Aufgrund des Umfangs an Funktionen kann ich leider nicht auf alles eingehen, aber der Hersteller bietet einen guten Überblick, und mit der Testversion kann man sich in aller Gemütlichkeit selbst durchprobieren.




1. Die Mappe


Ein großer Vorteil gegenüber einem einfachen Textverarbeitungsprogramm ist die Möglichkeit, alle Szenen und Kapitel in einer Ordnerstruktur anzulegen, die über verschiedene Wege bearbeitet werden kann. Während man bei Word und Co immer aufwendig hin und her scrollen muss, um Textstellen oder Szenen zu verschieben, hat man hier für jeden einzelnen Abschnitt ein eigenes Dokument, das beliebig umher geschoben werden kann.

Die Dokumente werden immer auf der linken Seite in einem Reiter angezeigt, der sich die Mappe nennt. Dort findet man nicht nur alles, was unter den Ordner „Manuskript“ fällt, sondern kann weitere Ordner zu Recherche, Charakteren, Setting, etc. anlegen. So hat man alles, was für die Geschichte wichtig ist, an einem Platz und kann gleich darauf zugreifen.



2. Outliner vs. Pinnwand


Scrivener bietet zwei Möglichkeiten, sein Manuskript zu organisieren. Dabei hat vermutlich jeder eine andere Präferenz. Mir gefällt der Outliner besser, weil ich auch ohne Laptop noch nie gerne mit Karteikarten gearbeitet habe. Wer aber Karteikarten nutzt, um seine Geschichte zu organisieren, wird hier vermutlich sehr glücklich werden.
Im Pinnwandmodus sieht man für jedes einzelne Dokument eine Karteikarte, die man mit verschiedenen Schlagwörtern, einem Titel und einer Beschreibung versehen kann. Genauso wie die Dokumente kann man auch die Karteikarten untereinander verschieben und so mit dem Plot experimentieren.
Der Outliner bietet das Gleiche nur in ausführlicher, zumindest für diejenigen, die es wollen. In den Einstellungen hat man die Möglichkeit, jede Menge Funktionen zum Outliner hinzuzufügen. Da ist es auch von Person zu Person – und auch von Projekt zu Projekt –unterschiedlich, was man für wichtig erachtet. Besonders gut gefällt mir, dass man neben Titel und Beschreibung auch die aktuelle Wortzahl und das Wortzahlziel sowie das Erstellungs- und das Änderungsdatum sehen kann.
Bei beiden Editoren kann man übrigens einen Bearbeitungsstatus einstellen, was sehr zur Projektplanung und dem Fortschritt der Geschichte beiträgt.



3. Wortzahlziele


Besonders motivierend sind die verschiedenen Möglichkeiten sich Ziele zu setzen. Für jedes Dokument und für jeden Ordner kann man sich Wortzahlziele setzen, man hat sogar die Möglichkeit, sich ein Ziel für Sitzung und für das gesamte Projekt zu setzen. Das ist gerade in Schreibwettbewerben wie dem National Novel Writing Month ein großer Ansporn.

4. Automatisches Sichern


Ein absolutes Muss für jedes Schreibprogramm: automatisches Sichern. Wie oft stürzt sonst ausgerechnet dann der PC ab, wenn man gerade das beste Kapitel seines Lebens geschrieben und noch nicht gespeichert hat? Scrivener sichert immer dann, wenn man gerade nichts tippt – also in so regelmäßigen Abständen, das damit garantiert nichts mehr verloren geht. Trotzdem darf man natürlich nicht vergessen, immer mal wieder ein Back-Up zu machen.



