Mittwoch, 1. Juli 2015

Schreiben auf Reisen: Wie finde ich die passende Form für mich?

Du möchtest deine Reiseerinnerungen schriftlich festhalten, bist dir aber nicht sicher, wie du das anstellen und wo du anfangen sollst? Mit diesem Artikel möchte ich dir helfen, einen Anfang zu finden. Ich zeige dir verschiedene Möglichkeiten, deine Abenteuer in schriftlicher Form festzuhalten. Im Grunde gibt es kein Richtig und kein Falsch, jedoch solltest du dir vorher ein wenig Zeit nehmen und dir ein paar Gedanken machen, was du dir vorstellst. Worüber möchtest du gerne schreiben? Möchtest du jeden Tag einen Eintrag verfassen, oder zwischendurch nur ein paar Gedanken festhalten? Im Grunde gibt es sehr viele Möglichkeiten, wenn du auf Reisen schreiben möchtest. Du kannst sie natürlich auch kombinieren.


Die klassischste Form, seine Gedanken festzuhalten, ist das Tagebuch.

Es ist streng chronologisch und meist im Präsens oder Präteritum geschrieben. Was für den täglichen Gebrauch gilt, nimmt auch auf Reisen keinen Abbruch. Wie der Name schon andeutet, fertigst du täglich Aufzeichnungen an. Dabei ist es dir freigestellt, ob du dein Tagebuch durch Orts- und Zeitangaben gliederst oder nur Notizen einträgst. Du kannst deine Einträge auch einfach an Objekten oder Routen orientieren und so eine thematische Gliederung schaffen. Ich gebe dir ein Beispiel:

Im September wollen mein Freund und ich ein paar Tage in Wien verbringen. Mir fällt sofort das Thema Wiener Klassik ein. Da bietet es sich an, auf den Spuren von Beethoven, Mozart, Hayden und all den anderen großen Komponisten zu wandern. Mit ein wenig Recherche kannst du dir eine kleine Tour durch Wien zusammenstellen und dir Plätze, Gebäude und Straßen anschauen, die mit diesem Thema in Verbindung stehen. Über die einzelnen Sehenswürdigkeiten kannst du dann z.B. unter der Überschrift „das musikalische Wien“ schreiben.Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Sei kreativ!

Wenn du ein Tagebuch führst, solltest du allerdings auch täglich Eintragungen vornehmen. Solltest du unterwegs keine Zeit für einzelne Notizen haben, dann wäre es gut, einen längeren Eintrag am Abend, spätestens aber am nächsten Morgen zu machen. Schließlich kommen mit dem nächsten Tag auch neue Eindrücke und es besteht die Gefahr, dass interessante Einzelheiten verloren gehen, indem sie von neuen Erlebnissen überlagert werden.

 

Eine weitere Form, um besondere Momente schriftlich festzuhalten, ist das frei geführte Notizbuch.

Wer nicht, wie beim Tagebuch, an das tägliche Schreiben gebunden sein möchte, kann ein simples Notizbuch führen. Hier könnt ihr all das reinschreiben, was euch durch den Kopf geht oder kurze Aufzeichnungen, die eine Beobachtung oder Gegebenheit kurz skizzieren. In dem Notizbuch werden eure Eindrücke einfach zwischengespeichert, dabei ergeben sich für den Leser keine Zusammenhänge, können aber durch eine nachträgliche Bearbeitung des Autors entstehen. Solche Notizen eigenen sich für Reiseberichte, die im Anschluss der Reise verfasst werden. Meistens kommen durch den Rückblick und die Arbeit mit den Notizen noch intensivere Gefühle und Eindrücke auf. Man erlebt die Reise quasi noch einmal. Im Prinzip entstehen solche Notizen ganz zwanglos und stehen für sich selbst.

 

Anders verhält es sich beim thematischen Notizbuch.

Du kannst dir von vorne herein ein Thema suchen, auf das du besonders achten möchtest (z.B. die oben genannte Wiener Klassik), oder du wandelst dein frei geführtes Notizbuch einfach um. Du kannst z.B. ein Stichwort in eine der oberen Ecke schreiben und alle Notizen, die thematisch dazu passen, diesem zuordnen. Es erleichtert eine spätere Ausformulierung und ermöglicht auch kleine Kapitelüberschriften. Hast du allerdings schon einen Plan und möchtest über bestimmte Orte schreiben, die du besuchen wirst, dann kannst du zu jedem Ort deine Notizen anfertigen. Das kann eine Städteliste mit Sehenswürdigkeiten sein oder eine Liste mit dem Stichwort Essen, Klischees oder besten Partymöglichkeiten. Seid kreativ. Es ist alles möglich.


Mit diesen zwei Formen kommst du auf Reisen gut zurecht. Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, deine Eindrücke festzuhalten. Dazu zählt u.a. der Reiseblog. Das digitale Schreiben werde ich in einem eigenen Artikel behandeln. Also seid geduldig und schaut immer mal rein.
Wenn du dir immer noch nicht sicher bist, was du auf deiner nächsten Reise ausprobieren willst, dann habe ich im Nachfolgenden noch ein paar kleine Tests zur Selbstreflexion für dich.

 

 Welcher Reisetypus bin ich?*

a) mich faszinieren meine Umwelt und Details
b) ich kann gut über mein Inneres schreiben (eigene Reflexionen und Empfindungen)
c) ich genieße meine Reise lieber, bin gerne abwesend und lass mich treiben, ich halte nur grob den Verlauf meiner Reise fest

*Fragen inhaltlich entnommen Hans-Josef Orheil: Schreiben auf Reisen. S. 48/49

 

Welcher Schreibtyp bin ich? *

Folgende Stichpunkte sollen dir bei deiner Entscheidung helfen, die passende Schreibform für dich zu finden.

- Ich schreibe gern längere Texte
- Es ist mir wichtig, alle Informationen vollständig weiterzugeben
- Ich recherchiere unterwegs gern Preise, gute Lokale und Insider-Tipps
- Mich interessieren alle Aspekte einer Reise (Route, Unterkunft, Mitreisende, Reiseform, Zielgebiet, usw.)
- Ich kann Erlebnisse anhand meiner Notizen gut nacherzählen
- Ich schreibe lieber über Orte und Sehenswürdigkeiten als über meine Gefühle
- Ich verfüge über (Grund)Kenntnisse des Schreibhandwerks

* Stichpunkte aus Emilia Licht: Gute Reise! Schöner Bericht. S.20

Ausblick: Schreiben nach der Reise. Was fange ich mit meinen Aufzeichnungen an

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen