Mittwoch, 17. Juni 2015

Von der Kunst des Schreibhandwerks




Das Gehirn eines Autors ist nichts anderes als eine große Maschinerie, die einem Außenstehenden verwirrend und unlogisch erscheinen mag, ist sie doch gleichermaßen gezeichnet von handwerklichem Geschick und dem Hang zum Geheimnisvollen. Die Kunst etwas von Wert zu Schreiben ergibt sich also immer aus zweierlei: 
 

Dem Talent und dem Handwerk
 
Das Talent zum Schreiben zeichnet sich nicht nur durch das Finden guter Ideen, einem fantasievollen Denken und der Art und Weise, wie mit Sprache umgegangen und mit ihr gespielt wird, aus, sondern vor allem durch den Prozess den die Gedanken durchlaufen, bevor, während und nachdem ein Roman verfasst wird. Dieser Vorgang ist für Außenstehende ein Rätsel, er hat etwas ungemein Geheimnisvolles. Einen Roman „mal eben aus dem Ärmel zu schütteln“, das können vielleicht die Großen wie Kafka, aber der kleine Lehrling, der gerade erst zu schreiben begonnen hat? Die Lösung dieses Rätsels ist, im Gegensatz zum vorher genannten, einfach. Es ist nicht nötig und in vielen Fällen auch nicht möglich „mal eben“ etwas zu erschaffen. Allein der Begriff des Erschaffens hat eine zeitliche Ausdehnung, die der Mensch nicht erfassen kann. Der Eine braucht sieben Monate, um einen Roman zu verfassen, ein Anderer schreibt nächtelang durch und ist schon nach dreien fertig. Das Handwerk des Schreibens darf demnach nicht nur aus dem Akt des Schreibens selbst, sondern muss vielmehr aus allen Schritten, Phasen und Momenten, die das Schreiben umgeben, bestehen. Begrifflichkeiten wie Ausgewogenheit und Regelmäßigkeit, Intensität und Spaß, zeitlicher Umfang und räumliche Gegebenheiten lassen sich jedoch nicht strikt auf einen der beiden Bereiche festlegen. So kann die Regelmäßigkeit des Schreibens gleichwohl einem inneren Zwang oder Wunsch entspringen, als auch durch äußere Planung herbeigeführt werden. Das Gleiche gilt für die Intensität, mit der man an seine Arbeit herangeht. Tauche ich von selbst in die Geschichte ein oder nehme ich mir im Zuge meines Zeitplans absolute Konzentration vor? Talent kann also nicht als bloßes Können von Etwas eingestuft werden. Wenn Talent, die Innerlichkeit eines Aktes und Handwerk, das Erlernen von Hilfsmitteln, zusammenfinden und etwas Wunderbares erschaffen – ist das nicht Kunst? Aber da ist er wieder. Einer dieser Begriffe, die man nicht festlegen kann. Die Möglichkeit, den Leser zu erreichen, ihn zu berühren und in eine neue Lage zu versetzen, zu verzaubern und auch zu verletzen – Das scheint mir Kunst zu sein. 



So schön und interessant die oben genannten Themen sein mögen, bleibt am Ende doch die Frage, was ich mit diesem Artikel erreichen will. Zum einen möchte ich auf die Komplexität des Schreibens an sich aufmerksam machen, welche allzu gerne vergessen wird. Zum anderen auf die damit einhergehende Notwendigkeit sich während des Schreibprozesses in Geduld üben zu müssen.

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