5. Projektnotizen


Ein Schriftsteller hat vermutlich zehntausend Post-Its, Notizbücher, Zettelchen und Gedanken zu einem Projekt, die er an den unterschiedlichsten Orten lagert. „Organisiertes Chaos“, heißt da meistens das Zauberwort – und sind wir mal ganz ehrlich: Ich habe dafür null Talent. Umso besser gefällt mir die Möglichkeit, eigene Dokumente in meinem Projektordner anzulegen, die ich mit allerlei inspirierendem Kram füllen kann. Dort sammle ich Fotos, Videos, PDFs und andere Texte neben kurzen Szenen oder Textstellen, für die ich noch keine Verwendung habe. In ein Dokument kann man bei Scrivener viele verschiedene Dateitypen einbinden und organisieren, so dass man wirklich alles an einem Platz hat.
Ein tolles Tool ist auch der sogenannte Inspektor, den man auf der rechten Seite findet. Dort kann man neben Schlagwörter, Status und vielen anderen Dingen (die ich noch gar nicht richtig benutzt habe) Notizen zum aktuellen Dokument machen. Fällt euch beim Schreiben also etwas auf, was ihr unbedingt ändern oder woran ihr später unbedingt denken müsst, schreibt ihr es einfach schnell auf und könnt später wieder darauf zurückgreifen.



Ein paar Nachteile gibt es leider auch…


Ihr könnt es euch sicher vorstellen: Ein Programm, das mit so vielen verschiedenen Funktionen kommt, ist nicht unbedingt intuitiv zu bedienen. Bei Scrivener braucht es eine Weile, bis man seine Wege und Mittel kennengelernt und sich eingefunden hat. Ich schreibe jetzt schon seit 2013 mit dem Programm und entdecke ständig neue Funktionen. Vieles nutze ich auch gar nicht, während ich andere Sachen nie wieder wegdenken möchte. Falls euch die Testversion gefallen hat, empfehle ich euch auf jeden Fall das Buch Scrivener for Dummies (Bildquelle Cover: http://gwenhernandez.com/2012/03/27/scrivener-for-dummies/), welches eine gute Grundlage für die Software bildet. 

Weiterer Nachteil ist sicher für viele der Preis. Mit 40 $ USD ist Scrivener nicht gerade ein Schnäppchen, vor allem wenn man bedenkt, dass es einige andere Programme sogar gratis gibt. Ich würde sagen, der Preis lohnt sich, denn neben den zahlreichen Funktionen gibt es Scrivener in einer hervorragenden deutschen Übersetzung.
Ein deutsches Wörterbuch kann man auch herunterladen, dennoch sind dort einige Wörter aus unserer Sprache nicht vertreten, wodurch die Rechtschreibkorrektur manches Mal verwirrend erscheinen kann. Ein kleines Manko, das dem Gesamtpaket nicht sehr viel abtut.

Ihr könnt es euch mittlerweile sicher schon denken, trotzdem fasse ich es noch einmal kurz zusammen: alle, die ihr Manuskript wie ein Projekt angehen, die die unterschiedlichsten Dinge sammeln, kreuz und quer schreiben und ab und zu mal das Speichern vergessen, sollten der Testversion von Scrivener unbedingt eine Chance geben. Der Preis und die Arbeit, die man investieren muss, um das Programm kennenzulernen, rentieren sich spätestens dann, wenn man zum ersten Mal sein Manuskript in ein anderes Format exportiert, um es auf dem eigenen E-Book-Reader zu lesen.

Wer jetzt noch zweifelt, kann mir in den Kommentaren gerne Fragen stellen oder einfach die nächsten Teile dieser Reihe abwarten, in denen ich euch andere, beliebte Schreibprogramme vorstelle. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß beim Ausprobieren!

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Gastautorin: Kim - bloggt auf All These Special Words.

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Kommentare:

  1. Ich habe mich bislang noch nie mit dem Thema beschäftigt, das liest sich aber interessant. Danke für die ausführliche Beschreibung :-)

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    1. Gerne :) Es lohnt sich auf jeden Fall, sich einfach mal durch die verschiedenen Programme zu probieren. Die haben einfach so viel zu bieten, wovon man vorher noch nicht einmal wusste, dass man es gebrauchen könnte. Ohne geht dann irgendwann gar nicht mehr. ;)

      Ganz liebe Grüße,
      Kim

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