Samstag, 27. Juni 2015

6 Schreibprogramme, die mehr für Autoren bieten als Word und Co

Es ist dunkel draußen. Die Sonne ist längst untergangen, die Familie schon im Bett verschwunden. Du sitzt am PC und tippst wie ein Verrückter auf die Tastatur ein. Nur noch einen Satz. Ah, endlich fertig. Noch schnell speichern und dann ab ins – Oh nein! Abgestürzt… 



Kommt euch das bekannt vor? Dieses Gefühl, nachdem man stundenlang in Word oder Open Office geschrieben hat, nur damit der PC abstürzt und das Geschriebene auf ewig verloren ist? Dann seid ihr hier genau richtig, denn mit den 6 Programmen für Autoren, die ich euch in den kommenden Monaten genauer vorstellen möchte, wird euch das bestimmt nicht mehr passieren.


Warum MS Word, OpenOffice oder andere Programme für Autoren ungeeignet sind


Mal ehrlich: wie zufrieden seid ihr eigentlich mit eurem Textverarbeitungsprogramm?

Kommt ihr gut damit zurecht, in einem 300-Seiten-Dokument hin und her zu scrollen, um zu einer bestimmten Szene zu gelangen? Wie legt ihr eure Notizen an? In irgendwelchen neuen Dokumenten, die auf Nimmerwiedersehen im Durcheinander eurer Ordnerstruktur verschwinden? Wo sammelt ihr Bilder, Artikel und Videos, die euch inspirieren? Seid ihr ein Outliner? Wenn ja, wo schreibt ihr eure Outline? Wo sammelt ihr Charakterbögen und Kartenmaterial?

Ich könnte euch noch zehntausend weitere Fragen stellen, um euch die Augen dafür zu öffnen, dass ein modernes Schreibprogramm für Autoren sehr viel mehr bieten kann als eine bloße Textverarbeitungssoftware. Es gibt viele Autoren, die immer noch der Meinung sind, dass Word oder andere Office-Programme das A und O in ihrer Schriftsteller-Karriere sind. Aber wenn man einmal ein Programm kennengelernt hat, das all die oben genannten Fragen beantworten kann, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man wieder zu einem Office-Paket zurückkehrt.

6 Programme für Autoren unter der Lupe


In der Tabelle seht ihr in knapper Form die wichtigsten Infos zu den sechs bekanntesten und beliebtesten Schreibprogrammen, die es aktuell auf dem Markt gibt. Drei davon gibt es in deutschen Versionen, drei leider nicht. Es gibt auch nur zwei dieser Programme in Versionen für Windows und iOS, der Rest teilt sich gleichmäßig auf. Für diejenigen, die sich jetzt fragen, wieso CeltX in der Tabelle nicht aufgetaucht ist: Seit einiger Zeit bietet der Hersteller der Drehbuchsoftware CeltX keine Freeware mehr an, sondern nur noch ein kostenpflichtiges Onlinestudio, das die Gruppenarbeit und den Austausch mit Kollegen erleichtern soll.

In den kommenden Beiträgen dieser Reihe möchte ich euch die unterschiedliche Software mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen und ihre Features für Autoren untersuchen, so dass ich euch nach den einzelnen Vorstellungen eine guten Überblick geben kann. Dennoch ist es natürlich auch eine Frage des Geschmacks, mit welchem der Programme man am besten zurechtkommt.


6 Features, die eine Software für Autoren auf jeden Fall haben sollte

1. Automatisches Back-Up


Ebenso wichtig wie Nummer 1 auf dieser Liste ist eine automatische Back-Up-Funktion. Viele Autoren tippen hunderte von Wörtern in einem Fluss und vergessen in regelmäßigen Abständen zu speichern. Aber selbst wenn es nur ein paar hundert Wörter sind, die durch einen Absturz verloren gehen, ist die Verzweiflung oft groß. Wer weiß schon, ob man es beim zweiten Versuch ebenso gut hinbekommt?


2. Ordnerstruktur 

Der größte und lohnenswerteste Unterschied zu einem normalen Textverarbeitungsprogramm ist die Ordner-/Projektstruktur. Die meisten Programme für Autoren bieten die Möglichkeit, einzelne Kapitel oder Szenen in Dokumenten anzulegen, die man in Ordnern organisieren kann. So ist hin- und herspringen überhaupt kein Problem mehr.


3. Vollbildmodus

Einfach mal abschalten und nur noch den Text vor Augen haben – das macht nur der Vollbildmodus möglich. Bei vielen Programmen gibt es diesen nicht nur mit eigenständig einstellbaren Hintergründen, sondern auch mit einer Schreibmaschinen-Scroll-Funktion. Soll heißen, der Text rutscht automatisch höher und man muss nicht mehr selbst weiterscrollen.


4. Wortzahlzähler

Wir sind hier unter uns, also können wir es ruhig zugeben: wir stehen auf Zahlen. Vor allem, wenn sie uns zeigen, wie fleißig wir gewesen sind. Zu einer guten Software für Autoren gehört also unbedingt ein Wortzahlzähler, noch besser, wenn uns unsere Statistiken auch in verschiedenen Diagrammen angezeigt werden können. Wenn man diese dann auch noch via Social Media teilen kann oder für die eigenen Unterlagen ausdrucken kann, macht das einfach glücklich.


