Montag, 1. Juni 2015

Das Schreiben auf Reisen. Ein Fotobuch hat heutzutage schließlich jeder.

Dank einer Vielzahl von Onlinedruckereien und Fotobuchanbietern ist es für jedermann relativ einfach, seine Urlaubserinnerungen in einem Fotoalbum festzuhalten. Hinzu kommt die immer komplexer werdende Handytechnik, mit der man schnell und meist mit nur ein paar wenigen Knopfdrücken ein paar Erinnerungsfotos schießen kann. Eben weil es so simpel ist, kann das fast jeder.

„Wenn einer eine Reise tut, dann hat er viel zu erzählen“, lautet ein altbekanntes Sprichwort. Also wie wäre es dann mal mit schriftlichen Erinnerungen?


Schon in der Antike begann man, Ortsnahmen, Entfernungen und geografische Besonderheiten festzuhalten. Erst einige Zeit später ließ man sich weiter auf Beschreibungen von Klima- und Kulturräumen ein. Es entstanden Aufzeichnungen und Berichte zu Pilgerreisen. Man verfolgte seinen persönlichen Heilsweg und beschrieb weniger die äußeren Gegebenheiten. Vielmehr wandten die Reisenden den Blick nach innen auf das „Beten, Bekennen und Bereuen.“* Es galt also, die eigene spirituelle Erfahrung festzuhalten. Auch heute noch findet man viele Berichte über Pilgerreisen. Diese haben nicht immer einen religiösen Hintergrund, aber bilden eine gute Gelegenheit, sich selbst zu finden und diese Erfahrung gilt es auch heute noch, mit anderen zu teilen.

Daran anschließend geht es ins 18. Jahrhundert – die Zeit des Sturm und Drangs, Goethes und Schillers. Auch sie waren auf Reisen und schrieben ihre Erlebnisse in Worten nieder. Wie es für große Dichter und Denker üblich war, wurden diese in ausschweifende Inszenierungen verpackt, versehen mit einer Menge an Emotionen, die innere und äußere Erlebniswelt darzustellen. „So interessierte der fremde Raum nicht an und für sich, sondern vor allem in dem Maße, in dem er starke Gefühle auslöste.“*

Das Schreiben auf Reisen ist fest verankert in unserer Geschichte und ging auch nie ganz verloren, auch wenn es im 20. Jahrhundert etwas abnahm. Man begrenzte sich auf die einfachste, aber auch gängigste Methode, etwas über die Reise festzuhalten und seinen Daheimgebliebenen etwas zukommen zu lassen. Die Postkarte. Mit einem Mix aus Text und Bildern wird mit ein paar wenigen Worten die persönliche Lage im Urlaub beschrieben. Leider beschränken sich solche Mitteilung auf das eigenen Wohlbefinden, das Wetter und wie gut das Essen oder die Unterkunft sind.

Also warum soll man sich die Mühe machen und eine Reise bis ins kleinste Detail aufzeichnen?

Wie weiter oben bereits angedeutet, gibt es eine Vielzahl von Gründen, auf Reisen zu schreiben. Die Anlässe sind so verschieden, wie wir Menschen selbst. Zum einen sind Fakten und Insidertipps zu außergewöhnlichen Orten immer interessant. Eigene Empfindungen könnt ihr ebenso festhalten, wie lustige und spannende Gegebenheiten eines Abenteuers. Und natürlich lasst ihr auf diese Weise eure Lieben und andere Interessierte Leser an der Reise teilhaben. Dabei sind den Möglichkeiten im Grunde keine Grenzen gesetzt. Das Schreiben auf Reisen ist eine Möglichkeit, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ob ihr nun ein Reisetagebuch führt, einen Reisebericht schreibt oder euch einem Reiseblog widmet, es lässt sich sicher für jeden Schreiber etwas finden. Um euch die Entscheidung zu erleichtern, gibt es im nächsten Artikel einen Überblick über die verschiedenen Formen eure Reise schriftlich festzuhalten. Also bleibt gespannt und geht mit offenen Ohren und Augen durchs Leben. Dann habt ihr schon eine gute Grundlage für eure Aufzeichnungen.

Um euch einmal auszutesten, könnt ihr gerne folgende kleine Übungen zum Thema ‚Schreiben unterwegs‘ ausprobieren. Dazu müsst ihr nicht unbedingt weit weg fahren. Ihr überlegt euch einfach eine Route in eurer Umgebung. Eine Stunde sollte ausreichend sein. Diese Route geht ihr ab und haltet fest, was ihr am Wegesrand seht. Was fällt euch auf, was interessiert euch, worauf wollt ihr andere aufmerksam machen? Dabei ist euch freigestellt, ob ihr eure Entdeckungen in Stichpunkten festhaltet, oder gleich einen kurzen Fließtext schreibt. Wenn euch die Muse packt, setzt euch an einen schönen Ort (oder später Zuhause hin) und schreibt einen Bericht über euren Spaziergang.

Wir gehen nun noch einen Schritt weiter. Als nächstes geht’s um eure Gefühlswelt, wenn ihr unterwegs seid. Dazu könnt ihr die Route nehmen, die ihr bereits gegangen seid, oder ihr wählt einen anderen Weg für euren literarischen Spaziergang. Dieses Mal werden eure Eindrücke und Emotionen festgehalten. Was seht ihr und was löst es in euch aus? Auch hier könnt ihr erst in Stichpunkten arbeiten und den Bericht später in einem Fließtext zusammenfassen.

Ihr könnt euch gerne auch nur für eine Schreibaufgabe entscheiden. Wichtig ist, dass ihr mit offenen Augen durch euer Leben geht und Lust verspürt, euer Erlebtes für euch oder für andere festzuhalten.

Ausblick: Reisetagebuch, Reisebericht und Reiseblog. Wie finde ich die passende Form für mich?

*Zitate und Fakten zur Geschichte sind dem folgenden Buch entnommen: Hanns-Josef Ortheil: Schreiben auf Reisen. Aus der Duden-Reihe: Kreatives Schreiben. Mannheim 2012.

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