5. Notizen-Funktion

Besonders wichtig ist auch eine Notizen-Funktion, mit der man in der Projektdatei selbst alle Notizen zu seinem Projekt sammeln kann. Schluss mit Post-Its, Notizbüchern und Zettelchen, die ständig verloren gehen. Besonders schön ist es, wenn es dann sogar die Möglichkeit gibt, inspirierende Bilder, Videos oder Webartikel einzubinden. So hat man alles an einem Platz und kann viel effizienter an seinem Projekt arbeiten.


6. Outliner

Eine Outline-Funktion ist zunächst nicht für alle Autoren von großer Bedeutung, da viele auch erst einmal drauflos schreiben. Für die Planer unter uns ist ein Outliner eine tolle Möglichkeit, den Überblick über die Geschichte zu bewahren und seine Wortzahlziele für die einzelnen Szenen und Kapitel zu planen und zu überwachen. Aber auch für die Drauflos-Schreiber kann ein Outliner wichtig werden, nämlich dann, wenn es an die Korrektur geht. Spätestens dann wünscht sich jeder Autor einen Überblick über seine Geschichte, mit dem er nach einiger Zeit Abstand wieder schnell den Einstieg finden kann.

Und jetzt seid ihr an der Reihe

Wie weiter oben bereits angesprochen, werde ich euch in den kommenden Artikeln die verschiedenen Programme mit ihren Funktionen genauer vorstellen. Um euch möglichst viel Mehrwert zu bieten, wäre es toll, wenn ihr in einem Kommentar die folgenden Fragen beantworten würdet:

Welche Funktionen sollte das perfekte Schreibprogramm für euch haben?
Womit schreibt ihr gerade? Was gefällt euch? Was stört euch?
Liebäugelt ihr mit einem der Programme? Wenn ja, mit welchem und warum?

Im nächsten Artikel werde ich Scrivener für euch erforschen und auf Herz und Nieren prüfen. Wenn ihr Interesse an diesem Programm habt, schaut euch doch vorher mal die Testversion an. Dann könnt ihr beim nächsten Mal gleich Fragen stellen, solltet ihr welche haben.

Und noch ein Tipp für alle Camp-Teilnehmer: einige der Programme gibt es für die Gewinner des Camps bis zu 50% günstiger.

Bis zum nächsten Mal,

eure Kim.

In diesem Artikel genannte Software (Verlinkung führt zum Hersteller):

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Gastautorin: Kim - bloggt auf All These Special Words.

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  • Scrivener im Test

Kommentare:

  1. Für mich ist Papyrus Autor das Maß der Dinge. Damit habe ich meinen ersten Roman verfasst. Für die Planung meines nächsten Projektes benutze ich aber Scrivener. Nur zur Planung wohlgemerkt. Denn Papyrus Autor ist durch den eingebauten Duden Korrektor und das hervorragende Synonymwörterbuch in meinen Augen das einzige Programm, das konsequent auf die Anforderungen der deutschen Sprache ausgelegt ist. Manche lehnen die Software von vorneherein ab, weil sie von den Sprachautomatiken gehört haben, die dem User bei der Strukturierung des Textes helfen sollen. Dazu gehören eine Anzeige der Wortwiederholungen, eine Stilanalyse und eine Funktion zur Lesbarkeitseinschätzung. Was nicht bedacht wird, ist, dass man Derartiges problemlos abschalten kann, wenn man es für überflüssig hält. Mache ich auch oft. Aber eben nicht immer. Hilfreich ist auch ein Modus, der alles ausblendet, außer Passagen mit wörtlicher Rede. So findet man schnell Stellen auf, wo Anführungszeichen vergessen wurden. Der Navigator ist einem Outliner sehr ähnlich, und nützlich um Kapitel zu verwalten. Was mir als Mac-User allerdings sehr missfällt, ist, dass der Hersteller die Design- und Funktionsrichtlinien des Apple-Betriebssystems glatt ignoriert. Scrivener ist dahingehend vorbildlich. Eigentlich wäre es das Programm meiner Wahl, wenn es über die Highlights von Papyrus verfügen würde.

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  2. yWriter ist in der aktuellen Version 5 auch auf Deutsch verfügbar. Die Sprache muss dann im Hauptbildschirm umgestellt werden, hakt sprachlich an einigen Stellen, aber bequemer als das Programm auf Englisch zu nutzen. Wollte ich nur mal kurz erwähnt haben.

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  3. Ich nutze keines der hier aufgeführten Programme, sondern schreibe mit Patchwork. Das Programm bietet mir alles, was ich brauche, ist übersichtlich, beinhaltet keinen Schnickschnack und kostet nicht einmal ansatzweise so viel, wie Papyrus, ist in meinen Augen aber deutlich besser. Zumindest kam ich mit dem deutlich überteuerten Programm nicht klar.

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  4. Was halten Sie von www.knovelty.de ? Ich will ein Programm für einen günstigen Einstieg, bin mir dabei aber nicht ganz sicher.

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